Der Name des Mains ist keltischen Ursprungs, “moin”, latinisiert wurde daraus moenus. In Flörsheim betreffenden Urkunden und in den Flörsheimer Gerichtsbüchern waren die Schreibweisen über die Jahrhunderte:
men (1320), meyn (1370), moen (1447), mehe (1456), mee (1470), mehe (1525), mayn, main (1656). Im heutigen Flörsheimer Dialekt wird er (nicht nasaliert) Moo ausgesprochen , siehe auch hier.

Der Main ist der größte rechte Nebenfluss des Rheins. Zusammen mit seinem längsten Quellfluss, dem roten Main, hat er eine Länge von 527 km. Nach allgemeinem Verständnis gliedert der Main Deutschland in eine nördlichen und einen südlichen Teil. Das Rhein-Main-Gebiet ist verkehrsgeographisch die Mitte Deutschlands und Europas, Quelle.

Heute ist der Main ein durch Schleusen und wasserbauliche Maßnahmen, die vorwiegend Ende des 19. Jhdts. und Anfang des 20. Jhdts. stattfanden, ein geregelter Flusslauf. Dies war  noch in historischen Zeiten anders. Der Main verzweigte sich im Untermaingebiet eine Vielzahl von Flussarmen mit entsprechend geringerer Wasserführung in den Einzelarmen, siehe rechts.
Der Hauptlauf des Maines im Untermaingebiet, wenn man darunter den wasserreichsten Arm versteht, entsprach in römischer Zeit, im Mittelalter und danach dem heutigen Mainlauf, siehe dazu hier.
In der Flörsheimer Gemarkung prägten allerdings auch zwei Mainaltarme mit das Landschaftsbild (Erdelgraben und  Seegraben), die noch in historischen Zeiten Wasser führten, siehe dazu hier.

Vor der Regulierung des Mains konnten am Untermain extreme Wasserstände auftreten. In die Geschichte eingegangen ist das Magdalenenhochwasser von 1342 (Magdalenentag 22. Juli), das stärkste Hochwasser, von dem je berichtet wurde. Der Höchstwasserabfluss bei Frankfurt wird mit bis zu 4000 m³/s geschätzt (heutige mittlere Wasserführung an der Mündung ca. 200 m³/s). Die Frankfurter Mainbrücke (Alte Brücke) wurde zerstört, Sachsenhausen war von Wasser umgeben. Im Mainzer Dom stand das Wasser einem Mann bis zum Gürtel.
Auch in späteren Jahrhunderten traten extreme Pegelstände auf. So 1682 und 1784, wo man mit dem Nachen über den Frankfurter Römerberg fahren konnte. 
Ein Problem über Jahrhunderte war, dass insbesondere bei Hochwasser Land in den Uferbereichen weggespült wurde, was zu Verlust von Acker- und Weideland führte; in Flörsheim waren auch die wertvollen Niederweingärten betroffen, die bis an den  Main reichten.
Die Flörsheimer begegneten dem um 1740 mit dem Bau einer mit Weiden bepflanzten Steinkrippe, etwa 200 m flussabwärts des Dorfes, die die Strömung des Mains von den Niederweingärten weglenkte, siehe Plan rechts und hier.
Schon der Entwurf sah vor, die Strömung gegen die neu errichtete Eisbrech in Rüsselheim zu lenken, was die Situation in Rüsselsheim, das durch das Hochwasser 1740 und den anschließenden Eisgang schweren Schaden genommen hatte, noch verschärfte. Rüsselsheim verlangte 1762 den Rückbau dieser Krippe [Maul 2017].
Wie aus dem Plan ersichtlich, bewirkte allerdings die vorher gebaute neue Rüsselsheimer Eisbrech eine analoge Strömungsumleitung zum Schaden der Flörsheimer Uferbereiche.

