Im Stockbuch wird die Ackerfläche der Gemarkung in drei Großfelder unterteilt: Ober- und Niederfeld, Bergfeld und Brückenfeld. Ober- und Niederfeld, obwohl an verschiedenen Enden der Gemarkung gelegen, werden durchgehend zu einem Block zusammengefasst, so dass man von drei logischen Großfluren ausgehen muss. Bei der Beschreibung des Landbesitzes von Domkapitel und Klöstern, den Huben, wird diese Ordnungslogik konsequent und ohne Ausnahme angewandt, auch, wenn es sich nur um ein Viertel Hube (8 Morgen) handelt. Bei der Auflistung des eigenen, nichtgepachteten Landes wird diese Unterteilung nur bei größerem Landbesitz benutzt. Der Stockbucheintrag rechts zeigt beispielhaft diese Ordnungslogik.

Diese Unterteilung der Gemarkung in drei Großfelder deutet auf den ersten Blick auf auf eine klassische Dreifelderwirtschaft (Fruchtwechsel: Wintergetreide (Roggen, Weizen), Sommergetreide (Gerste, Hirse, Hafer) und Brache) in jeweils einem anderen Großfeld hin. Der Landbesitz von Domkapitel und Klöstern ist mit erstaunlicher Präzision auf die drei Großflure gedrittelt (Bei Äckern von einer halben Hube oder mehr ist die Differenz der Ackerflächen in den drei Großfluren nicht größer als 10 %) , was man erwarten würde, wenn in einer Dreifelderwirtschaft jedes Jahr die gleichen Pachtabgaben an Getreide geliefert werden müssen. Die Verhältnisse in Flörsheim 1656 dürften allerdings komplizierter gewesen sein, wie man unter anderem an der Tatsache erkennen kann, dass Domkapitel und Klöster die jährlichen Pachtabgaben fast ausschließlich in Wintergetreide erhoben. Mehr dazu hier.

Manchmal werden auch Wiesen, Eller und teilweise Weinberge Großfeldern zugeordnet, so dass der Begriff „Großflur“ statt „Großfeld“ zutreffender erscheint. Die gesamte Gemarkung lässt sich damit flächendeckend in Großflure unterteilen. Die eigentlichen Ackerflächen einer Großflur waren natürlich kleiner, siehe Flächennutzung. Die Lage der Großflure und deren Abgrenzung lässt sich sehr gut rekonstruieren. Findet man beispielsweise einerseits viele Äcker, die im Bergfeld und am Höllweg liegen, und andererseits viele Äcker, die im Brückenfeld und am Höllweg liegen, muss der Höllweg die Grenze zwischen Bergfeld und Brückenfeld sein. Die Grenze zwischen Nieder- und Bergfeld ist der Kreuzweg, die Grenze zwischen Berg- und Brückenfeld der Höllweg und der obere Höllweg, die Grenze zwischen Brücken- und Oberfeld der Riedweg und in dessen Verlängerung der Hattersheimer Pfad (rechts).

Die Wege und Flure werden hier und im Folgenden in der modernisierten Weise geschrieben; für jeden Weg und jede Flur gibt es allein im Stockbuch mehrere unterschiedliche Schreibweisen, z. B. riedweg, rithweg, ridweg, riethweg; heidersheimer pfath, haydersheymer pfath, oder schiefferstein, schifferstin, schiffersteyn.

Neben „Acker“ und „Feld“ spielt die „Gewann“ (gewandt) im Stockbuch und in den Gerichtsbüchern vom Typ G eine wesentliche Rolle. Eine Gewann kennzeichnet einen Bereich von Äckern, der sich entweder durch geografische Besonderheiten auszeichnet wie z. B. Krumme Gewann, Kurze Gewann, Spitzgewann, Lange Gewann, Hochgewann oder durch einheitliche Besitzverhältnisse wie etwa Kirchgewann oder Domherrngewann. „Gewann“ ist eine zunächst flurunabhängige u. U. auch flurübergreifende Bezeichnung eines Feldbereiches, kann aber auch den Charakter einer Kleinflur annehmen wie z. B. Domherrngewann oder Klinggewann.

In dem Begriff gewandt steckt unser heutiges Wort „wenden“. Der Pflug wurde an den Enden des Gewanns gewendet; Gewanne waren  lange, schmale Ackerstreifen, die das Pflügen begünstigten, da das Wenden der damaligen Pflüge umständlich war und den Nachbaracker in Mitleidenschaft gezogen hat (nur die wenigsten Äcker waren über Wege zugängig).

Im Gemarkungsplan von Lauck ist „Die krumme Gewann“ als Flur im Ried und „Die Spitzgewann“ als Flur bei der Kelb eingetragen. Das entspricht nicht den Verhältnissen im 17. Jhdt oder davor. In jeder Großflur gab es naturgemäß krumme und spitze Gewanne, so dass sich diese Bezeichnungen nicht als eindeutige Flurnamen etabliert haben. Wenn der Gerichtschreiber einen Acker als in der grummen gewandt liegend beschreibt, fügt er immer hinzu, welche krumme Gewann gemeint ist.

Zur Lokalisation der Äcker in der Gemarkung ist eine besondere Gewannart wichtig, die Angewann (ahngwandt, ahngewendter), ein Begriff, der im Stockbuch sehr häufig vorkommt. Ein Angewann ist ein Acker oder Feldbereich, dessen Pflugrichtung quer zur Hauptpflugrichtung liegt oder, in der Regel gleichbedeutend, der mit seiner Langseite an die Schmalseite des Nachbarackers grenzt. Rechts ein heutiges Beispiel eines Angewanns: Es ist ein Angewann bezüglich der links oberhalb und rechts unterhalb liegenden Äcker. Im Stockbuch würde es zudem als „mit einem Schlüssel“ gekennzeichnet, nach der Form, die einem Schlüsselschaft mit Schlüsselbart ähnelt.

