Die Tochter von Johann Conrad Spahn, Maria Spahn, geboren 1583,  heiratete um 1605 Hans Peter Wolpert, Sekretär in Mainz. Dieser begann zu dieser Zeit mit dem Bau eines neuen Wohnhauses an der Stelle der Spahn´schen Stallungen. Das heutige Nebengebäude im Frankfurter Hof oder dessen Vorgängerbau war das Wolpert´sche Wohnhaus. Hans Peter Wolpert starb 1630. Der bis heute erhaltene Keller dieses Hauses hat über dem Kellereingang seine Inschrift IP - WL (Johann Peter WoLpert).
1656 war das Anwesen Im Besitz seiner Witwe, Stockbucheintrag:
94 Hans Peter Wolbarths wittib  Erstlich 3 Hoffräith liegt oben undt unden die gemein gass, geben jährlich heren Cämmerer 1 alb Heller, 3 hüner undt 3 gäns
.
1657 gab die Witwe Maria Wolpert, 74jährig, alle Nutzungsrechte für das Anwesen an ihre Tochter Eva und ihren Schwiegersohn Heinrich Pfannkuch, siehe hier. De facto war das eine vorgezogene Erbschaft.
Heinrich Pfannkuch starb 1666 an der Pest. 1667 errichtete Eva Pfannkuch einen Anbau zum Wolpert´schen Wohnhaus, das Pfannkuchische Haus, wo sie eine Herberge mit Heckewirtschaft, ab 1670 die  Schildwirtschaft “Zum Engel” betrieb. Diese bestand an der Stelle bis 1672 und war die älteste Schildwirtschaft Flörsheims.

1674 erwarb Johann Lindheimer, ein Frankfurter Viehhändler und Sohn von Georg Lindheimer, siehe hier, das Anwesen (drei Hofreiten) von Eva Pfannkuch, geb. Wolpert für 874 fl inkl. des Pfannkuchischen Hauses, das zu diesem Zeitpunkt bereits keine Gaststätte mehr war. Der erhebliche, von den Spahnen stammende Wolpert´sche Landbesitz war bereits vorher von Maria Wolpert und ihrer Tochter an mehrere Käufer veräußert worden. Die Witwe von Johann Lindheimer, Anna Helena Lindheimer, geb. Windecker, kaufte 1683 der Schwester ihres verstorbenen Mannes deren  Erbteil ab und war damit  im Besitz der drei Hofreiten und dem überwiegenden Teil der Lindheimer´schen Ländereien in Flörsheim.  

Nach dem Tod von Anna Helena Lindheimer 1707 kaufte ein Conrad Metz, dessen Identität nicht bekannt ist, die drei Hofreiten und die Lindheimer´schen Ländereien von deren Erben (Stammbaum hier). Dieser verkauft 1724 für 9000 fl den gesamten Besitz an den Frankfurter Handelsmann Hermann Jacob Firnhaber, siehe hier. In diesem Gerichtsbucheintrag ist ausdrücklich die Rede von drei Hofreiten, so dass man daraus schließen kann, dass Johann Lindheimer oder seine Witwe keine einschneidenden Umgestaltungen des Gesamtanwesens vorgenommen haben. Die enorme Kaufsumme von 9000 fl war der Wert der drei Hofreiten und der Lindheimer´schen Ländereien; das Anwesen von Thomas Lindheimer (Faber-Anwesen) war um 1715 durch Heirat an Friedrich von Uffenbach übergegangen, siehe hier.

Firnhaber begann sicher um 1724 mit dem Bau des heute noch existierenden Haupthauses (Museum) und baute das Anwesen zu einem großen Weingut aus, zu dem der größte Landbesitz in Flörsheim dieser Zeit gehörte.  Damit wurde aus den ehemals drei Hofreiten ein großes Gut. Auf den aus Frankfurt stammenden Besitzer Firnhaber geht der Name “Frankfurter Hof” zurück. Das Nebengebäude und der Anbau blieben unverändert und stammen aus der Wolpert´schen/Pfannkuchischen Zeit.
Der Vater von Hermann Jacob Firnhaber, Johann Christof Firnhaber stammte aus Wertheim und siedelte um 1700 nach Frankfurt über, wo er das größte Seidenhandelsunternehmen der Stadt aufbaute. Er selbst führte die Geschäfte seines Vaters nicht fort und lebte als Rentner meistens auf seinem Weingut in Flörsheim. Seinen zwei Kindern aus der Ehe mit Margarethe von Ucheln hinterließ er 1752 ein Vermögen von 80800 fl [Fft. Handelsgeschichte 1925]. Vielleicht haben seine Nachkommen nach seinem Tod das Flörsheimer Gut eine Zeitlang weitergeführt, was aber bisher nicht aktenkundig ist.