Bis zum Ende des 19. Jhdt. war der Untermain etwa alle zwei Jahre bis in den März zugefroren (1698 auch der Rhein), was in Flörsheim mit seinen Überschwemmungsgebieten Konsequenzen für den Ackerbau hatte. Der anschließende Eisgang bedrohte die Stabilität der Flörsheimer Ortsmauer, dem man allerdings schon beim Bau der Mauer durch Mauerverstärkungen begegnete, siehe hier. Diese Maßnahme war offenbar sehr wirksam - von einer ernsthaften Beschädigung der Ortsmauer nach deren Fertigstellung 1548 durch Eisgang wird nichts berichtet.

In Flörsheim sind die Hochwasserpegelstände des 18. und 19. Jhdts. am Mainturm festgehalten, für das Extremjahr 1832 auch in einer Marke am Sockel der Nepomukstatue auf der Mainmauer des Gasthauses “Zum Hirsch”.  Aber auch nach der Mainregulierung kam es zu bemerkenswerten Hochwasserständen in Flörsheim, so in den 1930er Jahren und 2003 und 2011.
Auf der anderen Seite gab es im 17. und 18. Jhdt. Sommer, in denen man mit dem Ochsenkarren durch den Main fahren konnte. Die Wassertiefe des Mains vor der Regulierung dürfte in Flörsheim außerhalb der Hochwasserzeit zwischen 0,5 m und 1 m gelegen haben. Trotzdem ertranken Leute im Main, so der Fassbinder Hans-Peter Christ und Johannes Jung aus Haßloch, Schäfer in Flörsheim, 1688 (allerdings im März, wahrscheinlich bei Hochwasser).

Der Main war spätestens ab 70 n. Chr. für die Römer eine bedeutende Wasserstraße, um Waren von Mainz nach Nida (civitas taunensium) im Hinterland des Limes transportieren zu können, ebenso auch Truppen zur Limessicherung und für ihre Züge in das freie Germanien.  Man kann davon ausgehen, dass auch die Alemannen nach dem Fall des Limes um 250 n. Chr. den Main als wichtige Wasserstraße nutzten (Flörsheim ist wahrscheinlich eine alemannische Siedlungsgründung), ganz sicher auch die Franken nach der fränkischen Landnahme und im frühen Mittelalter

In der frühen Neuzeit war der Main für Flörsheim der wichtigste Transportweg für schwere Güter nach Mainz (neben dem Mainzer Weg, siehe hier), in den Rheingau und nach Frankfurt.
Weinanbau, Weinverkauf und Weinhandel waren die wichtigsten Einnnahmequellen der Flörsheimer Einwohner, siehe hier. Der Wein wurde in Fuderfässern auf Mainschiffen transportiert. Den Transport zum Schiff übernahmen die Schröter (ein volles Fuderfass wog etwa 1 Tonne).
Die Trauben aus den Weingärten der Karthäuser in Flörsheim wurden in ihrem Wirtschaftshof gekeltert, und der Wein per Schiff in ihr Kloster nach Mainz geliefert, siehe hier.
Zum Transport der Pachtabgaben (in Form von Getreide) für das Klosters Eberbach sandte das Kloster jährlich zu einem festgesetzten Termin sein Schiff von Erbach im Rheingau nach Flörsheim. Die Flörsheimer Pächter mussten beim Beladen helfen und die Schiffsbesatzung einen Tag lang verköstigen, siehe hier.

Der Main war der wichtigste Transportweg für Bauholz, das aus den waldreichen Gebieten am Obermain den Main hinunter geflößt wurde. Das Tannenholz zum Bau der ersten Schildwirtschaft Flörsheims stammte aus dem Frankenwald (Dendrochronologielabor Best, Schifferstadt). Flörsheim hatte zwar Rechte am Fünfdorfmarkwald, aber Streitigkeiten über Jahrhunderte mit den südlich des Mains gelegenen Markwalddörfern führten dazu, dass die Flörsheimer oft keinen Nutzen an diesem Wald hatten.

Im Vergleich zu Ackerbau und Weinbau spielte Fischerei auf dem Main als Erwerbszweig keine Rolle. Flörsheim hatte vor dem 20. Jhdt. keine Fischereirechte auf dem Main, siehe dazu hier.    

