Damit das Dorf Flörsheim mit seinen 550 Einwohnern 1656 “funktionieren” konnte, mussten die wirtschaftlichen Voraussetzungen gegeben sein, um zunächst einmal die materiellen Grundbedürfnisse wie Essen, Trinken und Kleidung der Hausgemeinschaften zu befriedigen. Zweitens mussten die Höfe in der Lage sein, Einkommen (Geld und Naturalien) zu erwirtschaften, um Pacht, Zehnten und vielfältige Steuern zu bezahlen und Betriebs- und Investitionskosten (z. B. zum Erhalt der Häuser) zu decken. Drittens benötigte die Dorfgemeinschaft als Ganzes Einkommen, um die Verwaltung sicherzustellen, Recht und Ordnung aufrecht zu erhalten und den Schutz des Dorfes zu gewährleisten (der Erhalt der Dorfbefestigung war sehr teuer)

Die Wirtschaft Flörsheims im 17. Jhdt. basierte auf Ackerbau, Weinbau, Viehwirtschaft, Handwerk und Weinhandel.  Sonstiger Handel und Geldwirtschaft waren von untergeordneter Bedeutung. Fischerei als Erwerbszweig spielte im 17. Jhdt. keine Rolle, siehe hier.

Um die Bedeutung des Ackerbaus bewerten zu können, muss der Nettogetreideertrag (nach Abzug von Pacht und vorzuhaltendem Saatgut) der Höfe bekannt sein.

Unter der etwas optimistischen Annahme, dass 2/3 der Ackerfläche eines Hofes mit Getreide eingesät waren, ist der Nettoertrag EE in Malter  eines eigenen Ackers der Fläche FE in ha bei einem Ertrag e in Malter/ha und der notwendigen Saatgutmenge von 1,5 Malter/ha (siehe Ackerbau): EE = 2/3 x FE x e - 1,5 x 2/3 x FE = (2/3 x e - 1) x FE
Für einen gepachteten Acker der Fläche FP gilt entsprechend t:  EP = 2/3 x FP x e - 1,5 x 2/3 x FP - 1,4 x FP = (2/3 x e - 2,4) x FP bei 1,4 Malter/ha Pach
Dabei ist berücksichtigt, dass das Saatgut nur für 2/3 der jeweiligen Fläche vorgehalten, und die Pacht für die gesamte gepachtete Ackerfläche aufgebracht werden muss. Der Gesamtertrag eines Hofes ist EE + EP. Für jeden Hof sind die Flächen FE und FP bekannt, so dass der Nettoertrag eines jeden Hofes berechnet werden kann.

Das Diagramm rechts oben zeigt als Ergebnis die Anzahl der Höfe mit einem bestimmten Gesamtnettoertrag. Dabei sind alle Hausgemeinschaften gezählt, auch die wenigen, die keine Äcker besaßen.

Der Getreidebedarf eines Erwachsenen betrug mindestens 200 kg/Jahr, also etwa 2,5  Malter [Rösch, Heumüller 2008]. Für eine Hausgemeinschaft mit im Mittel 5,5 Personen (inkl. Kinder) kann man von einem Eigenbedarf an Getreide von 11 Malter ausgehen, die in Form von Roggenbrot und Hafer- und Hirsebrei verzehrt wurden, siehe Essen und Trinken.  Ein Blick auf das Histogramm rechts oben zeigt, dass 2/3 der Hausgemeinschaften nicht in der Lage waren, den Eigenbedarf zu decken. Diese mussten mit Geld aus anderen Einkommensquellen, z. B. aus Weinbau, Handwerk oder als Tagelöhner, Getreide und Mehl dazukaufen. Nur 1/3 der Höfe konnten nach Abzug des Eigenbedarfs durch Verkauf des Getreides Einkommen in Form von Geld erwirtschaften.   

