Aus dem Dokument von 1709 geht hervor, dass Eva Pfannkuch das Schild „Zum Engel“ an ihrem Haus aufgehängt hat, nachdem sie die Schildgerechtigkeit 1670 vom Domkapitel erworben hatte. Ein “Anker” wird für 1670 nicht erwähnt. Die Frage ist, wo war ihr Haus? Nach [Schneider 1953] war es die Hofreite Nr. 107 (PlanA), der spätere „Anker“. Außer dieser Aussage lässt sich allerdings aus keiner Quelle eine Verbindung zwischen „Pfannkuch“ und der Hofreite Nr. 107, die bis mindestens 1662 dem Juden Berme gehörte, herstellen. Ein “Ankerwirt” wird erstmals 1710 erwähnt. Alle Flörsheimer Heimatforscher haben die obige Aussage von Ph. Schneider, offenbar ungeprüft, übernommen, siehe auch hier.

Das Pfannkuchische Haus taucht erstmals 1668 in den Gerichtsbüchern auf, also zu einem Zeitpunkt, als der Mann von Eva Pfannkuch, Heinrich Pfannkuch, schon tot war. Er ist 1666 an der Pest gestorben und spielt in den Flörsheimer Gerichtsbüchern praktisch keine Rolle (insgesamt drei Gerichtsbucheinträge). Er hat 1656 weder eine Hofreite noch Grundbesitz in Flörsheim. Er war kein Flörsheimer Bürger und erhält erst 1657 von seiner Schwiegermutter des Nutzungsrecht über den Wolpert´schen Besitz (siehe weiter unten). Das Pfannkuchische Haus wurde nach Eva Pfannkuch ( z. B. im Haus der Pfannkuchin getrunken) benannt, nicht nach Heinrich Pfannkuch, der mit dem Pfannkuchischen Haus nichts zu tun hat. Es ist deshalb in hohem Maße irreführend, das vermeintliche Pfannkuchische Haus mit der ersten Erwähnung 1647 von Heinrich Pfannkuch in einem Gerichtsbuch in Verbindung zu bringen (er hat 1647 ein Pferd gekauft, GB 1645-1674 G) Trotzdem steht auf dem Sandsteinbogen über dem Kellereingang des heutigen Anwesens Nr. 107 die Jahreszahl 1647, offenbar im 20. Jhdt. eingemeißelt (rechts).  1647 war diese Hofreite im Besitz des Juden Berme. Vermutlich musste bei der Restaurierung dieses Hauses eine alte Jahreszahl her und man hat das Jahr der ersten Erwähnung von Heinrich Pfannkuch und seiner irrtümlichen Verbindung mit dem Gasthaus “Zum Anker”genommen. 

Die Lokalisierung des Pfannkuchischen Hauses war bisher äußerst schwierig. Es taucht nicht als eigenständiges Anwesen auf. In Buch I sind zwei Szenarien entwickelt zur Entstehung und Lage dieser Gastwirtschaft, wobei das zweite Szenario, nachdem das Pfannkuchische Haus auf dem Gelände der drei Wolpert´schen Hofreiten Nr. 94 Plan A lag, als das wahrscheinlichere eingeschätzt wurde. Diese Einschätzung beruhte u.a. auf der Vermutung, dass Eva Pfannkuch eine geborene Wolpert war.
Dies kann jetzt als sicher gelten. In dem Eintrag rechts aus GB 1645-1674 G vom 19. Juni 1657 verkauft Maria Wolpertin 1/2 Hube Spahne Gut an Johann Adam Will für 100 RT. Wichtig ist die erst jetzt beachtete, nachträgliche Randnotiz von 1668, wo festgehalten ist, dass Eva Pfannkuch, geborene Wolpertin, die Zahlung der Kaufsumme (1657 an ihre Mutter) bestätigt:

Auf dato den 17ten April 1668 Erscheint Eva pfankuchin geborene wolpertin Unndt außsagt, daß Kaüfer die 100 reichsthaler wohl Unndt Völig  bezahlt im Kauff dießßer gütter  Ut Supra

Eva Pfannkuch war also eine Tochter von Hans Peter Wolpert und Maria Wolpertin, geborene Spahn. Die Tatsache, dass Eva Pfannkuch und nicht ihre Mutter den Erhalt der Kaufsumme bestätigt, zeigt, dass Ihre Mutter am 17. April 1668 bereits tot war.