Eine regelmäßige öffentliche Schiffsverbindung (neben der freien Schiffahrt) zwischen Mainz und Frankfurt, das Marktschiff, ist belegbar bereits für das  14. Jhdt.. Ein regelmäßig verkehrendes, für jedermann zugängiges Transportmittel  stellte eine neue Qualität im Transportwesen dar.
1391 verlieh König Wenzel die Hoheit über die Marktschiffe der Freien Stadt Mainz. Ab dem 15. Jhdt. verkehrten zwei Marktschiffe täglich im Gegentakt [Bettgenhäuser 1896].
Seit 1474 hatte das Kurfürstentum Mainz die alleinigen Rechte zur Berg- und Talfahrt auf dem Untermain. Die Vergabe der Schiffahrtsrechte und die Bestellung der Marktschiffer (Bestandsbrief) erfolgte durch eine Mainzer Behörde, die camera praebendati, siehe weiter unten.
Im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit spielte die freie Reichsstadt Frankfurt, was den Schiffsverkehr auf dem Untermain betrifft, keine wesentliche Rolle [Dietz 1921]. Alle Schiffahrtsrechte auf dem Untermain lagen beim Kurfürstentum Mainz.

Das Marktschiffahrtswesen war privatrechtlich organisiert, die Marktschiffe und das Betriebskapital waren Privatbesitz. Wie die Marktschiffer als Unternehmer wirtschaftlich arbeiten konnten, bei der Verpflichtung zu einem täglichen Fahrangebot unabhängig vom Transportaufkommen (ungeladen als geladen) und zumindest zeitweiser Deckelung der Transportpreise durch die Mainzer Behörde, ist teilweise noch unklar.
1430 machte der Frankfurter Rat dem Mainzer Rat den Vorschlag, für die Talfahrt 12 Heller und für die Bergfahrt 18 Heller zu fordern, was sich aber nicht dauerhaft durchsetzen ließ. Vermutlich gab es eine Monopolisierung der Marktschiffe durch eine restriktive Vergabe der allgemeinen Berg- und Talfahrtsrechte [Bettgenhäuser 1896].

Nach einem 1584 zwischen Kurmainz und der freien Reichsstadt Frankfurt abgeschlossenen Vertrag standen Schiffer und Passagiere  der Marktschiffe unter kurmainzischem Schutz bis sie das Frankfurter Ufer betraten. Das galt auch unter bestimmten Umständen für Straftäter, denen es gelang in Frankfurt auf das Marktschiff zu gelangen [Bettgenhäuser 1896].

Auch die Geleitrechte (militärischer Schutz von Handlungsreisenden gegen Bezahlung) auf dem Landweg auf beiden Seiten des Untermains lagen bei Mainz,  wichtig insbesondere während der Frankfurter Messen. Die wichtigste Strecke entlang des Untermains war die nördlich des Mains von Mainz über Kastel (Rheinbrücke), Kostheim, Hochheim, Flörsheim, Höchst nach Frankfurt. Die Versuche der Landgrafen von Hessen, dies zu ändern, waren erfolglos.  

Im 17. Jhdt. fuhr das Marktschiff  täglich um 7 Uhr in Mainz ab, lud bei Bedarf Personen und Güter in Hochheim und Flörsheim aus resp. ein, machte einen einstündigen Stop in der mainzischen Stadt Höchst und erreichte zwischen 3 und 4 Uhr Frankfurt. Anlege- und Abfahrtsstelle in Frankfurt war am Fahrtor, siehe rechts. Von dort ging es um 10 Uhr am nächsten Tag ab und erreichte, ebenfalls nach einem Zwischenstop in Höchst, zwischen 3 und 4 Uhr Mainz.

Als 1653 nach dem 30-jährigen Krieg die Marktschiffahrt wieder aufgenommen wurde, betrugen die Fahrtkosten für eine Person 16 xr, Ende des 17. Jhdts. 24 xr und Anfang des 19. Jhdts. 36 xr [Schüler 1887], (xr: Kreuzer, siehe Maßeinheiten).