Von den 700 ha Ackerland 1656 besaßen die Flörsheimer Höfe 27 % eigene Äcker, 73 % waren gepachtet. Nimmt man diese Werte für einen fiktiven Durchschnittshof, lässt sich für verschiedene Erträge pro ha die Ackerfläche berechnen, die notwendig ist, um einen bestimmten Nettoertrag an Getreide zu erzielen (zweites Diagramm rechts).
Man sieht, dass bei einem Ertrag von 5 Malter/ha (mittlere bis gute Ernte) 8 ha Ackerland, entsprechend einer Hube, notwendig war, um 11 Malter, den Eigenbedarf einer Hausgemeinschaft, zu erwirtschaften. Das war der Grund, warum Ackerflächen als ganze Huben entsprechend 8 ha verpachtet wurden.
Fällt der Ertrag bei schlechten Ernten unter 4,5 Malter/ha, reichen auch sehr große Ackerflächen nicht mehr aus, um den Eigenbedarf zu ernten, es sei denn, die Klöster hätten auf einen Teil der Pacht verzichtet, was nicht der Regelfall war. Da witterungsbedingte schlechte Ernten sicher kein lokales Phänomen waren, entfiel auch die Möglichkeit, Getreide aus der Region zuzukaufen. In solchen Jahren war Hunger angesagt.
Für die Flörsheimer des 17. Jhdts. war es nicht selbstverständlich, immer genügend zu essen zu haben; das “Tägliche Brot” gab es nicht alltäglich. Der Besitz von Äckern wird in den Gerichtsbüchern häufig als nahrung bezeichnet; ein Zeichen für die existenzielle Abhängigkeit von fruchtbaren Ackerböden und guten Ernten.

Bei nicht gepachteten, eigenen Äckern würde selbst bei schlechter Ernte mit 4 Malter/ha eine Ackerfläche von 6,6 ha gereicht haben, um 11 Malter Nettoertrag zu erzielen. Allerdings hatten 1656 nur zwei Höfe eigene Ackerflächen dieser Größe: Georg Lindheimer (67 Morgen) und Maria Wolpert (28 Morgen).

Rechnet man bei guter Ernte 7 ha als notwendige Ackerfläche für eine Hausgemeinschaft, reichte die gesamte Ackerfläche von 700 ha aus, um den Eigenbedarf aller Flörsheimer Höfe zu erwirtschaften (100 Höfe). Flörsheim war also bezüglich der Getreideversorgung autark. Allerdings mussten 2/3 der Höfe Getreide zukaufen, 1/3 der Höfe konnten aber Getreide verkaufen. Die Tatsache, dass die 700 ha Ackerfläche die Getreideversorgung der gesamten Flörsheimer Bevölkerung sicherstellen konnte, ist sicher kein Zufall; mehr dazu weiter unten.

Im Weinbau wurden auf 100 ha Wingertfläche bei einem mittleren Ertrag von 0,8 Fuder/Morgen insgesamt 320 Fuder Wein produziert. Alle Flörsheimer Winzer stellten Wein zum Eigenverbrauch her, einige produzierten auch für den Ausschank (Heckewirtschaften), siehe Weinbau   
Der Eigenverbrauch lässt sich abschätzen: Für 1682 sind die Einnahmen der Gemeinde aus der Schanksteuer überliefert (GB 1675-1690 V/N). Die Schanksteuer betrug 10 alb pro verzapftem Ohm Wein. Insgesamt wurden 89,5 Ohm Ausschankwein verzapft.
Der Eigenverbrauch des Schankweinproduzenten Martin Schwertzel mit einem großen Haushalt war 6 Ohm; der Eigenverbrauch ist angegeben, weil dieser nicht versteuert werden musste. Rechnet man für eine durchschnittliche Familie nur 4 Ohm Eigenbedarf, beläuft sich der Eigenbedarf aller Flörsheimer Haushalte auf 400 Ohm. Zusammen mit dem Schankwein wurden also etwa 490 Ohm Wein konsumiert, das sind 82 Fuder oder 73.800 L Wein. Wein war Grundnahrungsmittel. Zum Weinkonsum siehe auch Essen und Trinken.
Das Histogramm rechts (grüne Balken) zeigt die Anzahl der Höfe, die eine bestimmte Menge Wein erzeugt haben. Man sieht, dass bei einem Eigenbedarf von 4 Ohm entsprechend 0,7 Fuder einer Hausgemeinschaft fast alle Hausgemeinschaften ihren Eigenbedarf aus eigenem Weinbau decken konnten (der Eigenbedarf entspricht dem Ertrag von einem Morgen Weingarten).
Von den insgesamt 320 Fuder produziertem Wein blieben nach Abzug des Eigenbedarfs etwa 240 Fuder für Verkauf und Handel. Dies war die wichtigste Einnahmequelle der Flörsheimer Bevölkerung im 17. Jhdt., siehe Einkommensstruktur der Bevölkerung. Der größte Weinproduzent 1656 war Georg Lindheimer mit 20 Fuder.

