„Westfälischer Friede in Münster“   
Gerard Terborsch 1648, Rijksmuseum Amsterdam

Herzog Christian von Braunschweig
1599-1626, protestantischer Söldnerheer- führer
Paulus Moreels, 1619 Anton-Ulrich-Museum, Braunschweig

Johann T´Serclaes Tilly  1559-1632   Oberbefehlshaber der katholischen Liga    Künstler unbekannt

Gustav Adolph 1594-1632
König von Schweden
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Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar
1604-1639, nach 1632  Oberbefehlshaber der schwedisch-protestantischen Armee
 
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Anselm Casimir Wambolt von Umstadt
1629-1647, Kurfürst und Erzbischof von Mainz   www.wikipedia.de

Rheinschleife (Kühkopf) bei Erfelden vor dem Durchstich 1829                                    Die Schweden setzten wenige Kilometer südwestlich von Erfelden über     de.wikipedia.org

Die Schwedensäule am Kühkopf an der Stelle des Rheinübergangs der Schweden. Erbaut 1632 auf Geheiß von Gustav Adolph.
Aufnahme 2010

Die Mainmündung mit der Gustavsburg. Links der Mainmündung die Maarau, dahinter Kostheim. Im Vordergrund die Karthause auf dem Michelsberg in Mainz. Merian 1633

Graf Mathias von Gallas  1588-1647 Oberbefehlshaber der kaiserlichen Belagerungsarmee 1635
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Henri de la Tour d’Auvergne, Vicomte de Turenne 1611-1675                        Generalfeldmarschall der französischen Truppen  Philippe de Champaigne

Mainz 1633   Merian Hassia

Schlacht bei Höchst 22. 6. 1622. Die Braunschweiger fliehen in Panik über die Schiffbrücke, im Hintergrund die heranrückenden Truppen von Tilly.   Unbekannter Künstler

Auf dieser Seite soll keine Kurzfassung des 30-jährigen Krieges entstehen.  Andererseits lassen sich die Kriegsereignisse in Flörsheim, von denen bisher so gut wie nichts bekannt war, nicht verstehen, ohne einige Facetten des „globalen“ Kriegsverlaufs zu kennen, die deshalb skizzenhaft mit einbezogen werden. Der Verlauf des Krieges mit Fokus auf Flörsheim ist im Folgenden aus Gründen der Übersichtlichkeit kompendiarisch und teilweise stichwortartig dargestellt. Die Flörsheim direkt betreffenden Passagen sind im Text hervorgehoben. Mehr Einzelheiten in Buch II.

Um nicht hinter jedem Satz einen Literaturverweis unterbringen zu müssen: Diese Seite nimmt im wesentlichen Bezug auf die Werke [Müller 1979], [Schaab 1835], [Bodmann 1812], [Zanthier 1779], [Neuhold 2011], [Lahrkamp 1999], [Schüler 1887] und natürlich auf die Flörsheimer Bürgermeisterrechnungen 1633 - 1640.

Viele Historiker unterteilen den Krieg in vier Teilkriege, die sich allerdings gegenseitig bedingten und ineinander übergingen: Der Böhmisch-Pfälzische Krieg (1618-1623), der Dänisch-Niedersächsische Krieg (1623-1629), der Schwedische Krieg (1630-1635) und der Schwedisch-Französische Krieg (1635-1648). Flörsheim war vom ersten, dritten und vierten Teilkrieg betroffen.

1620 Februar: Mainzer Domkapitulare bereiten die Einwohner von Hochheim und Flörsheim auf den Krieg vor. Jeder soll sich bewaffnen.

1622: Braunschweiger Truppen unter Führung des protestantischen Herzogs Christian von Braunschweig ziehen in Hessen nach Süden in der Absicht, sich mit den Heeren der Söldnerführer Ernst von Mansfeld und Friedrich von Baden-Durlach bei Darmstadt zu vereinigen.

Juni: Die Truppen erreichten Höchst, das sie nach Ablehnung einer Kapitulation der Höchster besetzen, um hier den Mainübergang zu sichern. Höchst und die gesamte Umgebung, wurden geplündert. Oberursel, Eschborn und Sulzbach wurden zerstört. Als die Braunschweiger eine Schiffbrücke über den Main fertiggestellt hatten, erreichte Johannes Tilly, der Oberbefehlshaber der katholischen Liga mit 20.000 Mann und 6.000 Reitern Höchst und drängte die Braunschweiger Richtung Main, die in Panik vor der Übermacht der Tilly’schen Truppen über die Schiffbrücke nach Süden flohen. Dabei verloren sie mehr Soldaten durch Ertrinken im Main als durch Kämpfe .