Während die Schiffe flussabwärts die Strömung nutzen konnten, mussten sie flussaufwärts getreidelt werden. Die Schiffe wurden von Pferdegespannen auf Leinpfaden/Treidelpfaden gezogen. Die Treidelleine, die über ein Treidelgeschirr am Schiff befestigt war, verband das Schiff mit dem Gespann, siehe rechts. Der Leinpfad zwischen der Mainmündung und Frankfurt (Sachsenhausen) lag am linken Mainufer (in Rüsselsheim gibt es ein Leinreiterdenkmal); die Landgrafen von Hessen-Darmstadt waren für dessen Unterhalt verantwortlich, siehe dazu auch [Maul 2017]. Die Leinreiter standen unter Mainzer Schutz.
Nur in Mainz, Höchst (ab etwa 1450) und Frankfurt gab es feste Anlegestellen. Zwar konnte ein Oberländer (rechts) aufgrund seiner Bauweise auch an unbefestigten Ufern anlegen, musste aber bei Niedrigwasser in der schmalen Fahrrinne bleiben, so dass  Güter und Personen mit Nachen an Land gebracht werden mussten. Dazu und als zusätzliche Ladekapazität für Güter führten die Schiffe Nachen mit (Treidelzug), aber auch die lokalen Fährbetriebe in Flörsheim und Hochheim konnten den Transport zum oder vom Marktschiff übernehmen.

In den Flörsheimer Gerichts- und Kirchenbüchern des 17. und 18. Jhdts. werden die folgenden Personen als Schiffer benannt: Heinrich Kester (-1645), Marcus Neumann (-1653), Andreas Klepper (1711-1775) und seine Brüder Johann Jacob (1714-1772) und Conrad (1722-1783) sowie die beiden Söhne von Andreas Klepper Gerhard (1737-1783) und Andreas (1750-1794).
Im 18. Jhdt. betrieben die Flörsheimer Kleppers ein Marktschiff. Im Inventar von Andreas Klepper (1711-1775) von 1760 ist sein Schiff aufgeführt (GB 1756-1802 N):

schiff und geschirr auf dem Mayn sambt den eißen, sahl, pflagen, seyell und in summa, waß Zu dem Mayn fahrgeschirr gehort ist für sein Theil taxiert worden 500 fl         noch ein änden nachen so tax. 8 fl

1790 verlangte das Mainzer Domkapitel vom Hochheimer Amtmann eine Untersuchung wegen des illegalen Nachenhaltens in Flörsheim, siehe hier. In diesem Zusammenhang sollte der
Amtsschultheiß in seinem Bericht noch eines besonder Zwerchfart (Fähre) auser der von camera praebendati verliehenen Berg- und Thalfarth zu Flörsheim Meldung thut: so wäre über derselben Beschaffungen und wem das Eigenthum, auch aus was für gründen zustehe? ferner Bericht zu erstatten (HHStAW 105/289).
Die Camera praebandati war eine Mainzer Behörde, die auch das Recht zur Berg- und Talfahrt vergab, von lat. praebendare, gewähren.

In diesem Bericht des Hochheimer Amtmanns an das Domkapitel 1790 wird Jacob Dienst (1740-1816) als Beständer der Berg- und Talfahrt und als Marktschiffer bezeichnet.
Hierbei handelt es sich allerdings um eine Verwechslung (die entsprechenden Dokumente waren verschollen). Jacob Dienst besaß nur Nachen und betrieb die Mainfähre, siehe auch hier. Der Beständer der Berg- und Talfahrt war zu dieser Zeit Andreas Klepper d. J..

1270 verkauften die Eppsteiner ihr Dorf Flörsheim an das Mainzer Domkapitel; ihr Recht an der Flörsheimer Mainfähre (Flörsheimer Fahr) wurde jedoch nicht veräußert, was die Bedeutung dieses Mainübergangs unterstreicht. Für die Eppsteiner war diese Fähre eine wichtige Einnahmequelle, auch weil viele Fernreisende auf diese Fähre angewiesen waren - die einzige Mainbrücke am Untermain war in Frankfurt. Sie verkehrte vom Flörsheimer Mainufer an der großen Mainpforte zur gegenüberliegenden Anlegestelle in der Raunheimer Gemarkung.
Für die Flörsheimer war die Fähre ein wichtiger Mainübergang zum Fünfdorfmarkwald und über den Schnelser Weg nach Haßloch.
Das kurmainzische Haßloch war seit 1526 eine katholische Enklave im lutheranischen Hessen. Im 17. und 18. Jhdt gehörte die Kirche in Haßloch zur Pfarrei Flörsheim; Geburten, Hochzeiten und Sterbefälle Haßlocher Einwohner sind in den Flörsheimer Kirchenbüchern eingetragen. Es gab vielfältige verwandschaftliche Beziehungen zwischen Haßlocher und Flörsheimer Einwohnern.

