Dass die mittelalterliche Dorfumfriedung keinen hinreichenden Schutz bei ernsthaften militärischen Auseinandersetzungen bot, kann man daran erkennen, dass während der ersten Mainzer Stiftsfehde Balduin von Trier 1329 den Flörsheimer Kirchhof befestigen ließ, um Mainz von der Warenzufuhr von Frankfurt über den Main abzuschneiden [Grathoff 2002]. Wie aus weiteren Dokumenten dieser Zeit hervorgeht, bestand diese innerdörfliche Befestigungsanlage um die Kirche aus Turm, Vorbefestigung und weiteren Elementen. Der Kaiser hatte den umliegenden Reichsstädten Frankfurt, Gelnhausen, Friedberg und Wetzlar mehrfach befohlen, die Burg Flörsheim zu zerstören, was Balduin aber zu verhindern wusste. Erst nach dem Tod Balduins 1354 versprach Erzbischof Gerlach von Nassau der Stadt Mainz, die Burg Flörsheim zu schleifen. Wahrscheinlich ist das geschehen, denn sie wird danach nicht mehr erwähnt [Grathoff 2002]

1454 ist in einem Erbpachtvertrag zum ersten Mal von dem alden graben die Rede, siehe hier. 1532 erscheint der “alte Graben” zum letzten Mal im Gerichtsbuch. Vermutlich wurde er verfüllt, als die Arbeiten an der neuen Befestigung sich dem Ende näherten.
Die Bezeichnung “alter Graben” 1454 impliziert, dass  zu dieser Zeit bereits der Bau einer neuen Dorfbefestigung im Gange war, die Bauarbeiten zu der steinernen Ortsbefestigung also bereits 1454 begonnen hatten.
Den ersten direkten Hinweis auf den Baustand der steinerne Ortsbefestigung liefert ein Eintrag in den Protokollen des Domkapitels von 1484:
“Das Kap. schafft die den Flörsheimern auf ihre Weine gelegte uffsatzung oder zolgelt von 6 alb ab, so dass sie künftig nur die Zollsätze wie ihre Nachbarn zu zahlen haben; dafür sollen sie die Mauern am Main herauf bauen und die Pforten in Bau und Besserung halten”, 19. Mai 1484
[Protokolle Domkapitel 1976].
Torbauten (Pforten) waren also 1484 bereits im Bau; mit dem Bau der mainseitigen Mauer sollte begonnen  oder fortgefahren werden.
1547 schreibt das Flörsheimer Gericht an das Domkapitel (HHStAW 105/501), Flörsheim sei von alters her mit Zäunen und anderem Holzwerk umgeben gewesen, weil aber das Holz weit entlegen und schwer zu bekommen sei, habe man mit Einverständnis des Domkapitels vor Jahren beschlossen, den Ort mit einer Mauer zu umfrieden. Da dies auch dem Domkapitel zugute käme, bitten sie um eine Beisteuer.

Das Gericht weist darauf hin, dass das notwendige Holz nur schwer zu beschaffen sei. Flörsheim besaß einen umfangreichen  Anteil am Fünfdorfmarkwald auf der anderen Mainseite. Aber Zugang und Nutzung des Flörsheimer Waldes  wurden sehr oft durch die Rüsselsheimer behindert.
Nur ein Beispiel: 5. März
1517, Der Keller in Rüsselsheim hat die Wälder, über die Streit mit den Bewohnern von Flörsheim ist, befestigen lassen, so dass niemand aus Flörsheim sie betreten kann. Die im Wald errichteten Befestigungen soll Ehrenberg durch Einwohner von Flörsheim zerstören lassen [Protokolle Domkapitel 1976]
In dem obigen Schreiben von 1547 an das Domkapitel wird auch ausgeführt, dass die Arbeiten immer wieder liegen geblieben sind, weil durch Überfälle von Kriegs- und anderem Volk, namentlich der Rüsselsheimer, viel Schaden an Frucht, Wein und Vieh enstanden sei.