Für die Flörsheimer war diese Schlacht in unmittelbarer Nähe mit den Folgen der Nahrungsknappheit und dem Anblick Hunderter von Leichen und Pferdekadavern, die im Main an Flörsheim vorbeitrieben, die erste Bekanntschaft mit dem Krieg. 1623 war die Zahl der Toten in Flörsheim mehr als doppelt so hoch wie normal (siehe Kirchenbuch).

1624-1630: Fronarbeiten Flörsheimer Männer in der Festung Mainz (6 Tage im Monat für 3 alb Lohn/Tag). Kleinere Truppendurchmärsche und Einquartierungen, sonst keine besonderen Kriegsvorkommnisse.

1630 Juli: Der schwedische König Gustav Adolph landet mit einem disziplinierten und modern ausgerüsteten Heer bei Peenemünde, um in den Krieg auf Seiten der Protestanten einzugreifen.

1631 September: Nach der verheerenden Niederlage der kaiserlich-ligistischen Truppen in der Schlacht von Breitenfeld entwickelt Gustav Adolph territoriale Interessen und beschließt, einen Schwedischen Staat im strategisch wichtigen Rhein-Main-Gebiet mit Mainz als Zentrum zu errichten. Er plante die Eroberung von Mainz..

November: Die Schweden nehmen zusammen mit den verbündeten sächsischen Truppen unter Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar die mainzischen Städte Hanau und Höchst ein. Die Hauptmacht der Truppen lagert bei Frankfurt, das sich als freie Reichsstadt mehr oder weniger neutral verhielt. Gustav Adolph lässt bei Höchst Schiffe ausrüsten für einen Angriff auf Mainz von der Mainmündung aus. Der Mainzer Kurfürst lässt den Main kurz vor der Mündung durch Pfähle und versenkte Schiffe blockieren. Danach flieht er nach Köln ins Exil.

Schwedisch-Protestantische Truppenteile erscheinen vor Flörsheim und Hochheim. Ohne Aussicht auf Gegenwehr öffnet Hochheim die Tore; das Gleiche kann man für Flörsheim annehmen.

Bei [Großmann 1953] kann man lesen: „Gustav Adolph musste vor Flörsheim seinen Vormarsch gegen den Rhein unterbrechen. Acht Tage lang belagerte er die Bastion. Dann musste sich die Besatzung dem Schwedenkönig und seiner Heeresmacht ergeben. Die Ortschaft wurde von plündernden Truppen stark verwüstet“. Das entbehrt jeder historischen Grundlage: Die Hauptmacht der Schweden zog südlich des Mains in Richtung Rhein. Zu den wenigen schwedischen Truppen, die in Flörsheim und Hochheim standen, herrschte ein fast freundschaftliches Verhältnis [Schüler 1887]. Mainz, eine der stärksten damaligen Festungen und mit 2.000 Mann Besatzung ergab sich wenige Tage später ohne Belagerung kampflos. Gustav Adolph hatte zu der Zeit Plünderungen untersagt [Müller 1979]. Flörsheim wurde 1631 weder geplündert noch verwüstet, allerdings in späteren Jahren des Krieges geplündert, siehe weiter unten.

Die Schweden räumen die Mainsperre und bauen bei Kostheim eine Schiffbrücke über den Main, nachdem sie den Plan, Mainz von der Mainmündung aus anzugreifen, aufgegeben hatten. Die Hauptmacht der Schweden geht bei Sachsenhausen über den Main und zieht Richtung Rhein. Gustav Adolph berät sich mit dem verbündeten Landgrafen von Hessen-Darmstadt über einen günstigen Rheinübergang, um Mainz von Süden her anzugreifen.

Der Rest der schwedischen Truppen zieht von Flörsheim und Hochheim mainabwärts und geht bei Kostheim über die Schiffbrücke, um sich südlich des Mains mit der Haupttruppe zu vereinigen.

Dezember: 7. 12. - 17. 12. Schwedische Truppenteile überqueren den Rhein und zwingen die im Kühkopf (rechts) verschanzten spanischen Einheiten trotz Überzahl zur Flucht. Das schwedische Hauptheer setzt auf Nachen montierten Scheunentoren westlich von Erfelden über. Oppenheim wird eingenommen und die spanische Besatzung niedergemetzelt.