Um 1805 erwarben Johann Schmitt (1754 - 1819), bis 1803 der Pächter des Gimbacher Hofes im Taunus, und seine Frau Barbara, geb. Weigand, den Frankfurter Hof und eröffneten die  Gaststätte “Zum Frankfurter Hof”: Im Erdgeschoss des Hauptgebäudes die Gaststätte, im ersten Stock ein Saal. Das Nebengebäude diente als Wohnung.

Im Brandkataster von 1816 sind die damaligen Gebäude mit folgenden Maßen angegeben: Haupthaus 63 x 30 Fuß², Nebengebäude 42 x 29 Fuß², Scheune 70 x 30 Fuß², Holzschuppen 54 x 18 Fuß², Viehstall 28 x 7 Fuß², Kelterhaus 32 x 23 Fuß², Hof 54 (Quadrat)Ruthen.
Nimmt man das Nebengebäude als Beispiel, stellt man fest, dass die in
[Ciesielski/Mohr 2004] angegebenen Maße  in Metern nicht der Wirklichkeit entsprechen, siehe aktuellen Bemaßungsplan rechts unten. Das liegt daran, dass in die im Brandkataster in Fuß angegebenen Maße nicht korrekt in Meter umgerechnet wurden (Nebengebäude 16 m x 11 m). Die damals in Nassau gültige Rheinländische Rute war nicht in 10 sondern 12 Rheinländische Fuß unterteilt; ein Rheinländischer Fuß entsprach etwa 30 cm. Benutzt man diesen Wert zur Umrechnung von Fuß in Meter, erhält man die korrekten Maße der Gebäude.

1826/27 war das Anwesen im Besitz des aus Stierstadt stammenden Nicolaus Messerschmitt (Wirt im Gasthaus “Zum Hirsch”). Seine Tochter Elisabeth heiratete 1829 Adam Schmitt (1803-1877) vom Gimbacher Hof, den Sohn von Johann Schmitt, der den Frankfurter Hof übernahm und die Gaststätte bis zu seinem Tod 1877 betrieb.

Gemessen an den Steuereinnahmen der Gemeinde war der “Frankfurter Hof” um 1840 nach dem “Hirsch” die zweitgrößte Gaststätte Flörsheims. Am 29. Juni 1847 fand im “Frankfurter Hof” die erste Festveranstaltung des neu gegründeten Gesangsvereins Sängerbund statt. Der Sängerbund war in der “Rose” (“Scharfes Eck”) gegründet worden, siehe hier.

1878 erwarb die Gemeinde Flörsheim den Frankfurter Hof, richtete im ersten Stock des Hauptgebäudes zwei Schulräume für 160 Schüler ein, die bis 1884 genutzt wurden, und vermietete Wohnungen für vier Familien. 1884 entstand auf dem Platz der Scheune des Anwesens die Grabenschule. Von 1884 bis 1918 war das Hauptgebäude das Flörsheimer Rathaus (rechts). Danach dienten alle Räumlichkeiten des Frankfurter Hofes als Wohnungen.

Nach der Fachwerkfreilegung und Renovierung 1978 wurde im Hauptgebäude das Museum und im Nebengebäude die Flörsheimer Station des Roten Kreuzes untergebracht. Seit 1988 nutzt die Stadt Flörsheim den Keller unter dem Hauptgebäude (“Flörsheimer Keller”) für kulturelle Veranstaltungen.   Einige Angaben aus der Zeit nach 1800 stammen aus [Ciesielski/Mohr 2004].

