Dr. Gerhard Lamberti, Pfarrer in Flörsheim von 1727 bis 1773, hat im Kirchenbuch II  Ereignisse der Jahre 1743/44 in Flörsheim beschrieben, die im Zusammenhang mit dem Österreichischen Erbfolgekrieg (1740-1748) stehen.
In diesem Krieg, dem Streit um die habsburgischen Erblande, kämpften österreichische, niederländische, hessische und britisch-hannoveranische  Truppen (“pragmatische Armee”) gegen die Truppen von Frankreich und Preußen.
1743 sammelte sich im Kurfürstentum Hannover unter formaler Führung des englischen Königs Georg II. eine britisch-hannoveranische Armee, die zum Rhein bei Düsseldorf, dann den Rhein entlang nach Süden zog. Ende April überquerten die Truppen die Lahn und erreichten Mitte Mai Höchst am Main, wo sie zwei Wochen lagerten, um sich mit habsburgisch-niederländischen Truppen zu vereinen. Frankreich schickte ihr aus dem Elsass eine Armee unter Marschall Noailles entgegen.
Mitte Juni 1743 bewegte sich die 35.000 Mann starke pragmatische Armee westlich von Aschaffenburg. Ihr Ziel war Bayern. Die Franzosen, die südlich des Mains operierten, hatte deren Hauptnachschublinie auf dem Main unterbrochen, und die pragmatische Armee musste sich wegen Proviantmangel in Richtung Hanau zurückziehen. Die Franzosen mit insgesamt etwa 70.000 Mann hatten allerdings bereits Dettingen am Main besetzt, und die pragmatische Arme saß in der Falle, da die Franzosen die Mainbrücke in Aschaffenburg unter ihre Kontrolle gebracht hatten. Am 27. Juni kam es bei Dettingen zur Schlacht, die erstaunlicherweise mit einer Niederlage der Franzosen endete. Diese zogen sich bei Worms über den Rhein zurück, die pragmatische Armee bezog zunächst ihr Lager bei Hanau.  

Die lateinischen Notizen von Lamberti, die er im Kirchenbuch nach den Eintragungen der Todesfälle von 1743 eingetragen hat, umfassen den Zeitraum von May 1743 bis April 1744. In einer aktuellen Übersetzung lauten sie (nicht lesbare Textstellen oder Passagen, deren Sinn nicht erschlossen werden konnte, sind durch Punkte ersetzt):

In diesem Jahr wütete der Krieg erbarmungslos in Gegenden am Rhein und Main. Am 2. May kamen belgisch-östereichische Truppen, Dragoner, unter Führung des Prinzen de Ligne hier an. Katholiken, die in Demut dienten, und kein Tag verging, an dem nicht viele am Gottesdienst teilnahmen, wenn erkrankt, wurden sie mit Sakramenten gestärkt, und Offiziere und Soldaten waren einem Priester anvertraut. Die meisten stammten aus Brabant und Flandern, sie wurden im Dorf untergebracht und an Pfingsten für 14 Tage in unseren Feldern (im Bergfeld, welches Brach lag). Sie erweiterten das Lager in die bestellten Äcker des Brückenfeldes, aber es kam nicht vor, dass auch nur ein Halm geknickt wurde. Sie hatten einen Karmeliter dabei, einen gelehrten Mann, erfahren in den Handlungen auf dem Friedhof. Von ihnen sind 11 auf unserem Friedhof begraben, mit denen wir jedoch unvergleichlich weniger Arbeit hatten als mit den Hannoveranern. Die Österreicher, in der Mehrzahl Fußtruppen, zogen weg und bezogen Lager in der näheren Umgebung.
Nichtsdestoweniger hatten die Flörsheimer ein außerordentliches Ereignis im Zusammenhang mit dem Krieg, als unglaubliche Mengen Hafer ... sogar von der Mosel aus dem Herzogtum Luxemburg geliefert wurden und Mengen an Brot eintrafen. Mit den Lebensmitteln wurden alle anderen Truppen versorgt. Tag und Nacht gab es Tumult auf den Plätzen, und eine so große Zahl von Menschen, Pferden und Wagen drängten sich, dass ich öfters kaum die Kirche betreten konnte. Im Übrigen hielten sie Ordnung und bezahlten alles genauestens wie sogar auch General de Currier. So  waren sie beliebt bei den hiesigen Einwohnern, weil niemand bestohlen und die Gastfreundschaft bewahrt wurde.
Am Fronleichnamstag hielt sich ein Offizier im Ort auf und Wächter waren auf den Plätzen ...
...wiederhergestellt, die Verletzten aufzunehmen, die nach der Schlacht von Dettingen zurückkamen. ... inzwischen haben wir in der Station hier Gruppen gehabt, die Freigelassene genannt werden, sodann Engländer unter Hannoveranern, wie auch Fußsoldaten und Reitererei, niemand spielt oder richtet Schaden an. Bei allem Leid ein schrecklicher Zustand.
In dem Hospital der Hannoveraner waren so viele Verwundete, dass kein Haus leer blieb, aber öfters lagen dort 10, 20, 30, 40, 50, im Rathaus 200, im Karthäuserhof 300. Unter den Vielen waren einige Katholiken, die keinen Priester hatten, es gab aber 2 oder 3 Prediger.
Während ich das schreibe, erkenne ich nicht, welche Arbeit und welche Gefahren auf uns zukommen werden, die von den Toten und Verwundeten ausgehen. Im Hospital, wo Katholiken zwischen Nichtkatholiken wie Heringe liegen -  in dem Schmerz ist niemand erfahren.
Die Prediger erhalten als Verdienst 30 Dukaten pro Monat, wir nicht mal einen Obulus. ...
Sie mögen Gott dankbar sein, dass wir immer noch leben, und wenn ich die Hand eines Kranken ... bemerke. Während die Schicksale der Toten uns ergreifen ... keine zwei der Kranken.
Es sind mehr als 400 Hannoveraner gestorben, die auf unserem Friedhof begraben werden wollten, doch es ist eine so große Zahl übrig, so dass sie außerhalb des Dorfes begraben werden mögen.