Neben Holzmangel führte wohl auch die Einsicht, dass die alte Befestigung den verteidigungstechnischen Anforderungen um 1450 nicht mehr gerecht wurde, zum Bau der steinernen Ortsbefestigung. Die Entscheidung zum Bau einer steinernen Ortsbefestigung wurde sicher dadurch erleichtert, dass Steine in Flörsheim keine Mangelware waren, anders als Holz, siehe hier.
Darüber hinaus  dürfte der permanente Streit des Domkapitels mit der Herrschaft Eppstein (Linie Eppstein-Königstein) um die Leibbede in Flörsheim lebender Eppsteinischer Eigenleute, der ab 1466 eskalierte und mit Gewaltandrohung seitens der Eppsteiner verbunden war (siehe hier), mit ein Grund für einen besseren Schutz des Dorfes gewesen sein (die Gemarkung Flörsheim grenzte an Eppsteiner Gebiet).
Ende 1547 nehmen die beiden Flörsheimer Schöffen Althen Berll und Peter Duchman in Hochheim einen Zuschuß des Domkapitels in Höhe von 80 fl in Empfang, verbunden mit der Verpflichtung, die Ortsmauer bei der Oberpforte im nächsten Sommer zu errichten, siehe hier. Wenn dies den letzten Bauabschnitt darstellte, was plausibel ist, da offenbar der Mauerbau von Westen nach Osten fortschritt, war die Ortsbefestigung um 1548 fertiggestellt.
Die lange Bauzeit von fast 100 Jahren findet ihre Erklärung in den finanziellen Rahmenbedingungen der Gemeinde, die im Wesentlichen für die gesamten Baukosten aufkommen musste. Bedenkt man, dass die Gesamteinnahmen der Gemeinde pro Jahr wesentlich niedriger waren als die Baukosten für einen einzigen Turm – die Baukosten für einen Turm oder eine große Pforte betrugen mehrere hundert Gulden – versteht man die lange Bauzeit und die mit diesem Vorhaben verbundenen Belastungen der Gemeinde.

Die Flörsheimer steinerne Ortsbefestigung bestand aus Mauern, drei Türmen und drei Torbauten, den großen Pforten, siehe Plan A. Das Fortschreiten der Bauarbeiten lässt sich grob anhand der Ersterwähnung von Pforten und Türmen verfolgen: 1488 nydderporte, 1488 meynporte, 1513 oberpfortte, 1523 genspfortte, 1529 oberthorm (GB 1447- 1613 G/N). 1516 wird ein wachthus uff dem graben erwähnt. Ein Wachhaus zwischen Unter- und Oberpforte macht keinen Sinn, wenn zu diesem Zeitpunkt der Margarethaturm schon existiert hätte. Dies legt die Vermutung nahe, dass dieses Wachhaus noch aus der früheren Schutzanlage stammt, und der Margarethaturm erst nach 1516 fertiggestellt wurde.

Mit den bekannten Abmessungen von Mauer, Pforten und Türmen kann man die verbaute Menge an Kalkbruchsteinen zu 9000 m³ abschätzen.

Wie schon beim Dorfgrundriss gibt es auch für die Ortsbefestigung als Ganzes keine Zeichnungen oder Abbildungen aus dem 17. Jhdt. oder davor. Mauern, Pforten und Türme mussten zwar fortwährend ausgebessert und repariert werden, das Erscheinungsbild der Ortsbefestigung hat sich aber dadurch in den 250 Jahren ihres Bestehens nicht grundsätzlich verändert. Deshalb können auch Darstellungen aus der Zeit nach 1700 wertvolle Eindrücke und wichtige Hinweise geben, insbesondere Bild I und Bild II.