Die Begriffe „Mittelflur“ und „Kleinflur“ kommen im Stockbuch nicht vor; ihre Benutzung ist aber für eine bessere Übersicht sinnvoll. Als Mittelflure sollen hier Flure mit Flächen größer als zwei Huben (60 Morgen) verstanden werden, entsprechend Kleinflure mit Flächen darunter (Nimmt man in der Abb. rechts oben den 500 m-Maßstab als Kantenlänge eines Quadrates, hat dieses Quadrat eine Fläche von 25 ha). Bei der Rekonstruktion lassen sich fast alle Mittel- und Kleinflure einer Großflur oder, in Ausnahmefällen, zwei Großfluren zuordnen (z. B. Höllhuppel) und damit zunächst einmal grob lokalisieren. Für die Flure, die bei Domkapitel- und Klosterbesitz aufgeführt werden, ist das trivial, da die Ordnungslogik des Stockbuches genau das leistet (siehe Stockbucheintrag rechts). Für Flure in denen kein Domkapitel- oder Klosterbesitz liegt, und die in den Rubriken „Eigene Äcker“ und „Weingärten“ erscheinen, ist das schwieriger. Hier führt die Vorgehensweise analog zur Rekonstruktion des Dorfes, nämlich die Orientierung an Wegen, Gebäuden und anderen markanten Örtlichkeiten in der Regel zum Erfolg, ebenso die Auswertung von Informationen aus anderen Gerichtsbüchern.

Die lokalisierbaren Mittel- und Kleinflure sind rechts und in Plan H dargestellt. Hier zur Interpretation der Flurnamen. Eine Sonderrolle spielt die Kleinflur „Wedelhube“ (auch wetelhube, wettelhube). Sie ist die einzige Flurbezeichnung, die 1656 auch innerhalb der Ortsmauer zur Lagebeschreibung von Hofreiten dient.

Zu den nicht genau lokalisierbaren Kleinfluren gehören: Schneckenberg (am Berg), Hohe Belle (im Niederfeld), Kahler Rain (im Oberfeld/Brückenfeld), Niemandsplacke und Niemandsbäume (im Bergfeld zwischen Wickerer Weg und Unterehnweg)). Die Hohe Belle lag sicher in einem Feuchtgebiet, wo Pappeln (belle: Pappel) wachsen. Mit etwas Spekulation lag sie in der Nähe der Langen Belle, also im westlichen Bereich des Maingrundes.

Die im Lauck’schen Gemarkungsplan verzeichneten Flure Alleegewann, Schwalbenrech, Weiße Mauer, Kopfnang, Nonnenrech, Grauer Stein und  Am Stock lassen sich für das 17. Jhdt. nicht nachweisen, auch nicht die dort als alte Flure genannten Flure Lappländer und Güldene Luft. Das als Kleinflur eingetragene Brückenfeld ist eine Großflur. Die Steinritz war keine Flur im eigentlichen Sinne, Steinritze (siehe Kap. 4.3) gab es mehrere in der Gemarkung. Die Domherrngewann lag nicht an der eingezeichneten Stelle sondern eindeutig im Bergfeld, siehe Plan H.

Auffallend ist der „flurlose“ mittlere, obere Bereich des Bergfeldes . Die Lage der Äcker in diesem Bereich wird im Stockbuch allein über die nächstgelegenen Wege und sehr häufig als zwischen zwei Wegen liegend beschrieben. Warum sich hier keine eigenständigen Flurbezeichnungen etabliert haben, ist unklar. Zwar reicht das hier von alters her dichte Wegenetz aus, die Lage der Äcker zu charakterisieren, ein Blick auf das Niederfeld zeigt aber, dass sich dort bei vergleichbar dichtem Wegenetz viele eigenständige Flurnamen ausgebildet haben.

16 Gerhart Eckhart den 11. May 1656

Erstlich Haus undt Hoff sampt Einer schewer, oben Zu die gemein gass unden Cles Kaus, giebt Ein hun undt Ein ganss.

Ein 1/4 Hube weissefrawe guth

Ober Undt Nitterfelth   0,5 neben dem Auwgraben, 1,5 gegen der auwwegh ruhe, 0,5 naher dem mäin

Berckfelth   1,5 uber dem Ehnwegh, 0,38 ahm Hellwegh bey der ruhe, 1 ufm Ahler zeugt ufs Landtgwehr

Bruckenfelth   1,5 gegen die riethweh ruhe, 1,5 in Schäncke morgen, 0,5 in Katzen lucken zeugt ufs Landtgewehr,

Summa diss ein Viertel Helt 8 Morgen – 3 1/2 Virtl

giebt Jährlich in das Closter weisse frawen 2,5 Malter Kohrn Undt Hrn. Cämmerer 5 Kömpf beth wäitzen

Die Flächeneinheiten sind Morgen

Die Großflure in der Flörsheimer Gemarkung 1656  Nieder- und Oberfeld werden im Stockbuch zu einer Großflur zusammengefasst. Die eigentlichen Ackerflächen waren kleiner als die hier markierten Großflure.

Gewanne in der heutigen Gemarkung   Der mit „A“ gekennzeichnete Feldbereich ist in der Nomenklatur des Stockbuches ein Angewann. Es hat  einen „Schlüssel“.    Google Earth 2010

Die Mittel- und Kleinflure 1656   Kleinflure sind in kleiner Schrift bezeichnet.

Die Flure