In einem agrarisch geprägten Dorf wie Flörsheim spielte die Viehwirtschaft eine wesentliche Rolle. Pferde und Ochsen wurden als Zugtiere gebraucht, Schweine als wichtigste Fleischlieferanten, Kühe für Milch (Butter, Käse), Hühner und Gänse für Eier und Federn, in geringerem Maße auch als Fleischlieferanten.
Rinder wurden mit 4-5 Jahren geschlachtet, wenn ihre Zugleistung oder Milchproduktion nachließ, Schweine, wenn sie fett genug waren, siehe auch Essen und Trinken. Die Häute der geschlachteten Tiere wurden verkauft; Flörsheim hatte 1656 einen Schinder (Abdecker) aber keine Gerberei.
Die Viehwirtschaft lieferte den unverzichtbaren Mist als Dünger für Weingärten (besserung), der dem Boden die beim Rebenwachstum verbrauchten Stoffe wieder zuführt (als Elemente vorwiegend Stickstoff, Phosphor, Kalium, Kalzium und Magnesium). Während Ackerböden sich während der Brachzeit zumindest teilweise regenerieren können, ist das bei Weingärten nicht der Fall. In der frühen Neuzeit war ertragreicher Weinbau ohne Mist nicht möglich, entsprechend wertvoll war das Produkt Mist.
Bei Erbschaften wurde der Mist unter den Erben geteilt. In dem Erbpachtvertrag des Clarenklosters von 1457 werden die Hübner verpflichtet, jährlich 6 Karren Mist in die Weingärten des Klosters zu liefern.

Die Viehwirtschaft wurde als Subsistenzwirtschaft betrieben, d. h. zur Sicherstellung der nichtmonetären Bedürfnisse der Flörsheimer Bevölkerung in einem agrarischen Dorf. Auf nahegelegenen Märkten wurde sicher gelegentlich Vieh gekauft und verkauft, aber die Viehwirtschaft diente nicht primär der Erzielung von Einkommen durch Handel oder Viehzucht. Für 1697 (HHStAW 105/490) ist der Viehbestand überliefert. Rechnet man den Bestand entsprechend der geringeren Einwohnerzahl auf 1656 herunter, ist das Ergebnis:  20 Pferde, 15 Ochsen, 120 Kühe, 20 Kälber und etwa 150 Schweine. 70 % der Flörsheimer Hofreiten besaßen nur eine Kuh.
In den Inventaren werden die Kühe mit den Farben rot, braun und schwarz-weiß beschrieben (Abb. rechts). Sie waren wesentlich kleiner als heute und hatten eine Widerristhöhe von etwa 130 cm. Ein von der Gemeinde entlohnter Kuhhirte hütete die gemeindeherde auf den gemeindeeigenen Weiden (wasen), die vorwiegend am Main lagen, siehe Flächennutzung.
Während die Pferde in den Inventaren der wohlhabenderen Höfe aufgeführt sind, findet sich in keiner der Inventarlisten  ein Ochse. Die Ochsen als Zugtiere wurden genossenschaftlich gehalten und bei Bedarf gemietet (ochsepacht). Die Haltung von eigenen Ochsen, die nur zu bestimmten Zeiten gebraucht wurden, wäre unwirtschaftlich gewesen.
Der größte Teil der Schweine wurden, wenn es die Jahreszeit erlaubte, im Wald  gemästet (Eichelmast). Die Flörsheimer Schweine hatten ein eigenes Brandzeichen, um sie von den Schweinen der anderen vier Markwalddörfer zu unterscheiden. Die damaligen Schweine hatten im Erscheinungsbild nichts mit den heutigen Hausschweinen gemeinsam. Sie kreuzten sich im Wald mit Wildschweinen und ähnelten diesen im Aussehen (Abb. rechts).
Das Flörsheimer Gericht war zuständig für die Anschaffung, Haltung und regelmäßigen Austausch der beiden gemeindefarne (Zuchtbullen) und des Gemeindeebers (Zuchteber). Dieses faselvieh wurde in der Regel von den beiden Bürgermeistern gehalten, die dafür zusätzlich bezahlt wurden.

Auch die Gänsehaltung wurde genossenschaftlich betrieben. Gänsehirten hüteten die Gänse, die nur auf dem Brachfeld und den Stoppelfeldern gehalten werden durften -  nicht auf den Kuhweiden am Main, siehe hier. Die Gemeinde hatte ein gewisses Einkommen durch Verkauf der gemeindefedern

Hühner gab es erstaunlicherweise nur wenige; in einem Hof wurden durchschnittlich 6 Hühner und ein Hahn gehalten. In den Inventarlisten findet man sie in im Hof, in der Scheune, in den Ställen und in der Küche. 