1480 bemächtigte sich der Flörsheimer Schultheiß des Fährbetriebs, da die Eppsteiner nicht für die Unterhalts- und Reparaturkosten aufkamen. Auf Bitten des Mainzer Erzbischofs, der eine offene Konfrontation mit den Eppsteinern verhindern wollte, riet das Domkapitel dem Schultheißen, sich des Fahrs zu entäußern, da es ihn nicht schützen könne, wenn die Eppsteiner nach ihm griffen. Die Flörsheimer hatten vorher beim Domkapitel angefragt, ob sie sich in einem solchen Fall wehren sollten.
1481 brachte der Höchster Zollschreiber vor, dass das Fahr zu Flörsheim ledig stehe, was dem Kap. Schaden am Zoll bringe; er erbietet sich zur Bestellung, wenn es den Herren gefalle [Protokolle Domkapitel 1450-1484].

Dieser Streit ist im Zusammenhang mit einem schwerwiegenderen Streit mit den Eppsteinern zur gleichen Zeit um die Leibbede (Personensteuer) der in Flörsheim lebenden eppsteinischen Eigenleute zu sehen, siehe hier.

Die Eppsteiner, denen zu dieser Zeit bereits finanziell das Wasser bis zum Hals stand, waren 1492 gezwungen die Hälfte ihres Besitzes an Hessen zu verkaufen, zusammen mit ihrem Recht am Flörsheimer Fahr [Schäfer 2000]. Seit dieser Zeit hatte Hessen und später Hessen-Darmstadt das Recht an der Flörsheimer Mainfähre.

Im 17. und 18. Jhdt. waren es Flörsheimer Einwohner, die diese Fähre betrieben. In einem Bestandsbrief für das Flörsheimer Fahr von 1790 von Andreas Ruppert heißt es (aus einem Bericht de Hochheimer Amtmanns, HHStAW 105/289)

Verleihen wir unser Fahrt mit aller GerechtigKeit und Freiheit, wie uns von Altersher zustehet ... Jeden Männiglichen aufs beste zu beförderen, die Gerechtsamen aufrecht zu erhalten, Keine Beschwerden und Neüerungen auffKommen zu lassen, und die Anzeigen in derley Fällen bei dem Hochfürstl. Darmstädtischen Oberamt Wallau zu machen.
Die Uiberfahrt Gebürnis, welche die flörsheimer Unterthanen an den färger
(Fährmann) zahlen, ist durch ein sogenanntes Jahrgeding festgesetzt und durch die Ortsgewohnheit gegründet.
Es entrichtet nämlich: der bespannte Gemeinds Mann von 2 Pferden 1 Malter, von 2 Ochsen 3 Simmer, von 1 Pferd 2 Simmer, von 1 Ochsen 1 1/2 Simmer Korn
(zu Maßeinheiten siehe hier)
Der ohnbespannte Burger aber jährlich nur 20 xr für die jährlichen Uiberfahrten, derselbe mag Viel= oder Weniger überfahren .
Das Bestandsgeld betrug 18 fl jährlich.

In einem Gerichtsbucheintrag von 1734, GB 1729-1742 GVN siehe hier, wird das Schöffgefehrt des Jacob Breinlein versteigert, bestehend aus 2 bellhorn oder Pringnachen, 2 fuhrnachen und einer großen Nehe. Es handelte sich um Transportnachen, die Im Fährbetrieb über den Main benutzt wurden, wobei vermutlich Pringnachen (von bringen) dem Personentransport dienten und die größeren Fuhrnachen und Nehen dem Transport von Vieh und Gespannen.