Am Seitenrand:
Hier liegen etwa 451 Hannoveraner, ein Offizier auf unserm Friedhof, jedoch an einem ungeweihtem Ort (loco excerato), was ich unfreiwillig erlauben musste, um größere Unannehmlichkeiten zu vermeiden.
Neben dem “pater medium” und dem obersten Chirurgen des Hospitals hatten sie noch weitere 24 Chirurgen, die mit einer Ausnahme ebenso wie die mithelfenden Kranken alle geschwächt sind; zwei von ihnen starben. Am Main haben sie eine Küche gebaut, die Tag und Nacht raucht, um die Verletzten zu versorgen, wenn sie nach einem Bissen, heißen Getränke und Tee riefen, der Aufwand spielte keine Rolle. 
Für das hiesige Hospital mussten schätzungsweise 100.000 fl  aufgebracht werden.
Am 9. April 1744 schließlich überquerten sie zum zweiten Mal den Fluss und zogen mit den übrig gebliebenen Kranken und Genesenen in Richtung Brabant.

Lamberti´s Bericht zufolge waren am 2. May 1743 österreichisch-belgischeTruppen, Dragoner, die Mehrzahl aus Brabant und Flandern, in Flörsheim eingetroffen und bezogen hier Station. Es war das Dragonerregiment de Ligne (Ferdinand de Ligne, 1686-1757), 823 Mann mit Pferden [Spies 2004], das Mitte Juni wieder abrückte, um zur Hauptarmee bei Hanau zu stoßen. In der Schlacht von Dettingen war das Regiment am linken Flügel der Schlachtordnung am Main in der 4. Linie positioniert [McNally 2020], siehe Karte unten.
Die Dragoner waren zunächst im Ort untergebracht, ab Pfingsten (Pfingstsonntag war 1743 am 3. Juni) hatten sie ihr Lager zwei Wochen lang im brachliegenden Bergfeld, das sie in das bestellte Brückenfeld ausdehnten, jedoch ohne Schaden anzurichten. Als die “Östereicher” Mitte Juni abzogen, waren es nach Lamberti vorwiegend Fußtruppen.
Dieser scheinbare Widerspruch klärt sich auf, wenn man bedenkt, dass zu dieser Zeit Dragoner noch keine schwere Kavallerie waren, sondern berittene Infanterie, die die Pferde vorwiegend zur schnellen Stellungsänderung benutzten. Sie wurden zu dieser Zeit als Infanterie oder leichte Kavallerie eingesetzt.