Die Schäferei wurde verpachtet, so 1666 an Johann Lindheimer und 1691 an die Witwe von Johann Lindheimer; vor 1666 scheint es keine Schäferei gegeben zu haben (30-jähriger Krieg). Der Pächter der schafweydt stellte den Schäfer und kümmerte sich um alles, was mit der Schafhaltung verbunden war, auch um den Verkauf der Wolle. Verträge mit dem Pächter legten genau fest, welche Gemarkungsbereiche wann als Schafweide genutzt werden durften, so auch der Fünfdorfmarkwald. Den Pachtvertrag von 1691 kann man hier finden. Von der Verpachtung der Schäferei hatte die Gemeinde ein beträchtliches Einkommen: 85 fl/Jahr.

Holzwirtschaft: 1656 gab es in der eigentlichen Flörsheimer Gemarkung, außer einem kleinen Wäldchen auf dem Hinterrod, keinen nutzbaren Wald mehr, insofern war die Beschaffung des unverzichtbaren Brennholzes immer mit großem Aufwand verbunden. Es musste aus dem Fünfdorfmarkwald mit der Fähre über den Main geschafft werden, was wegen permanenter Streitigkeiten mit den anderen Markdörfern, insbesondere mit Rüsselsheim, zusätzlich erschwert wurde. Mit den Dokumenten zu den Streitigkeiten der Markdörfer untereinander kann man ganze Regale füllen.
Dabei ging es nicht nur um die Beschaffung von Brennholz, der Wald wurde ebenso für die Gewinnung von Bauholz und für die Schweinemast benötigt (allein für den Bau des neuen Kirchenschiffes 1664 wurden 70 Eichen gefällt).
Allerdings hatte noch im 17. Jhdt. jeder Flörsheimer Hofbesitzer das Recht, selbst im Wald Brennholz zu machen und seine Schweine im Wald zu mästen, und zwar ohne Abgaben oder Gebühren (bruchgerechtigkeit).
Das änderte sich nach 1718, nachdem ein eigener Flörsheimer Wald vom Fünfdorfmarkwald abgetrennt worden war. Das Flörsheimer Gericht erklärte den Wald zum Gemeindeeigentum (nicht Almende), organisierte die Beschaffung des Brennholzes und verkaufte es an die Einwohner mit hohem Gewinn. Zum Flörsheimer Wald und zur Holzwirtschaft im 18. Jhdt. siehe hier.

Handwerk: Aus dem Stockbuch 1656 sind 19 Flörsheimer Bürger aktenkundig, denen ein Handwerk zugeordnet wird, Tabelle rechts. Davon besaßen fünf keine Äcker oder Weingärten in nennenswertem Umfang, man kann sie deshalb sicher als hauptberufliche Handwerker betrachten, die als Bäcker, Schuhmacher, Zimmerleute, Schneider und Fassbinder ein gewisses Auskommen hatten. Alle anderen Handwerker bewirtschafteten Äcker und Weingärten, teilweise mit größeren Flächen. Hier lag offensichtlich Nebenberufshandwerk vor. Auch dürfte ein 600-Seelen-Dorf keine zwei hauptberufliche Schmiede ausgelastet haben.
Später im 17. Jhdt. werden in den Gerichtsbüchern genannt: Kalkbrenner, Maurer, Schmiede, Glaser, Metzger,  Bäcker, Wagner, Schreiner, Zimmermann, Bierbrauer, Fassbinder, Ferger und ein Fischer. Bei den Handwerkern des 17. Jhdts. handelte es sich um Handwerker, die vor Ort gebraucht wurden und in dem kleinen Dorf Verdienstmöglichkeiten hatten. Handwerksberufe wie Seiler, Korbmacher, Häfner oder Sattler kommen im 17. Jhdt. nicht vor. Leicht transportierbare Produkte wie Seile, Körbe, Tonwaren, Sättel, Pferde- und Ochsengeschirr konnten sich die Flörsheimer problemlos in Mainz besorgen.
Fischerei war im 17. Jhdt. als Erwerbszweig bedeutungslos. Flörsheim hatte keine Fischereirechte auf dem Main. Zur Fischerei in Flörsheim siehe hier
Die Zweige von Kopfweiden waren für die Flörsheimer Fassbinder zur Herstellung von Fassreifen unverzichtbar. Die zum „Binden“ der Fässer benutzten Fassreifen (Abb. rechts) bestanden nicht wie später aus Eisen, sondern aus in der Mitte geteilten Weidenzweigen, die sich wegen ihrer Zähigkeit und Biegsamkeit besonders gut dafür eignen. Weidenzweige dienten auch als Geflecht für die Gefache der Fachwerkhäuser. Weiden (Kopfweiden) wurden in Flörsheim entlang des gesamten Mainufers und in Weidenklauern kultiviert, siehe hier.
Das Recht, Weidenzweige zu schneiden, wurde vom Gericht verpachtet, siehe hier. Man kann von einer Weidenwirtschaft sprechen. 