In der Darstellung der Kirche ist in beiden Bildern der 1706 gebaute Kirchturm und das 1666 fertiggestellte, alte Kirchenschiff zu sehen. Das heutige, 1766 gebaute Kirchenschiff hat einen Dachreiter und turmseitig eine andere Form; der Dachfirst ragt in der Höhe deutlich über den gemauerten Teil des Turms hinaus. Beide Bilder müssen also nach 1706 und vor 1766 entstanden sein. Die Darstellung der Szene ist in beiden Bildern äußerst präzise – in Ausschnittsvergrößerungen lässt sich eine erstaunliche Vielzahl von Details erkennen (rechts) – darüberhinaus auch wirklichkeitsgetreu, wie ein Vergleich mit der Rekonstruktion z.B. bezüglich Anzahl und Lage der fünf Mainpforten ergibt .

Die Mauer
Die Mauer war aus örtlichen Kalkbruchsteinen gemauert, etwa 1.500 m lang und am Fußpunkt knapp einen Meter dick. Sie war ursprünglich etwa 4,5 m hoch. Zu Details der Mauer und deren Verlauf siehe hier.
Die Mauer war verteidigbar, wie die Ereignisse in Flörsheim 1636 im
30-jährigen Krieg zeigen.  Schießscharten in Mannshöhe, im 15./16. Jhdt. eine verteidigungstechnische Alternative zu einem Wehrgang [Biller 2016], gab es nicht.  Sie muss also einen Wehrgang gehabt haben.
Da eine weniger als ein Meter dicke Mauer keinen Wehrgang auf der Mauer zulässt, wäre eine hölzerne Konstruktion als Wehrgang denkbar, die innen an der Mauer unter der Mauerkrone befestigt war. Für die dazu notwendigen Mauervertiefungen zur Aufnahme der Stützbalken gibt es allerdings keine Hinweise. Wahrscheinlicher ist, dass der Wehrgang durch eine Balkenkonstruktion gestützt wurde, die hinter der Mauer stand, und der Wehrgang über die Türme, Torbauten und duch hölzerne Treppen erreichbar war, etwa wie in der  Abb. rechts dargestellt, siehe auch [Biller 2016].
Ob der Wehrgang wie in dieser Abbildung überdacht war, wissen wir nicht, ist aber wahrscheinlich. Eine Überdachung wäre für die Verteidiger sehr nützlich gewesen, da die damaligen Luntenmusketen im Regen nicht zu gebrauchen waren. Für Zinnen gibt es keine Hinweise.
Zwischen Unter- und Oberpforte (heutige Grabenstraße) gab es dorfseitig eine  2-3 m breite Mauergasse, angedeutet in Plan A, die noch bis zum Abriss der Mauer in diesem Bereich 1884 bestand und offenbar nie bebaut wurde, siehe hier. In dieser Gasse stand das vermutete Balkengerüst zur Stützung des Wehrganges.
Am Untergraben zwischen Unterpforte und Niederturm verlief eine reguläre breite Gemeindegasse.
Entlang der Mainseite gab es keine Mauergasse; einige Häuser waren uff die mauer gebaut, man hat das Dach uff die mauer fallen lasse, was bedeutet, dass es hier höchstens abschnittsweise einen Wehrgang gegeben haben konnte. Offenbar hielt man die Mainseite des Dorfes für weniger gefährdet.
Am Obergraben zwischen Oberpforte und Oberturm gab es dorfseitig hinter der Mauer genügend Platz, da hier die Gärten der Hofreiten entlang der Obermainstraße lagen. Für die engste Stelle nordöstlich der Bring´schen Hofreite (Nr. 100, Plan A) besteht das Gericht 1589 auf einem Abstand von 6 Schuh (1,8 m) zwischen seinem Haus und der Mauer (GB 1447-1613 VN).
In den Gerichtsbüchern wird die Mauer nur sehr selten als solche bezeichnet. Die häufigste Bezeichnung  vom 15. bis zum 18. Jhdt. ist “Graben”, wobei zwischen Obergraben (östlich), Graben (nordwestlich) und Untergraben (westlich) unterschieden wird. Dies geht vermutlich noch auf die Zeit zurück, als es nur eine Graben/Wall/Zaun - Anlage gab, und der Graben das dominierende Element der Befestigung war.