Danach beschreibt Lamberti die Vorgänge um ein offenbar sehr großes Proviantlager, das unter dem Kommando eines Generals stand. Das deutet darauf hin, das dieses Lager in Flörsheim ein Hauptproviantlager der bei Aschaffenburg agierenden alliierten Armee war in Übereinstimmung mit Lamberti´s Aussage, dass von hier alle anderen Truppen versorgt wurden. Das Proviantmagazin in Hanau wurde von hier aus beliefert. Von welchem Truppenteil das Flörsheimer Lager errichtet wurde, ist nicht bekannt.
Lamberti beschreibt weder die Lage noch Größe und Aussehen dieses Lagers. Er hielt es wohl für überflüssig, da es ja jedem bekannt und für jedermann offensichtlich war. 
Ein Hauptproviantlager unter dem Kommando eines Generals muss eine Ansammlung von sehr vielen festen Zelten gewesen sein mit einem entsprechend großen Platzbedarf. In Flörsheim gab es drei Plätze, die für ein solches Lager prinzipiell in Frage kamen: das Mainufer, allerdings im Hochwassergebiet, und die Plätze, wo die Jahrmärkte abgehalten wurden, außerhalb des Dorfes vor der Unter- bzw. Oberpforte, siehe hier, mit sehr guten Wegeanbindungen. 
Die Alliierten waren auf Nachschub über den Main angewiesen. Man muss daher davon ausgehen, dass der überwiegende Teil des Provianttransportes zur alliierten Armee wie auch die Bestückung des Flörsheimer Lagers  per Schiff auf dem Main erfolgte, so dass man von einem Lager am Mainufer ausgehen kann.
Die Transportschiffe mussten vom Leinpfad am linken Mainufer flussaufwärts getreidelt werden. Die Franzosen, die südlich des Mains operierten, konnten so leicht die Nachschublinie der Alliierten unterbrechen, was auch bei Frankfurt geschehen ist, indem sie den Leinpfad blockierten.
Allerdings dürfte die Versorgung der Truppe auch auf dem Landweg erfolgt sein. Lamberti spricht von Menschen, Pferden und Wagen, die sich im Ort drängten. Das lässt sich nur dadurch erklären, das Proviant vom Lager am Main zur Oberpforte transportiert wurde und von hier auf dem Landweg über Höchst und Frankfurt nach Hanau. Wäre der gesamte Transport über Schiffe abgewickelt worden, hätte es im Ort kein Gedränge von Wagen gegeben. Nach [McNally 2020] war den Kommandeuren der alliierten Armee klar, dass nach Unterbrechung des Schiffsweges die Versorgung der Truppe auf dem Landweg über eine einzige Strasse entlang des Mains die empfindlichste Schwachstelle für ihre Operationen war.

Dem Text von Lamberti kann man entnehmen, dass das Proviantlager oder Teile davon in ein Lazarett umgewandelt wurden, um Verwundete nach der Schlacht von Dettingen aufzunehmenn.
Danach schildert Lamberti die Zustände im Lazarett und im Ort, wo nach der Schlacht von Dettingen am 27. Juni offenbar eine große Zahl (tanta multitudine) von Verletzten und Kranken versorgt wurden.
Lamberti sagt, dass in jedem Haus Verletzte und Kranke lagen, öfters sogar zwischen 10 und 50, 200 lagen im Rathaus und 300 im Karthäuserhof. In Flörsheim gab es 1743 etwa 200 Wohnhäuser. Rechnet man im Durchschnitt mit nur 5 Verletzten/Kranken pro Haus, wären es insgesamt 1500 gewesen.
In der Schlacht von Dettingen gab es auf alliierter Seite etwa 2700 Verluste, davon etwa 620 Gefallene. Da unmittelbar nach der Schlacht Ruhr und Typhus ausbrachen, errichteten die Hannoveraner ein weiteres Hauptlazarett in Fechenheim, das für 600 Kranke geplant, aber mit 1500 belegt war [Spies 2004].  Insgesamt dürften mehr Soldaten an Seuchen  gestorben sein als durch direkte Kriegseinwirkungen.
Bei dieser Schilderung benutzt Lamberti meistens das Präsens als Zeitform, er beschreibt also das, was gerade passierte. Ihn bedrückt, neben den schrecklichen Zuständen allgemein, dass Katholiken, die keinen Priester hatten, neben Nichtkatholiken lagen. Er spricht von Arbeit und Gefahren, die auf “uns” zukommen, seine eigene Rolle bleibt aber im Dunkeln. Er erwähnt, dass die Prediger (protestantische Geistliche) mit 30 Dukaten pro Monat entlohnt werden, “wir aber keinen Obulus erhalten”, was zu der Frage führt, wer mit “wir” gemeint ist.
Es seien mehr als 400 Hannoveraner gestorben, die auf dem Friedhof (Kirchhof) begraben werden wollten. Aber es seien so viele “übrig” (restat),  “dass sie außerhalb des Dorfes begraben werden mögen” (sepulti sint, Konjunktiv). Diese Formulierung lässt an dieser Stelle noch offen, ob schließlich alle oder nur die “Übrigen” außerhalb des Dorfes begraben wurden.