Dezember 22.: Das gesamte schwedische Heer steht im Süden von Mainz. Mainz braucht nicht belagert zu werden; die Besatzung (etwa 2.000 Spanier) ergibt sich fast kampflos.

Dezember 25.: Gustav Adolph zieht feierlich in Mainz ein. Er lässt eine Dankesmesse feiern – viele Mainzer singen mit (Die spanische Besatzung hatte den Mainzern übel mitgespielt). Die nicht von Klerus und Mönchen verlassenen Kirchen und Klöster bleiben unangetastet, katholische Gottesdienste waren erlaubt. Für Mainz wird eine Kontribution von 80.000 RT (120.000 fl) festgesetzt.

1632: Im „Schwedischen Staat“ bleibt das Lehnswesen unangetastet. Verwaltung und Recht werden nach schwedischen Maßgaben neu geordnet. Dem gesamten Untermaingebiet wurden enorme Kontributionen auferlegt. Im November fällt Gustav Adolph in der Schlacht bei Lützen. Herzog Bernhard von Sachsen-Weimar übernimmt den Oberbefehl über die schwedisch-protestantischen Truppen. Der schwedische Kanzler Oxenstierna übernimmt die Regentschaft über die besetzten Gebiete.

Die Kontribution für das jetzt schwedisch besetzte Flörsheim wird auf 600 Goldgulden festgesetzt, die sich das Flörsheimer Gericht in Frankfurt leihen musste. Nach der Einnahme von Mainz schlug das ursprünglich gute Verhältnis zwischen Besatzern und Einwohnern ins Gegenteil um. Viele Flörsheimer wurden zu Frondiensten für den Bau der Gustavsburg gezwungen. Die Besatzer nahmen sich an Nahrungsmitteln und Wein, was sie wollten, der Rest musste in die Gustavsburg geliefert werden. Oberkommissar Hepp, ein Frankfurter,  wird als Verwalter eingesetzt.
Es gibt in Flörsheim fast nichts mehr zu essen; hoher Verlust an Vieh; einige Einwohner wandern ab. Die Zahl der Toten erreicht 80 (normal 25), siehe Kirchenbuch.

1633: Das Flörsheimer Gericht hat nicht mehr viel zu sagen. Oberkommissar Hepp presst Flörsheim aus. Der Herr isst Rindfleisch, Wildenten, Tauben, Lammfleisch, Speck, der in Mainz beschafft werden muss, Pasteten, Kuchen und Weißbrot; die meisten Flörsheimer kannten Weißbrot nur vom Hörensagen. Sein Hund wird mit Brot gefüttert, während die Flörsheimer hungern. Er setzt sich Ende 1633 rechtzeitig nach Frankreich ab, nachdem er die Flörsheimer Schultheiße gezwungen hatte, ihm 600 fl zu liefern, die in Frankfurt beschafft werden mussten.

1634 September 6.: Schlacht bei Nördlingen. Das schwedisch-protestantische Heer wird von kaiserlichen Truppen vernichtend geschlagen. Die Schweden verlieren fast die Hälfte ihrer Armee. Im Laufe des September und Oktober versuchen die nicht mehr disziplinierbaren und demoralisierten Truppenreste sich am Main entlang nach Mainz zu retten.

In Flörsheim mussten die Pforten repariert werden. Die Eindringversuche der schwedisch-protestantischen Truppenreste sind aber offenbar gescheitert. Sie hatten es sicher eilig, nach Mainz zu kommen, da sie wussten, dass kaiserliche Truppen unter Führung des Generals Graf Mathias von Gallas in Richtung Mainz unterwegs waren. Die Situation in Flörsheim verschlechterte sich trotzdem weiter: Die Verwaltungsausgaben liegen unter dem schon niedrigen Niveau von 1633, die kriegsbedingten Ausgaben steigen. Steuern können nicht mehr erhoben werden, das Gemeinwesen beginnt zusammenzubrechen (siehe BMR). Der letzte Eintrag des Gerichtsschreibers Johannes Hart in GB 1620 - 1636 ist vom 6. September (siehe Gerichtsbücher).

1635 März: Die kaiserlichen Truppen unter Gallas erreichen Flörsheim [Müller 1979] und bereiten die Rückeroberung von Mainz vor. Was noch an Nahrung übrig war, wurde von den kaiserlichen Truppen herausgepresst. „Es gab keinen Unterschied im Treiben der kaiserlichen Truppen verglichen mit den Schweden“ [Schüler 1887]. In Flörsheim gibt es fast keine Nahrungsmittel mehr. Die kriegsbedingten Ausgaben betragen 190 fl. Prozessionen finden nicht mehr statt.