Handel und Geldwirtschaft waren für die fünf jüdischen Familien die Lebensgrundlage; andere Erwerbsmöglichkeiten waren den Juden offiziell nicht zugestanden. In Flörsheim besaßen allerdings einige Juden auch Äcker. Die jüdischen Familien betrieben Kramläden, handelten mit Vieh und nahmen Zinsen aus Geldverleih ein.
Im gesamten 17. Jhdt. war im Mainzer Erzstift der Zinssatz für alle Geldverleiher, ob Gemeinde, Kirche oder Privatpersonen auf 5 % verbindlich festgelegt. Der Begriff “Wucherzinsen” muss offenbar später entstanden sein. Viele Flörsheimer Höfe standen bei den Juden in der Kreide, teilweise mit Beträgen, die ein Jahreseinkommen überstiegen. In den Inventarlisten sind die Schulden und die Außenstände verzeichnet.
Beim Antreten einer Erbschaft mussten die Schulden beglichen oder zumindest ein realistischer Tilgungsplan aufgestellt werden. War das nicht möglich, konnte der Besitz versteigert (am Rathaus angeschrieben) werden. Es gab Fälle, wo der potenzielle Erbe wegen zu hoher Schulden das Erbe nicht antrat, er legte den Schlüssel auf das Grab. So auch Johannes Schugmacher, der Sohn von Hans Peter Schugmacher, der bei seinem Tod 1689 bei dem Juden Hayum 140 fl Schulden hatte, der Wert einer kleinen Hofreite. In seinem Haus, Nr. 35 in Plan A, waren 1666 die ersten Pestfälle aufgetreten.
Neben den Juden betätigten sich das Flörsheimer Gericht und die Kirche als Geldverleiher. Die Zinseinnahmen der Gemeinde betrugen einige Prozent der Gesamteinnahmen. Für die Flörsheimer Wirtschaft insgesamt spielte die Geldwirtschaft nur eine untergeordnete Rolle. Einen Jahrmarkt gab es im 17. Jhdt. nicht, siehe hier.

Bei Betrachtung der wirtschaftlichen Grundlage des Dorfes dürfen Wiesen und Gärten nicht vergessen werden. Außer halb der Ortsmauern gab es Schrebergärten am Seegraben, siehe Flächennutzung, und einen genossenschaftlich genutzten großen kappesgarten, wo auch außerhalb des Brachfeldes Weißkraut angebaut wurde. Das daraus gewonnene Sauerkraut war in Flörsheim Grundnahrungsmittel.
Die größte Gartenfläche in summa allerdings bestand in den Gärten der Hofreiten; jede Hofreite hatte einen Garten, wo vielerlei Gemüse und Kräuter angebaut wurden, siehe Essen und Trinken.  Die Wiesen, insbesondere im Ried, waren notwendig, um Heu zu ernten, ohne das man Pferde und Kühe nicht über den Winter gebracht hätte.

Die agrarwirtschaftliche Nutzfläche der Flörsheimer Gemarkung war spätestens ab der Mitte des 17. Jhdts. nicht mehr steigerbar - das große Feucht- und Sumpfgebiet harlat war bereits um 1600 trockengelegt und urbar gemacht worden.
Die gesamte Nutzfläche außerhalb der Hofreiten  war 1656 aufgeteilt in 700 ha Äcker, 150 ha Weingärten und Eller und 100 ha Weiden und Wiesen.
Die Wirtschaft Flörsheims hing sensibel von der jeweiligen Größe dieser Nutzflächen ab. Eine naheliegende Frage ist, warum hat man die Weinbauflächen nicht ausgedehnt, wenn die Weinerzeugung die lukrativste Einkommensquelle der Bevölkerung war. Das Fehlen von weiteren Hanglagen, die ausgenutzt waren, spielte offenbar keine Rolle. Die Niederweingärten sind bretteben; man war nicht auf die Erzeugung von Spitzenweinen aus.
Hätte man aber die Weinbaufläche vergrößert, wäre das zu Lasten  der Ackerflächen oder der Weiden und Wiesen geschehen. Eine Reduzierung der Ackerfläche hätte die Autarkie der Bevölkerung in punkto Getreideversorgung in Frage gestellt (siehe oben). Bei einer Verringerung der Weiden- und Wiesenflächen hätte man die Viehwirtschaft einschränken müssen mit entsprechend niedriger Milchproduktion und weniger Dünger für die Weingärten, der eh immer knapp war. Das Wirtschaftssystem war, was die relative Größe der Nutzflächen betrifft, sehr ausgewogen und ausbalanciert; wohl als Ergebnis jahrzehntelanger Erfahrung (Skizze rechts).  