Die Torbauten (Pforten)
Wesentlicher Bestandteil der Ortsbefestigung waren die drei großen Pforten, die Hauptortstore mit ihren Torbauten, die Unter(Nieder)pforte im Westen, die Oberpforte in Osten und die große Mainpforte zum Main hin.  Außer der auf der Hand liegenden Funktion, in unruhigen aber auch in ruhigen Zeiten ungebetenen Gästen den Zugang zum Ort zu verwehren, dienten sie bei Bedarf der Kontrolle des gesamten Personen- und Warenverkehrs. Nur die großen Pforten erlaubten die Durchfahrt größerer Wagen Alle anderen kleineren Pforten, alle auf der Mainseite, waren nur für Personen oder etwa Schubkarren passierbar.
Alle großen Pforten weisen die gleichen Konstruktionsmerkmale auf. Es waren massive Steinbauten aus Kalkbruchsteinen mit steilen Schieferdächern und einer Gesamthöhe bis zum Dachfirst von 11- 12 m. Sie hatten, anders als in [Kleipa 1978] konstatiert, keine Fachwerkoberbauten. Die Pförtnerstuben im oberen Bereich waren beheizbar, wie die Schornsteine zeigen. Die Durchfahrtshöhe betrug ca. 3,5 m, hier musste ein vollbeladener Heuwagen durchpassen.
In den Darstellungen von großer Mainpforte und Oberpforte rechts sind schräge Mauerbereiche zwischen dem Obergeschoss der Pforten und der eigentlichen Mauer erkennbar. Ihre Aufgabe war es wahrscheinlich, den Ausgang vom Obergeschoss des Torbaus zum Wehrgang zu schützen.

Dass die großen Pforten Schieferdächer hatten, wissen wir aus folgendem Gerichtsbucheintrag:

Auf Heut dato den 11ten April Anno 1668 hat Ein Ehrsames Gericht im nahmen der gemeind flersheim mit Maister Eberhart farmbach Leyendecker (Schieferdecker) Zu maintz Ein Jahrbestallungh wegen der gemeine bau Jährlich Zu besteygen Undt Zu bessere. welche seindt die Kirch, die ober Undt Underpfortt sambt der main pfortte. Undt den nitterThurm mit inbehalte neben dem Heilig Haus, darVor soll Ein löblich gemein gemeltem maister Eberhart Jährlich Zu lohn geben, ahn gelt fünff Guldten, soll stehet fest Undt ohnVerbrichlich gehalten werden. Ut Supra   (GB 1665-1673 V/N/S)

Die Große Mainpforte rechts ist ein vergrößerter und veränderter Ausschnitt des Panoramagemäldes. Gegenüber dem Original mit rotem Ziegeldach wurde, um eine realisterische Vorstellung für 1656 zu gewinnen, per Computergrafik ein Schieferdach montiert und die angrenzende östliche Ortsmauer erhöht.
Die Unterpforte mit den etwas eigenwilligen Proportionen ist ein Ausschnitt einer Zeichnung aus dem (verschollenen) Flurbuch von Wigand Hochheimer 1740 [Schüler 1916].
Die Oberpforte ist ein Ausschnitt eines nichtsignierten Gemäldes von 1787 (Christian Georg Schütz II ?), entnommen von [Sievers 2004]. Das Original befindet sich im Historischen Museum Frankfurt. Das jeweils angegebene Jahr ist das Jahr der Ersterwähnung.
Unabhängig von den darstellerischen Unterschieden dürften die großen Pforten im Wesentlichen gleich ausgesehen haben. Es waren wehrhafte, imposante Steinbauten, die nichts mit den kleinen Fachwerkhäuschen zu tun haben, die man in romantisierenden Darstellungen finden kann.