Mai 5.: Der Prager Friedensschluss zwischen dem Kaiser und Kursachsen führte zu einem Erstarken des habsburgischen Kaisertums, was die Franzosen, die bisher die Schweden nur finanziell unterstützt hatten, zum Kriegseintritt veranlasste.

Juli: Gallas verwandelt die Gustavsburg in „einen Steinhaufen“, zieht sich dann aber nach Oppenheim zurück, da er die Stärke der wiedereingesammelten Weimar‘ schen Truppen und der nahenden Franzosen nicht einschätzen kann. Der Mainzer Festungskommandant Gisbert von Hohendorff erobert die Reste der Gustavsburg zurück.

Oberst Reinhold Rosen vertreibt die kaiserlichen Truppen aus Flörsheim und Rüsselsheim. Flörsheim muss schwedische Schutzsoldaten aufnehmen (--- als wir die 4 quartten so Vohm Rosischen undt Backermans regiment abbeZahlt haben).

Bernhard von Sachsen-Weimar schlägt zwischen Hochheim und Kostheim ein befestigtes Lager auf. Die französischen Truppen unter General La Valette vereinigen sich mit den Weimar’schen Truppen bei Hochheim. Zusammen unternehmen sie von dort aus Plünderungszüge im Untermaingebiet.

Die Niederpforte wird aufgebrochen; Flörsheim wird geplündert. Einige Flörsheimer begeben sich in den trügerischen Schutz der Rüsselsheimer Festung. Von Mainz ausgehend bricht dort die Pest aus. Franz Ruppert und einer seiner Söhne sterben in Rüsselsheim an der Pest. Der Eddersheimer Schultheiß wird auf grausame Weise ermordet .

September: Bernhard von Weimar und La Valette brechen das Lager bei Hochheim ab und ziehen nach Metz, da die Truppe in schlechtem Zustand war. Hohendorff kann nicht mehr auf Entsatz hoffen. Gallas schließt den Belagerungsring um Mainz enger. Die Reste der Gustavsburg werden von kaiserlichen Truppen eingenommen. Rüsselsheim wird geplündert (Der Landgraf von Hessen-Darmstadt stand jetzt auf der “falschen” Seite).

November: In Mainz und in der gesamten Umgebung herrscht eine unbeschreibliche Hungersnot. Die Äbtissin des Klosters Dahlheim schreibt: „Es ist kein Pferde-, Hunde- oder Katzenfleisch mehr verfügbar. Die Menschen essen verfaultes Schuhleder und Gras“. Der Gerichtschreiber Johannes Hart flieht nach Frankfurt.

1636 Februar 2.: Hohendorff kapituliert. Die schwedische Besatzung erhält freies Geleit nach Metz. Dort kommen von 3.000 Mann nur 1.000 an. Der Rest ist dissertiert und zieht marodierend durch die Umgebung von Mainz und das Untermaingebiet und versucht, durch Plünderung zu überleben.

Einige dieser marodierenden Landsknechtshaufen versuchen in Flörsheim einzudringen. An die Flörsheimer Einwohner werden Lunten und Pulver ausgeteilt. Die Flörsheimer bilden einen Ausschuss (Das Wort kommt von “schießen”) und wehren sich zusammen mit einigen kaiserlichen Soldaten erfolgreich (siehe BMR). Die Ortsbefestigung hat sich nach der erneuten Reparatur der Pforten bewährt. In der zweiten Jahreshälfte entspannt sich die Lage; Prozessionen  finden wieder statt, die kriegsbedingten Ausgaben sinken.

Juli: Der Mainzer Kurfürst kommt aus seinem Kölner Exil zurück und versucht, wieder „normale“ Verhältnisse im Erzstift herzustellen. In Mainz sind 11.000 Häuser zerstört.

1637: Huldigung der seit 1620 zugezogenen Flörsheimer Einwohner in Hochheim. Die Verwaltungsausgaben steigen deutlich, die Kriegskosten liegen unter 20 fl. Keine Kriegsereignisse.

1638/1639: Keine Kriegsereignisse. Die Verwaltungsausgaben stabilisieren sich, Ausgaben für Prozessionen nehmen zu. Die Einnahmen decken allerdings nicht die Ausgaben.

1640: Übergriffe schwedisch-weimarischer Truppenteile im Untermaingebiet, die auch Höchst und Hanau wieder besetzten.
In Flörsheim übersteigen die Kriegskosten wieder die von 1636. Prozessionen finden nicht mehr statt. Flörsheim wird wieder geplündert.