Die Notizen am Seitenrand wurden nach April 1744 hinzugefügt. Er schreibt, dass hier etwa 451 Hannoveraner liegen, und ein Offizier auf dem Friedhof begraben ist (und dass es dazu offenbar Meinungsverschiedenheiten gab). Die Tatsache, dass er jetzt eine Grablegung auf den Friedhof erwähnt, lässt darauf schließen, dass die etwa 450 hannoveranischen Soldaten alle außerhalb des Ortes begraben wurden. Wo genau sagt er nicht.
Er berichtet von einer wohl sehr effizienten Küche (Aufwand spielte keine Rolle), die am Main aufgebaut wurde, offenbar erst 1744, um die Verletzten mit Bissen und heißen Getränken zu versorgen. Da man eine solche Küche sicher in der unmittelbarer Nähe zum Lazaretts platziert hat, spricht auch dies dafür, dass Proviantlager und Lazarett am Main lagen.
Nach Lamberti verließ die Lazarettmannschaft  am 9. April 1744 mit den überlebenden Kranken und den Genesenen den Ort und gingen über den Main in Richtung Brabant. Die alliierte Armee zog nach Dettingen  südlich des Mains über den Rhein und lagerte in den Niederlanden. Offenbar wollte sich die Flörsheimer Gruppe mit der Hauptarmee vereinen; dazu musste sie den Main überqueren. 

Die 1743 im Kirchenbuch verzeichneten 105 Todesfälle sind mehr als doppelt so viel wie im Durchschnitt der Jahre zuvor und danach. Es ist nach den Pesttoten 1666 die größte Zahl an Toten im 17. und 18. Jhdt.. Auch 1744 ist die Zahl der Gestorbenen noch deutlich überhöht, siehe hier. Da man direkte Kriegseinwirkungen ausschließen kann, lässt sich die hohe Zahl der Sterbefälle in der Flörsheimer Bevölkerung nur durch Seuchen, insbesondere Ruhr und Typhus erklären, die unmittelbar nach der Schlacht ausgebrochen waren [Spies 2004], und die von den Verwundeten nach Flörsheim eingeschleppt wurden, die auch außerhalb des Lazaretts im gesamten Dorf verteilt waren. Lamberti unterscheidet zwischen Verwundeten (laesi) und Kranken (aegroti) und sagt, dass von ihnen Gefahren ausgehen. Vermutlich hat er mit Kranken die an Infektionen Erkrankten gemeint, von denen die Gefahren ausgingen.
Im Lazarett arbeiteten unter einem Chefchirurgen (supremus chirurgus) 24 Chirurgen, wovon zwei starben, wahrscheinlich ebenfalls an Infektionen.
In den Flörsheimer Kirchenbüchern ist bei den Sterbefällen die Todesursache in der Regel nicht angegeben. Eine Ausnahme findet sich 1743: Am 28. Oktober starb die Witwe Carharina Riegel an Diarrhoe (Ruhr), nachdem sie den unerträglichen Gestank ertragen hatte; von ihren minderjährigen Kindern erkrankten vier. Zu dieser Zeit starben etwa 50 % der an der Ruhr Erkrankten

King George II at the battle of Dettingen, Ölgemälde, R. A. Hilingford 1902, Royal Army Museum
kleines Bild: Schloss Johannisburg in Aschaffenburg von Südwesten, Quartier von Georg II.     Aufnahme 2007