Mitversteigert wird die “Brücke” über den Main am Fahr. Fahr war die Bezeichnung für den Platz am Mainufer, wo der Fährbetrieb begann bzw. für den Fährbetrieb selbst. Es war sicher keine feste Brücke, eine solche gab es in Flörsheim vor 1928 nicht. Es kann sich nur um das Recht gehandelt haben, bei Bedarf zeitweise ein Schiffbrücke aus Nachen zu installieren. Dafür spricht auch die Erwähnung der am Geschirr anhängenden Mehe Küdten (Mainketten), die offenbar zum verkoppeln der Nachen benutzt wurden. Die Errichtung von temporären Schiffbrücken war nicht ungewöhnlich und ist z. B. im 30-jährigen Krieg für Sachsenhausen, Höchst und Kostheim belegt. Alles wurde von Paul Weilbächer (-1738) meistbietend für 113 fl ersteigert.
Jacob Breinlein kam um 1720 von Lichtenfels nach Flörsheim. Er hatte mit seiner Frau 8 Kinder, wovon die meisten nicht das Erwachsenenalter erreichten.

Im Inventar von Jacob Dienst (1740-1816) , Fährmann/Fischer, ist 1783 das fahrgeschiehr aufgeführt (GB 1756-1802 N):
1 großer ändennachen 18 fl, 1 dreybordtiger nachen 6 fl, 4 fahrbaüm mit stagellen 35 xr
Ein ändennachen (Entennachen) war ein großer Nachen, mit dem auch ein Pferde- oder Ochsengespann über den Main gebracht werden konnte. Ein Fahrbaum ist eine lange Holzstange zum staken der Nachen, siehe auch hier.

Die Flörsheimer Mainfähre war als große Fähre (für Fahrzeuge) bis 1928 in Betrieb (Bau der Opelbrücke). Bis in die 1970er Jahre gab es noch einen Personenfährbetrieb mit Nachen.

Das Recht an der Hochheimer Mainfähre lag beim Mainzer Domkapitel, das dieses im 17. Jhdt. für 10 fl jährlich an Hochheimer Einwohner verpachtete [Schüler 1887].

Im Flörsheimer Stockbuch von 1656  gibt es die Bezeichnung “Rüsselsheimer Fahr” für eine Stelle an der Mündung des Flörsheimer Baches, siehe hier. Worauf sich diese Bezeichnung gründet, ist unklar - in keinem bekannten Dokument vor 1656 gibt es Hinweise auf einen historischen, regelmäßigen Fährbetrieb an dieser Stelle.
Nach [Metzner 2010] führte ein mittelalterlicher Fernweg aus der Gemarkung Wicker kommend an der Flörsheimer Warte vorbei zum Flörsheimer Bach bis zu dessen Mündung gegenüber von Seilfurt, siehe Karte hier. Solange dieser Weg benutzt wurde, muss es offenbar einen Mainübergang an dieser Stelle gegeben haben. Es war vermutlich eine Furt, wie der Name Seilfurt nahelegt. Die Flurbezeichnung für den Bereich um die Bachmündung war 1290 versus seilvort, 1475 geyn seylfort (gegenüber Seilfurt).
Auch der folgende Eintrag aus den Protokollen des Domkapitels deutet nicht auf einen regulären Fährbetrieb 1522 an dieser Stelle hin:
Auf Ansuchen des Anth. Wolf, Amtmanns zu Rüsselsheim, gestattet Kap. dem Landgrafen von Hessen zu Gefallen und dem Amtmann zu guter Nachbarschaft, dass er noch einen nehen
(Nachen) zu Flerszheym haben mög, bis etlich bauholz zu einem haus, so er von sein herrn wegen zu Massenheym bauen wöll, destofurderlicher uberfuren lasssen möcht; nach Beendigung des Holztransports soll die Nähe wieder abgetan werden.   1522 April 2

In der Karte von 1850 ist die Flörsheimer Fähre eingetragen, aber keine Fähre am Rüsselsheimer Fahr.

Da aber 1656 die Bezeichnung “Rüssselsheimer Fahr” aktenkundig ist, kann man vermuten, dass es hier zeitweise einen Fährbetrieb gab, der aber wohl nicht die Bedeutung des Flörsheimer Fahrs hatte.