Der Vollständigkeit halber und zum Vergleich soll hier die Beschreibung der frühen Geschichte des “Frankfurter Hofes” nach [Ciesielski/Mohr 2004] (von Ph. Schneider stammend) wiedergegeben werden:

“1500: Der Name “Frankfurter Hof” stammt vom Deutschen Ritterorden, der hier und in benachbarten Orten einen umfangreichen Grundbesitz hatte. Eine Hauptverwaltungszentrale (Ballei) war in Frankfurt ---. Zu dieser Frankfurter Ballei gehörte auch die Komtur in Flörsheim. So wie z. B. auch die Kartäuser in Flörsheim einen Wirtschaftshof hatten, so hatten auch die Deutschordensritter hier einen Wirtschaftshof. Eine Komtur war ein Verwaltungs- und Befehlsbezirk, dem die Komturen, meist Adelige, vorstanden. Es ist nicht möglich, alle 42 Komture zwischen 1500 und 1803 hier namentlich wiederzugeben. Nur einige seien erwähnt --- Der letzte Flörsheimer Komtur war der 1795 genannte lutherische Freiherr von Freudenberg. Er war auch hessen-darmdtädtischer Gardeoberst und ist am 16. Oktober 1803 wahrscheinlich in Flörsheim gestorben.
Die glanzvolle Geschichte des Deutschen Ritterordens war zu Ende. Der Ritterorden war infolge der Glaubensspaltung und der politischen Ereignisse zu einem “Spital des Adels” geworden. Es ist daher leicht zu verstehen, daß die Flörsheimer Komture, die sämtlich aus adeligen Familien stammten, während ihrer Amtszeit etwas besser wohnen wollten, als die Bauern. Daher erklärt sich auch der von den umliegenden Häusern abweichende Baustil und die innere räumliche Gestaltung des Frankfurter Hofes. Das Haus wurde etwa in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts erbaut. Das kleine Haus rechts neben dem Hauptgebäude ist etwas älter. --- Diesen geschichtlichen Abriß um den Frankfurter Hof veröffentlichte Philipp Schneider im Flörsheimer “Maingau-Bote” am 3. August 1956 aus Anlaß der Renovierung der Außenfront des Gebäudes.”

Der Deutsche Ritterorden hatte weder im 15., 16. oder 17. Jhdt. in Flörsheim Grundbesitz, was  durch eine Inspektion der Flörsheimer Gerichtsbücher  offensichtlich wird. Insbesondere gab es keinen Wirtschaftshof des Deutschen Ritterordens in Flörsheim. Von den 42 Komturen zwischen 1500 und 1803 erscheint kein einziger in einem Flörsheimer Gerichtsbuch oder Kirchenbuch. Sie waren Lutheraner; die meisten sind in Worms beerdigt. Dass ein lutherischer hessen-darmstädtischer Gardeoberst die Leitung eines Wirtschaftshofes in Flörsheim am Main, einem Flecken des Mainzer Domkapitels, inne gehabt haben soll, bedarf sicher keines Kommentars. Bei der genannten Komtur handelt es sich um die Komtur des Deutschen Ritterordens in dem  Flörsheim bei Worms und nicht in Flörsheim am Main.

Frankfurter Hof mit Hauptgebäude (Museum), Nebengebäude über dem ältesten Keller Flörsheims mit dem “Pfannkuchischen Haus” als Anbau. Die Inschrift steht für  Johann Peter WoLpert.
Aufnahmen 2007-2015.

Frankfurter Hof nach der Fachwerkfreilegung 1978 aus H. Thomas “40 Jahre Planen für Flörsheim”

Frankfurter Hof  um 1915, damaliges Rathaus, der Ausrufer ist der Polizist Joseph Kaus (1857-1924), aus K. Wörsdörfer “Die Menschen, der Ort, Die Zeit”

Der Frankfurter Hof hat sich aus den drei Hofreiten 94 entwickelt (Plan A). Die ältesten fassbaren Besitzer dieses Geländes sind die “Spahne”, deren Besitz schon 1561 aktenkundig ist (GB 1447-1613 GN). Johann Conrad Spahn ist als Oberschultheiß in Flörsheim von 1629 bis 1638 nachweisbar. Die Haupthofreite der “Spahne” war die untere Nr. 94 an der Hauptstraße. Das Wohnhaus befand sich von der Hauptstraße aus gesehen links, neben der Toreinfahrt rechts die Stallungen, im hinteren Bereich Scheune, Kelterhaus und weitere Wirtschaftsgebäude.

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Bemaßung von Nebengebäude und Anbau des Frankfurter Hofes

Familie von Johann Adam Schmitt (1848-1910), Enkel von Johann Schmitt
Frau Klara geb. Breckheimer (1861-1933), Sohn Joseph (1880-1938) und Tochter Luise (1883-1963)
Aufnahme um 1900, Original im Besitz von Frau Helga Schader, Flörsheim

Zum Gimbacher Hof heute siehe hier.

Der Frankfurter Hof