Im Jahre 1743 wütete der Krieg am Rhein und Main sehr heftig. Am 2. Mai kamen hier an belgisch- österreichische Dragoner unter Führung des Prinzen de Ligne, die 14 Tage lang ein Lager hatten, jedoch ohne das Geringste zu stehlen. Ihr Feldgeistlicher las jeden Tag im Lager die hl. Messe. Als die Hannoveraner nachrückten, zogen die Österreicher über den Main und lagerten dort. Es war am Main auf der Flörsheimer Seite ein Proviantmagazin aufgeschlagen, aus dem die Truppen bis nach Lxemburg hin verproviantiert wurden. Auch jetzt ist wieder die stramme Zucht zu loben unter dem General de Currier; die Soldaten mußten alles zahlen, was sie von den Einwohnern bekamen.
Am Fronleichnamstag rückten die Truppen ab nach Dettingen und kehrten zurück, nachdem die Schlacht dortselbst geschlagen war. Jedoch waren die Einwohner nicht sehr erbaut davon, daß am Main ein Hauptlazarett aufgeschlagen wurde. In jedem Haus lagen 10 Kranke und Verwundete, im Gerichtshause 200, im Karthäuser Kloster 300. Katholische Feldgeistliche waren nicht bei dem Heere, jedoch 3 protestantische. 451 Hannoveraner starben hier und liegen vor dem Thore am Unterflecken begraben (Gegend der chem. Fabrik?). Außer dem Oberarzt und dem Oberchirurgen waren noch 24 Chirirgen thätig. Die Kosten des Lazaretts werden auf über 100.000 fl geschätzt. Am 9. April wird das Lazarett abgebrochen und die Truppen ziehen ab nach Brabant.   [Ganter 1898]

Marschall Adrien Maurice de Noailles (1678-1766) Befehlshaber der französischen Truppen
Ölgemälde von E. F. Feron 1834, Paris

Übersetzung des Berichtes von Pfarrer Lamberti durch Johann Ganter

Seite im Kirchenbuch mit dem Bericht von Pfarrer Lamberti 1743/44
Es ist eine Fotografie vom Bildschirm eines Mikrofilmlesegerätes, 2008.

Johann Ganter, der von 1897 bis 1898 Kaplan in Flörsheim war, hat den Bericht von Lamberti wiedergegeben [Ganter 1898]. Er schreibt zwar, dass er nur Teile des Berichtes übersetzt hat, aber was er übersetzt hat, hat mit dem Original oft nichts zu tun, was zu erheblichen Irrtümern führt. z. B.:
Die belgischen Dragoner haben nichts gestohlen? Sie haben, als sie im Berg-/Brückenfeld lagerten, keinen Schaden an der Frucht angerichtet.
Dass vom Flörsheimer Proviantlager Truppen bis nach Luxemburg versorgt worden sein sollen, ist nicht nur falsch übersetzt, sondern absurd.
Als die “Österreicher” Mitte Juni von Flörsheim abzogen, sind keine Hannoveraner nach Flörsheim nachgerückt. Die pragmatische Armee war bereits im Mai in Höchst und Mitte Juni westlich von Aschaffenburg. Auch kamen keine Hannoveraner nach der Schlacht von Dettingen nach Flörsheim zurück, sondern nur ein Teil der Verwundeten lag im Flörsheimer Lazarett.
Das Lazarett wurde nicht am 9. April 1743  sondern am 9. April 1744 abgebrochen. Hannoveranische Kampftruppen lagerten 1743/44 nicht in Flörsheim.

Erschwerend kommt hinzu, dass er Einiges schlicht erfunden hat, wie ein Vergleich mit der aktuellen Übersetzung zeigt. Bis heute hält sich bei Flörsheimer Lokalhistorikern die Vorstellung, dass die 450 verstorbenen Hannoveraner vor dem Untertor begraben sind, was offenbar auf Ganter zurückgeht. Lamberti macht zur Lage des Massengrabes keine Angaben.