Gesamtertrag an Getreide der Höfe aus eigenen und gepachteten Äckern 1656.  Das Histogramm ist folgendermaßen zu lesen: 48 Höfe erwirtschafteten einen Ertrag zwischen 0 und 5 Malter, oder 7 Höfe erwirtschafteten einen Ertrag zwischen 20 und 25 Malter.

Benötigte Ackerfläche für einen bestimmten Nettoertrag an Getreide für verschiedene Erträge pro ha, Verhältnis von eigenen Äckern zu gepachteten Äckern 1:3, Pacht 1,4 Malter/ha, Saatgut 1,5 Malter/ha. 11 Malter (rote Linie) ist der Eigenbedarf einer mittleren Hausgemeinschaft.  

Roggenkörner und reife Roggenähre

Weinertrag der Flörsheimer Höfe 1656 bei einem spezifischen Ertrag von 0,8 Fuder/Morgen

Weinbau in Flörsheim-Wicker, westlich der neuen Flörsheimer Warte   Aufnahme 2009

Aussehen von Schweinen und Rindern in der Frühen Neuzeit

Fassbinder, Hobeln einer Fassdaube, Herstellung eines Fassreifens und Binden eines Fasses.
Frankfurter Ständebuch 1641, Deutsche Fotothek
.

Kopfweiden

Name

Vorname

Handwerk

Äcker

Weingärten

 

 

 

 

 

Allendorf

Georg

Krämer

17

5,25

Bender

Johannes Friedrich

Bäcker

-

-

Bomeser sen.

Johann

Bäcker

12

3,5

Fewerbach

Daniel

Bierbrauer

31

5,25

Maul

Caspar

Fassbinder

-

1,25

Mehl

Hans Conradt

Schmied

18,5

3

Neuman

Marcus

Schiffer

42

5,25

Rembling

Michael

Schmied

?

?

Rungel

Johannes

Schuhmacher

-

-

Ruppert

Philipp

Ferger

67,5

2,5

Schreiner

Johann Heinrich

Fassbinder

25,5

1

Schugmann

Caspar

Gastwirt

1,25

-

Schugmacher

Hans Petter

Schneider

-

1

Seyb

Hans

Müller

17

2

Seyb

Heinrich

Müller

-

3,5

Simmon

Velten

Schreiner

12

3

Strasman

Diethrich

Zimmermann

9

1

Wiget

Georg

Zimmermann

-

-

Will

Johann Adam

Brauer

?

?

Einkommen, Nahrung

 Nahrung

 Nahrung, Dünger

Im Stockbuch von 1656 aufgeführte Handwerksberufe

Abhängigkeit der Wirtschaft Flörsheims von den Nutzflächen

Eine auch naheliegende Frage ist, wie konnte die Flörsheimer Bevölkerung bei einer so ausbalancierten Agrarwirtschaft wachsen (1710: 1000 Einwohner, siehe Bevölkerungsentwicklung) mit entsprechend höherem Bedarf an Nahrungsmitteln?

Die Erklärung liegt in der Klimaentwicklung dieser Zeit, siehe hier. Die negativen Auswirkungen der “Kleinen Eiszeit” nahmen ab, es wurde wärmer, und die Getreide- und Weinerträge stiegen, siehe auch Ackerbau.

Zu Philipp Ruppert: Den Bestandsbrief zur Fähre hatte er 1650 erworben, siehe hier. 1655 heiratete er  in zweiter Ehe Margaretha Brehm, die den größten Teil des aufgeführten Grundbesitzes mit in die Ehe brachte. 1656 verkaufte er deshalb den Fährbetrieb an Hans Kohl und betrieb nur noch Acker- und Weinbau

Wirtschaftliche Grundlagen des Dorfes