Einen weiteren direkten Beweis für die Wolpert´sche Abstammung von Eva Pfannkuch wurde kürzlich in Form einer losen Gerichtsbuchseite von R. Lehrig im Pfarrarchiv entdeckt. Es handelt sich um einen Eintrag vom 25. Sept. 1657 in der Handschrift des Gerichtschreibers Johannes Hoffmann, in dem aktenkundig gemacht wird, dass Maria Wolpert, zu diesem Zeitpunkt 74 Jahre alt, ihre Hofreiten (Nr. 94 in Plan A) und ihren gesamten Grundbesitz an Huben, eigenen Äckern, Weingärten, Wiesen und Ellern ihrem Schwiegersohn Heinrich Pfannkuch und seiner Frau  Eva verlehnt (zur Nutzung überlässt). Dafür erhielt sie jährliche Lieferungen von Getreide und Wein an ihren Alterssitz in Mainz und verpflichtete die Nutznießer, die Hofreiten in dach und fach zu halten. Diese lose Seite stammt  aus einem heute nicht mehr existenten Gerichtsbuch GB 16??-1664 V/N/S, Original und Transkription der Seite hier.

Für die weiteren Schlussfolgerungen sind zwei Gerichtsbucheinträge entscheidend.

Am 27. Febr. 1674 (GB 1674-1718 G) kaufte Johann Lindheimer die drei  Hofreiten Nr. 94 mit allem, was dazu gehört, von der Wolpertischen Erbschaft. Die Tatsache, dass Lindheimer das gesamte Anwesen Nr. 94 allein vom Wolpertischen Erbe (Eva Pfannkuch) kaufen konnte, bedeutet, dass die 1656 noch aktenkundige “Spahnin”, die zweite Frau von Johann Conrad Spahn, bereits gestorben war,

Am 18. März 1692 (GB 1690-1705 V/N)  bat Maria Catharina Müller, die Witwe von Peter Müller, das Gericht um eine Bestätigung, dass sie und ihr Mann  Baukosten zum sogenannten pfanKüchlichen Haus investiert haben, aber dieses Geld nicht erstattet wurde, als erwähntes Haus an Johann Lindheimer verkauft wurde. Eine genauere Analyse dieses Eintrags weiter unten.

Diese beide Einträge bedeuten: Das Pfannkuchische Haus war Bestandteil der drei Hofreiten Nr. 94, als diese 1674 an Lindheimer verkauft wurden. Die Frage ist: Wann ist es gebaut worden und wo genau lag es auf diesem 94er Anwesen?

Das Pfannkuchische Haus wird erstmals 1668 erwähnt. Das Baujahr muss nach 1666 liegen, da Heinrich Pfannkuch zu seinen Lebzeiten beim Bau dieses Hauses sicher eine Rolle gespielt hätte, was nicht der Fall war. Aus dem Eintrag von 1692 geht hervor, dass das Haus gebaut wurde und später, hernacher, Pfannkuchisches Haus genannt wurde. Da es 1668 als Pfannkuchisches Haus existierte, lässt sich das Baujahr auf 1667 festlegen.

Zunächst weiter mit bekannten Fakten zu Eva Pfannkuch:

Geboren um 1610 (Heirat von Hans Peter Wolpert und Maria Spahn) dürfte sie um 1635 Heinrich Pfannkuch geheiratet haben. Die Eheleute lebten vermutlich zeitweise auf dem Pfannkuchischen Stammsitz in Mainz. Für Zeiten des Aufenthalts in Flörsheim boten die drei Wolpert´schen Hofreiten, die sie seit 1657 nutzen konnten, genügend Raum.

Nach dem Tod ihres Mannes 1666 betrieb sie  von 1668 bis 1670 im Pfannkuchischen Haus eine Heckewirtschaft. Am 5. Febr. 1669 verkaufte sie aus der Wolpertischen Erbschaft 1/2 Hube Domherrengut und 1/2 Hube Clarengut an Jost Alt für 450 fl und damit den überwiegenden Teil ihres Landbesitzes. 1670 erwarb sie die Schildgerechtigkeit  “Zum Engel” vom Mainzer Domkapitel und hängte das Schild an ihrem Haus auf. Am 22. Dez. 1670 verkaufte sie einen Morgen Weingarten an Pfarrer Laurentius Münch. 1671 wird das Haus der Pfankuchin zum letzten Mal erwähnt. 1672 übernahm Kilian Bormann die Schildgerechtigkeit “Zum Engel”. 1674 verkaufte sie das gesamte Anwesen Nr. 94 an Johann Lindheimer mitsamt dem Pfannkuchischen Haus. 1674 besaß sie noch einen Weingarten am Urbanusplatz. 1677 schuldete ihr Jost Alt noch 100 fl nach Mainz. In Flörsheimer Gerichtsbüchern wird sie danach nicht mehr erwähnt.