Vier Einträge aus der BMR 1640:
1 fl 2,5 b einem Man Vohn Walla mit nahmen Wenckhaussen geben, welcher Unsseren Eber als er in der schwedischen plünderungh hinwegh geloffen Vohn Massenheim witter ahn hero gebracht
4 b Vohr 1 mass wein geben, den ienigen so das Gemein Korn Vohrn speücher getragen in der plünderungh undt in gefahr
2 b dem schmid geben Vohr falleisen Ahn die Kirch hoffthüren
7 b Vohr Käs undt brod 5 soldaten geben Vohn Höchst so Unsser Nachen sie ab wöllen hohlen

1641/1642/1643: Die Übergriffe schwedisch-protestantischer Truppen dauern an. Flörsheim scheint aber vor weiteren Plünderungen verschont worden zu sein (keine BMR ab 1641).

1643: Turenne erhält den Oberbefehl über alle französischen Truppen. In Abstimmung mit Kardinal Richelieu soll Mainz eingenommen werden.

März: Der Kämmerer des Domkapitels inspiziert die Flörsheimer Äcker und stellt fest, dass die meisten nicht bewirtschaftet sind und wüst liegen, und die Underthanen haben biß dato Unsicherheitt halber, dieselbigen nitt bauen können (HHStAW 105/633). Selbst in diesem, nicht so schweren Kriegsjahr war für die Flörsheimer Hunger angesagt.

1644 September: Turenne und der französische General Enghien haben mit ihren Truppen Mainz eingeschlossen. Die Mainzer Festungsbesatzung ergibt sich kampflos. Mainz wird besetzt. Die kaiserlichen Oberste Spork und Wolf kommen zu spät, um die Einnahme von Mainz zu verhindern. Aus Verärgerung lassen sie das Untermaingebiet plündern.

Dezember: Das Hochheimer Gericht schreibt an das Domkapitel:

„Diese Völker haben uns allen Hausrath, Essenspeiß, übrige Früchte (Getreide), alle Schwein und Hüner, auch viel Rindvieh hinweggenommen und geschlachtet, die Häusser durchhauen, etliche Bau gar umbgerissen, viel Keltern, Bütten und ander Herbstgeschirr, fast alle Wägen, Kärg (Karren), Pflüg und was an Holtzwerk, Thor und Thüren, endlich die Pfähl aus den Weingärten, auch die schönste Obstbäum in- und außerhalb des Fleckens verbrannt, also dass es unser höchstes Verderben und erbärmliches ansehen ist“.

Wahrscheinlich erneute Plünderung von Flörsheim.

Turenne schreibt an den französischen König [Zanthier 1779]: „Das Land an Rhein und Main ist verzehrt, kein Futter für ein einziges Pferd mehr“. Er muss mangels Nahrung und Futter sein Winterlager bis nach Speyer verlegen.

1646: Turenne schreibt an den französischen König: „2.000 Mann der Besatzung von Mainz nachgeholt und Aschaffenburg, Höchst und andere kleine Plätze eingenommen“.

1645/1646/1648: [Schaab 1835] schreibt: „Die Jahre 1645, 1646 und 1648 brachten dadurch, daß sich die Franzosen im Besitze von Mainz befanden, über alle Rhein- und Mainlande die schrecklichsten Drangsale. Von Mainz aus machten ihre Kommandanten, besonders Turenne, verheerende Züge den Rhein hinauf und hinunter, und den Main hinauf zu beiden Seiten, bis in Franken. Am härtesten wurden die Mainzer Kurlande mitgenommen. Die vielen festen Orte des Erzstifts wurden bald von den Franzosen, bald von den Reichsvölkern besetzt und hart heimgesucht. Mit abwechselndem Glücke wurde dieser kleine Krieg geführt und hatte in seiner Begleitung alle seine Schreckensscenen“.

1648: Turenne schreibt: „Das Land ist total heruntergekommen, 12-15 eroberte Plätze jenseits des Rheins“.

Der Westfälische Friede beendet den Krieg. Die letzten Franzosen ziehen 1650 aus Mainz ab.

Dieser Krieg war der schlimmste, den Flörsheim in den letzten 500 Jahren erlebt hat.

Flörsheim hat überlebt.

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Ferdinand III.  1608-1657, römisch-deutscher Kaiser ww.wikipedia.de

Flörsheim im 30-jährigen Krieg