Analog zur Rekonstruktion von Fluren, Wegen, Brücken etc. (siehe “Themen”) lässt sich die Nutzung der Gemarkungsfläche als Ackerland, Weingärten, Weiden u. a. um das Jahr 1656 rekonstruieren.

Die wichtigsten Originalquellen hierfür sind das Stockbuch 1656 sowie die Gerichtsbücher vom Typ G mit insgesamt etwa 4.000 Einträgen (17. Jhdt.). Abzüglich der etwa 400 Angaben zu Kauf und Verkauf von Hofreiten innerhalb der Ortsmauer bleiben 3.600 Einträge, die sich auf Äcker, Weinberge, Wiesen etc. beziehen und deren Lage in der Gemarkung beschreiben.

Die Flörsheimer Gemarkung hatte 1656 (und hat auch heute) eine Fläche von knapp 4000 Morgen, also rund 1000 ha. Davon wurden 700 ha als Ackerland genutzt, 150 ha waren Weingärten und Eller und 100 ha  entfielen auf Wiesen und Weiden (Plan rechts). 50 ha der Gesamtfläche wurden von Gewässern, Wegen, Steinfeldern und dem Dorf selbst eingenommen (Dorffläche etwa 10 ha).

Eller sind Grundstücke, die für Weingärten vorgesehen sind, aber dafür noch hergerichtet werden müssen, insbesondere durch Rodung von Büschen oder alten Weinstöcken.

Das Ackerland ist, wie man es für eine Dreifelderwirtschaft erwarten würde, auf die drei Großfelder Ober-/Niederfeld, Bergfeld und Brückenfeld (siehe hier) gedrittelt. Bei Ackerflächen über einer halben Hube (4 ha) wird diese Drittelung auf besser als 10 % eingehalten. Während die Ackerflächen im Berg- und Brückenfeld homogen und geschlossen sind, findet man im Oberfeld ein Nebeneinander von Äckern und Wiesen (Riedwiesen) und im Niederfeld, neben einem geschlossenen Bereich unterhalb von See und Seegärten, ein Nebeneinander von Äckern und Weingärten  (Niederweingarten) bzw. von Äckern und Weiden/Wiesen (Maingrund). Die Äcker in Ober- und Niederfeld spielten eine Sonderrolle, um so mehr, als weite Teile dieser Äcker in jedem Frühjahr unter Wasser standen (siehe Landwirtschaft - Ackerbau).

Das bevorzugte Weinanbaugebiet reichte von den flachen Hängen des Hinterahler über die etwas steileren Hänge des Wickerer Berges über den Kossinberg bis zum Rod. Zu den besten Lagen gehörte der Herrnberg; bereits 1320 erwähnt, war er im späten Mittelalter und in der frühen Neuzeit im Besitz des Mainzer Domkapitels (Herren). Auch heute noch wird aus den Herrnbergreben ein ausgezeichneter Riesling produziert. Alle Hänge rund um das Rod einschließlich der Kelb bis hinunter zur Weißerde, waren Weinbaugebiet. Die Bodenbeschaffenheit dort, karstähnlich, Trockenrasen, ließ keinen ertragreichen Ackerbau zu, war aber für Weinbau durchaus geeignet. Eine Flur hat den Namen nach der Landnutzung, die Niederweingärten. Sie reichten vom Dorf bis an den Flörsheimer Bach, allerdings durchsetzt mit Äckern. Einige Weingärten gab es südlich des Judenfriedhofes. Zu Weinbau siehe Landwirtschaft - Weinbau.

Die Mehrzahl der (Kuh)Weiden und Wiesen lag in Überschwemmungsgebieten, im Osten in der Au und im Ried und im Westen im Maingrund. Die Weiden (wasum) waren in Gemeindebesitz. Einen größeren Wiesenbereich abseits vom Main gab es zwischen Bachweg und Bach von der Langen Heide bis zu den Eichbäumen. Das mittelhd. Wort “heide” bedeutet unfruchtbares, unbebautes Land, auch heute noch ein mit Büschen und einigen Obstbäumen bestandenes Wiesengelände. Die Bachwiesen lagen wie heute westlich der Obermühle zwischen Flörsheimer Bach und Mühlkanal. Das Gelände entlang des Seegrabens vom Rodpfad bis zum Bachweg wurde (wie heute) durch Schrebergärten genutzt. Ein  Teil des Rodplateaus sowohl im Vorder- als auch im Hinterrod war (Schaf)Weide, im Plan rechts angedeutet durch das dunkelgrüne Oval. Ummittelbar östlich davon lag die Flur “Schaftrieb”. Zu Schafweiden siehe hier.

 

Flächennutzung 1656

Ackerland im Niederfeld, Schieferstein, Seegärten, See,  vom Bachweg aus nach Nordwesten

Weinbau am Herrnberg, die Wickerer Häuser stehen am Landwehrweg.

Weideland in der Au, die Eddersheimer Str. ist links, Richtung Nordosten

Flächennutzung 1656