Das Standbild des Hl. Nepomuk, des Fluss- und Brückenheiligen, wurde 1741 von der  Familie Wentzel gestiftet, in deren Besitz sich das Gasthaus “Zum Hirsch” zu dieser Zeit befand.
Die Inschrift unter der Statue, heute stark verwittert, lautet:
Zu ehren des h. Jois Nepomuceni haben beyde Eheleuth Henrich Christian Wentzel und Anna Maria Wentzel geborene Brand dises Bilt machen lassen. 1741.
In der Mitte des Sockels befindet sich die Hoch- wassermarke von 1832.
Aufnahme 2011

Hochwasser in der Obermainstraße 1930 weitere Bilder hier     Aufahme Paul Flesch

Ansicht von Flörsheim am Main, unbekannter Maler, zwischen 1706 und 1766, größere Darstellung hier        Original im Museum Flörsheim

Hochwasser im Maingrund gegenüber Rüsselsheim            Aufnahme 2011

Johannes Nepomuk wurde um 1350 bei Pomuk in Böhmen geboren. Er war Priester, Rechtsgelehrter und Generalvikar des Prager Erzbischofs. Der Legende nach weigerte sich Johannes Nepomuk, das Beichtgeheimniss zu brechen. Er wollte dem böhmischen König Wenzel nicht preisgeben, was dessen vom König der Untreue verdächtigte Frau dem Priester anvertraut hatte. Er wurde verhaftet, gefoltert und von der Prager Karlsbrücke in die Moldau gestürzt, wobei er den Tod fand. Johannes Nepomuk wurde 1721 heilig gesprochen. Er gilt als Schutzpatron der Schiffer und Flößer und als „Brückenheiliger“.  Seine Staue steht typischerweise auf Brücken und an Flüssen.

Ortsansicht von Flörsheim, im Vordergrund ein Treidelzug, unbekannter Zeichner, zwischen  1706 und 1766, Gesamtdarstellung hier.
Das Treideln hätte mit einer nur an der Mastspitze befestigten Leine wie in dieser Darstellung nicht funktioniert; im Bild darunter die richtige Leinenführung.

Oberländer, eine im 16., 17. und 18. Jhdt. häufige Flusschiffbauart auf Rhein und Main, Bild von hier.
Diese Bauform erlaubte es, an unbefestigten Ufern ohne Kai anzulegen, Oberländer konnten über den Bug beladen werden. Siehe auch “Rheinschifffahrtsgeschichte”.

Entwurf zum Bau einer Wasserkrippe flussabwärts von Flörsheim zum Schutz der Uferbereiche der Niederweingärten, um 1740, Gesamtplan hier                                              HHStAW 3011/1-589H

Der Mainlauf und die Altarme im Mündungsbereich des Mains, größere Darstellung hier  [Nahrgang 1934]

Sandsteinstele zur Erinnerung an das Flörsheimer Fahr am Raunheimer Mainufer. Am Flörsheimer Mainufer steht genau gegenüber eine entsprechende Stele   Aufnahme 2011

Die letzten Fahrten der Flörsheimer Mainfähre von Adam Schindling nach dem Bau der Opelbrücke 1928
 Aufnahme Paul Flesch 1928

Flörsheimer Fähre um 1900, historische Postkarte, Original im Museum Flörsheim

Flörsheimer Mainufer Richtung Südwesten, im Vordergrund der “Weg” zur Fähre, um 1910
Original im Museum Flörsheim

Der zugefrorene Main 1914  Original im Museum Flörsheim

Flörsheimer Wehr, erbaut 1886
Aufnahme Paul Flesch

Das Flörsheimer Wappen zeigt ein Schiff, siehe dazu hier.

Das Frankfurter Fahrtor, 1840 abgerissen
Ölgemälde 1846, Hist. Museum Frankfurt

Anlegestelle der Marktschiffe am Frankfurter Fahrtor um 1555, die Schiffe sind Oberländer [Dietz 1921]

Main, Mainschiffahrt und Mainfähre