Zum Gerichtsbucheintrag von 1692:  Maria Catharina Müller war mit dem Flörsheimer Peter Müller, geboren 1632 verheiratet, dem Sohn des aus Dortelweil bei Hanau stammenden Adam Müller. Die Heirat dürfte um 1660 gewesen sein. Sie bittet das Flörsheimer Gericht um ein schriftliches Attestatum damit sie sich ins Künfftige ahn der pfanKüchischen behausung Zu Mäintz Erholen Köndte.  Um 1635 geboren, könnte sie eine Tochter von Heinrich Pfannkuch aus erster Ehe und damit die Stieftochter von Eva Pfannkuch gewesen sein. Dies würde auch ihr finanzielles Engagement zum Bau des Pfannkuchischen Hauses erklären.

Catharina Müller will einen Teil der Baukosten erstattet haben. Da das Gericht die Baukosten nicht kennt, werden Abraham Kohlenberger, Zimmermannsmeister, und Jacob Cluin, Maurermeister, befragt, die die Bauarbeiten ausgeführt haben. Jacob Cluin wird hierzu vom damaligen Gerichtschreiber Nicolaus Schirstein auf dem Sterbebett um Auskunft gebeten. Was sich aus dem teilweise nur schwer zu lesendem Eintrag an Baukosten und Baumaterial extrahieren lässt, steht rechts.

Der Maurerlohn betrug 24 fl. Der Zimmermannslohn war 27 fl und ein Ohm (150 L) Bier im Wert von etwa 13 fl, also zusammen 40 fl. Diese Höhe des  Zimmermannslohns, der niedrige Maurerlohn und die hohen Kosten für Holz lassen auf eine Ganzfachwerkkonstruktion schließen
Die eingesetzten Baumaterialien reichen nur für ein kleines Haus. Die eine Rute Bruchsteine (13 m³) wurden offenbar zum Bau des Sockels benutzt. Rechnet man mit 100 cm Sockelhöhe (der größte Teil unter der Erde) und 50 cm Sockelbreite, kann man mit dieser Menge an Steinen einen Sockel von 26 m Länge bauen.
Die Backsteine wurden zum Pflastern eines Bodenbereiches benutzt. Bei einer Backsteingröße von 20 cm Länge und 6 cm Dicke lässt sich mit 2000 Backsteinen eine Bodenfläche von etwa 25 m² pflastern (die Steine wurden hochkant gesetzt).
Sieht man sich diese Zahlen an und spielt mit verschiedenen Längen und Breiten eines Hauses, das zu diesen Daten passt, kommt nur der nordwestliche Anbau (rechts) des heutigen Nebengebäudes des Frankfurter Hofes in Frage (das Pfannkuchische Haus lag auf diesem Gelände).
Dieser Anbau hat die Maße 9,5 m x 7 m = 67 m², siehe hier. Er hat damit eine Sockellänge von 26 m (2 x 9,5 m + 7 m, entlang der Wand zum bestehenden Wohnhaus brauchte kein Sockel gebaut zu werden).  In einem Haus von 67 m² Grundfläche ist ein gepflasteter Bereich von 25 m² sehr einleuchtend, nämlich für den Eingangs- und Küchenbereich; die Stube hatte typischerweise einen Holzdielenboden.
Bei einer typischen Dachneigung von 45° und einer Grundfläche von 67  m² beträgt die Dachfläche etwa 90 m². Es wurden 3000 (Schiefer)Ziegel gebraucht. Bei einem Überstand der Ziegel von 15 % an zwei Seiten hätte ein quadratischer Dachziegel eine Kantenlänge von 20 cm gehabt, ein sehr plausibler Wert für einen damaligen Dachziegel.

Dieser Anbau war das Pfannkuchische Haus; ab 1670 die erste Schildwirtschaft Flörsheims; es wurde 1667 gebaut.

Die derzeitigen Arbeitshypothesen sind deshalb die Folgenden:

Eva Pfannkuch:  Nach dem Tod ihres Mannes 1666 ist sie im alleinigen Besitz des gesamten Anwesens Nr. 94 mit drei Hofreiten. Sie beschließt, eine Herberge mit Heckewirtschaft aufzumachen, um laufendes Einkommen zu erwirtschaften. Der Gastraum soll nicht, wie oft üblich, die Stube ihres Wohnhauses (heutiges Nebengebäude des Frankfurter Hofes) sein, sie war an Wohlstand gewöhnt. Sie plant einen Anbau an ihr Wohnhaus, der als Heckewirtschaft und Herberge für Reisende dienen soll (1668 logiert ein Frankfurter im Pfannkuchischen Haus). Für diese Vorhaben findet sie Mitinvestoren in Person ihrer Stieftochter und deren Mann. Der Anbau entsteht 1667; 1668 ist das Pfannkuchische Haus betriebsfähig. 1670 erwirbt sie die Schildgerechtigkeit “Zum Engel”, hängt das Schild an diesem Anbau auf und macht aus der Heckewirtschaft eine Schildwirtschaft.  Dies war die erste Schildwirtschaft in Flörsheim. Allerdings trifft sie bereits 1669 Vorkehrungen zu einem Rückzug auf ihr Altenteil in Mainz; sie verkauft den größten Teil ihres Landbesitzes in Flörsheim. Vielleicht waren es gesundheitliche Gründe, die sie dazu bewog (sie war 1670 etwa 60 Jahre alt). Zu dem beginnenden Rückzug passt  auch der Verkauf der Schildgerechtigkeit “Zum Engel” 1672 an Kilian Bormann. Sie zieht auf den Pfannkuchischen Stammsitz in Mainz und ist 1677 noch unter den Lebenden. Danach versiegen die Flörsheimer Quellen.

Historie des Anwesens Nr. 94:  Die ältesten fassbaren Besitzer diese Geländes sind die “Spahne”, deren Besitz schon 1561 aktenkundig ist. Die Haupthofreite der “Spahne” war die untere Nr. 94 an der Obergasse. Das Wohnhaus von der Hauptstraße aus gesehen links, neben der Toreinfahrt rechts die Stallungen, im hinteren Berich Scheune, Kelterhaus und weitere Wirtschaftsgebäude. Die Tochter des Oberschultheißen Johann Conrad Spahn, Maria Spahn, geboren 1583,  heiratet um 1605 Hans Peter Wolpert, Sekretär in Mainz. Dieser beginnt zu dieser Zeit mit dem Bau eines neuen Wohnhauses an der Stelle der Spahn´schen Stallungen (heutiges Nebengebäude des Frankfurter Hofes oder dessen Vorgängerbau). Hans Peter Wolpert starb 1630. Der bis heute erhaltene Keller dieses Hauses hat über dem Kellereingang seine Inschrift IP - WL (Johann Peter WoLpert). 1667 wird an diesem Wohnhaus von seiner Tochter ein Anbau errichtet, das Pfannkuchische Haus, wo Eva Wolpert, verheiratete Pfannkuchin, eine Herberge mit Heckewirtschaft, ab 1670 eine Schildwirtschaft betreibt. Diese bestand an der Stelle bis 1672. 1674 kauft Johann Lindheimer, ein Frankfurter Viehhändler und Sohn von Georg Lindheimer das gesamte Anwesen inkl. des Pfannkuchischen Hauses, siehe hier. Über einen Zwischenbesitzer, Conrad Metz, geht das Anwesen 1724 in den Besitz des Frankfurter Handelsmanns Hermann Jacob Fernhaber über. Er baut das Anwesen zu einem großen Weingut aus, zu dem der größte Landbesitz in Flörsheim dieser Zeit gehört. Auf ihn geht der Name Frankfurter Hof zurück.  

Baukosten des Pfannkuchischen Hauses:

Zimmermannslohn (Abraham Kohlenberger): 18 RT und ein Ohm Bier
Maurerlohn (Jacob Cluin): 24 fl

Baumaterialien:
2 Böden Tannenholz und weiteres Holz 25 fl; 2000 Backsteine 20 fl; 3000 (Dach) Ziegel 18 fl; 1 Rute (Bruch) Steine  1 fl 15 alb;
Kalk, Nägel und Diverses 16 fl

Inschrift über dem Kellereingang des früheren Gasthauses “Zum Anker”, enstanden in neuerer Zeit, die Buchstaben E b, wohl als Abkürzung für “Erbaut”, wären für das 17. Jhdt. in der dargestellten Form ein absolutes Novum, Aufnahme 2009

Verkauf einer halben Hube Äcker 1657, in der Randnotiz von 1668 wird Eva Pfannkuch als geborene Wolpertin erwähnt, GB 1645-1674 G

Anbau zum Nebengebäudes des Frankfurter Hofes, Aufnahmen 2015

Der Name Eva Pfannkuch ist in der Flörsheimer lokalhistorischen Literatur untrennbar mit dem Gasthaus „Zum Anker“ verknüpft. Dies geht auf [Schneider 1953] zurück, der schreibt:
„An dem Zugang nach dem Maine liegt rechts das alte Gasthaus ,Zum Anker‘ in malerischem Ausschnitt. Es wird schon 1670 erwähnt, wo eine Eva Pfannkuchin das Schild aushängen durfte. Es handelt sich wohl um die Witwe des hier ansässigen Kurmainzer Rittmeisters Pfannkuch“.

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Das "Pfannkuchische Haus"