Auf der Mainseite lassen sich neben der großen Mainpforte vier kleinere Pforten rekonstruieren, von West nach Ost (Plan A):
– das kleine Mainpförtlein, ca. 50 m vom Niederturm entfernt, in [Kleipa 1978]  mit der Gänspforte verwechselt
– die untere Mainpforte bey Gerhards Haus, Grundstück Nr. 16
– das Mainpförtlein am südlichen Ende der Schmiedgasse
– die kleine Mainpforte westlich vom Oberturm (Gänspforte)

Die Türme
Aus den Originalquellen lassen sich drei Türme rekonstruieren, der Niederturm, der Oberturm und der Margarethaturm (Plan A). Vom erhaltenen unteren Teil des Oberturms dem heutigen Mainturm kennen wir dessen Durchmesser zu 7 m, die Mauerdicke zu 1,4 m und die Höhe des heutigen gemauerten Bereichs zu 8 m. Bei einer Mauerdicke von 1,5 m des Niederturms dürfte dessen Durchmesser vergleichbar gewesen sein (1890 stand noch ein 1,5 m hoher Stumpf, Wanddicke 1,5 m
), während der Margarethaturm als „der stärkste“ der Türme geschildert wird [Schneider 1951]. Leider wurde das Fundament bei dessen Abbruch 1892 nicht vermessen.
Die drei Türme hatten analog den großen Pforten, keine Fachwerkoberbauten; diese hätten wie die Dachstühle auch sicher öfters repariert werden müssen, wofür es keinerlei Hinweise gibt. Für den Niederturm ist ein Schieferdach belegt (siehe obiger Gerichtsbucheintrag). Geht man von der plausiblen Annahme aus, dass die drei Türme im Wesentlichen gleich konstruiert waren, kann man auch für den Oberturm und den Margarethaturm ein Schieferdach annehmen. Wahrscheinlich waren es Runddächer im Aussehen vergleichbar den  Türmen der Kasteler Landwehr, die ebenfalls um 1500 enstanden (rechts)).
Was die ursprüngliche Turmhöhe betrifft, kann man sich an der Ausschnittsvergrößerung des Niederturms rechts orientieren. Da der obere gemauerte Teil des Niederturms sicher nicht als Steinbruch benutzt wurde – das hätte man an der Ortsmauer einfacher haben können – und eine 1,5 m dicke Turmmauer durch Witterungseinflüsse auch in Jahrzehnten kaum degradiert, dürfte diese Darstellung in etwa die ursprünglichen Proportionen des Niederturms zeigen (abgesehen vom Dach). Unter diesen Annahmen betrug die ursprüngliche Höhe bis zur Dachunterkante etwa 9 m.
Denkt man sich in der Zeichnung “Gänsekippel” rechts einen hölzernen, überdachten Wehrgang hinzu, dürfte man einen halbwegs realistischen Eindruck vom Niederturm und dessen Umgebung im 16. und 17. Jhdt. haben.