[Spies 2004] und [McNally 2020] beschreiben nicht nur den Verlauf der Schlacht bei Dettingen, sondern auch viele interessante Einzelheiten in deren Umfeld.
In der englischen Geschichtsschreibung hat die Schlacht von Dettingen, obwohl nicht kriegsentscheidend, einen hohen Stellenwert, weil es die letzte Schlacht war, an der ein englischer König teilnahm. Dabei war die Anwesenheit des Königs, auf den die Truppen bei Aschaffenburg lange warten mussten und dadurch viel Zeit verloren hatten, eher hinderlich für die Operationen der Truppe. (Georg II. bezog erst am 19. Juni sein Quartier im Schloss Johannisburg in Aschaffenburg).
Die vorher gut funktionierende Kommandostruktur unter dem Kommando des Earl of Stairs war ineffizient geworden, weil die Generäle jetzt direkt dem König berichteten, der oberster “Feldherr” sein wollte, aber in militärischen Dingen vollkommen unerfahren war.
Hinzu kam, dass für den Transport der königlichen Equipage, die bei jeder Truppenbewegung mitgeführt werden musste, ein großer Teil der Transportmittel (102 Wagen und 622 Pferde) gebraucht wurden, was die heikle Versorgungslage noch verschärfte.
Wertvolle Zeit wurde verloren, weil auf Befehl des Königs die Briten die Spitze der Kolonne für den Rückmarsch  in Richtung Hanau übernehmen sollten, so dass in aufwendigen Umgruppierungen die Marschkolonne von einigen zehntausend Mann “umgedreht” werden musste.
Insbesondere die Briten fielen durch ihr barbarisches Verhalten gegenüber der andersgläubigen einheimischen Bevölkerung auf; sie plünderten die Dörfer und raubten die Kirchen aus. Die Einwohner flohen in den Spessart, was die Proviantierung der Alliierten weiter verschlechterte
[Spies 2004]. Dass die alliierten Truppen trotz ihrer prekären Situation dennoch siegreich waren, lag an strategischen und taktischen Fehlern der Franzosen.

Marschall Noailles hatte durch geschickte Operationen am linken Mainufer die Alliierten in die Falle von Dettingen gezwungen. Vor der Schlacht hatte er jedoch den Oberbefehl über das französische Kontingent bei Dettingen von etwa 40.000 Mann an seinen Neffen, den Duc de Grammot übergeben, weil er selbst das Kommando über einen Truppenteil bei Stockstadt übernahm. Grammot hatte den Befehl, die Alliierten nur zu blockieren und am Rückzug nach Hanau zu hindern, aber auf keinen Fall anzugreifen.
Grammot jedoch, der auf Kriegsruhm aus war, führte die französischen Truppen zu einer Schlachtordnung um anzugreifen, und das in einer für sie ungünstigen Position, wo sie ihre überlegene Anzahl nicht zur Geltung bringen konnten, mit dem sumpfigen Forchbachgelände im Rücken. Einer seiner taktischen Fehler war, den rechten Flügel am Main vorrücken zu lassen, wodurch die vorher sehr wirkungsvolle französische Artillerie auf der anderen Mainseite  ihren Beschuss einstellen musste, um nicht die eigenen Leute zu treffen.
Beim Angriff der Österreicher aus dem alliierten Zentrum heraus trafen diese auf unerfahrene, frisch ausgehobene französische Rekruten, die die Flucht zum Main ergriffen, so dass sich die französische Armee nicht mehr formieren konnte. Bei ihrem Rückzug über die Schiffsbrücken bei Seligenstadt brach eine davon zusammen, so dass auch Soldaten im Main ertranken. Noailles konnte mit seinen südlich des Mains stehenden Truppen nicht mehr eingreifen, so dass ein großer Teil der französischen Truppen überhaupt nicht an der Schlacht teilnahm.

Der Schlachtverlauf im Detail und die Rolle von Noailles werden von [Spies 2004] und  [McNally 2020] unterschiedlich dargestellt. Nach  [Spies 2004] waren die höhere Disziplin und die bessere Ausbildung, insbesondere der Österreicher und Hannoveraner, entscheidend für den Ausgang der Schlacht; Noailles werden weit geringere Fähigkeiten als in [McNally 2020] zugestanden, auch werden von letzterem die Untaten der Briten an der Bevölkerung verharmlost.
Das bereits 2004 erschienene Werk von
[Spies 2004] wird von  [McNally 2020] nicht zitiert ! 

Die Schlacht bei Dettingen 1743, altkolorierter Kupferstich von A. Reinhardt, Frankfurt
In der Karte verläuft die Nord-Süd-Richtung in etwa parallel zum längeren Kartenrand, Norden ist rechts
Der Scan des Originals wurde  von Antiquariat Paulusch zur Verfügung gestellt. Größere Darstellung hier.

TeDeum_Händel

Anlässlich des “Britischen Sieges” in der Schlacht von Dettingen komponierte Georg Friedrich Händel (1685-1759) das Dettinger Te Deum für zwei Chöre und großes Orchester.

Die Ereignisse der Jahre 1743/44 in Flörsheim