Der ”vierte Turm”
Im Plan B von 1917 (Ausschnitt rechts) sind nördlich vom Oberturm zwei halbrunde Mauervorsprünge und ein im Grundriss rundes Gebilde eingezeichnet. Lauck schreibt dazu „Die Ortsmauer ist ab und zu mit Ausbuchtungen versehen; wahrscheinlich für Verteidigungszwecke, evtl. auch zum Schutz bei Eisgängen und Hochwasser“.
Während es für die beiden unteren Ausbuchtungen keinerlei Hinweise auf etwas Anderes als Mauervor- sprünge gibt, bedarf das Rechte dieser Gebilde, das in [Kleipa 1978] als vierter Wehrturm bezeichnet wird, einer etwas genaueren Betrachtung.
Auf dem Gelände des ehemaligen Anwesens Theis (heute Dirk Budde) steht ein turmartiges Bauwerk (rechts).  Der nicht efeubewachsene obere Teil wurde in neuerer Zeit aufgesetzt; der untere, gemauerte Teil ist ca. 4 m hoch (heutiges Bodenniveau) und hat eine Wandstärke von 80 cm, was der Höhe und Mauerdicke der früheren Ortsmauer entspricht (die drei rekonstruierbaren Türme hatten Wandstärken von 1,4 m oder mehr). Allein diese Fakten sprechen für einen Mauervorsprung und nicht für einen Turm. In der Ausschnittsvergrößerung von Bild II rechts ist ein solcher Mauervorsprung zu sehen an der Stelle, wo heute der „vierte Turm“ steht. Wenn dies ein Wehrturm vergleichbar den drei anderen gewesen wäre, wieso sind dann dessen Reste nur genau so hoch wie die Ortsmauer und nicht etwa 10 m wie die Reste des Niederturms im gleichen Gemälde? Aus diesen Befunden muss man den Schluss ziehen, dass es sich hier ursprünglich ebenfalls um einen halbrunden Mauervorsprung als Mauerverstärkung zum Schutz vor Eisgang handelte. Er wurde später zu einem Rondell ergänzt, neue Ergebnisse siehe hier.

Ab der Mitte des 18. Jhdts. engte die Ortsbefestigung die wegen der angewachsenen Bevölkerung notwendige räumliche Entwicklung Flörsheims zu stark ein, und man begann mit deren Abbruch. Einige Etappen des Niedergangs: 1755 Schleifung des Obergrabens [Lauck 1917] (offenbar nicht vollständig, siehe hier), 1764 große Pforten abgerissen [Schneider 1951], 1845 Niederturm abgerissen [Schneider 1950], 1884 letzte Mauerreste in der Grabenstraße abgebrochen [Schneider 1943], 1892 Fundamente des Margarethaturms ausgebrochen [Schneider 1943], 1893 Reste des Niederturms beseitigt [Schneider 1950].
So blieb außer dem unteren Teil des Oberturms (heutiger Mainturm) und einigen Mauerresten vorwiegend im Bereich des Obergrabens nicht viel erhalten.
Ziel eines Projektes des Historischen Arbeitskreises Flörsheim ist es, die bekannten Reste zu vermessen, zu kartieren und weitere Reste ausfindig zu machen, siehe hier. Ein Computermodell von Flörsheim 1656 mit der Ortsbefestigung finden Sie hier.

Große Mainpforte und östliche Umgebung, Ausschnitt aus Bild II

Verlauf der Ortsmauer im heutigen Stadtbild 
Satellitenbild, Google Earth  2010

Einfache Wehrgangskonstruktion an einer nicht sehr dicken Mauer [Piper 1994]

Abb 41b_1

Die großen Pforten: Große Mainpforte (1488), Unterpforte (1488), Oberpforte (1513)

Der Oberturm (Mainturm) Aufnahme 2009

„Die Warte bei Flörsheim” Joh. G. Schütz 1802

Ausschnitt aus Bild II    Niederturm, Mauer, kleines Mainpförtlein

„Gänskippel 1760“ 
Zeichnung von  Otto Stöhr 1959

Mauervorsprünge oberhalb des Oberturms

Turmartiges Bauwerk  Aufnahme 2010, Satellitenbild aus Google Earth 2010

Mauerabschnitt am Obergraben   Ausschnittsvergrößerung von Bild II

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Kleine Mainpforte (Gänspforte), Ausschnitt aus Bild II

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Der Oberturm um 1940 Aufnahme Paul Flesch

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Luntenmuskete um 1500, Hahn mit Lunte, Pulverpfanne

Die Niederpforte und die Mauer am Untergraben aus dem 3D-Modell

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Niederturm aus dem 3D_Modell

Die Ortsbefestigung