HAF_Logo_3

Der erste fassbare Stammvater der Lindheimers ist Hans von Lindheim, geboren um 1500. Er war Metzger, stammte aus Lindheim, einem Dorf etwa 30 km nördlich von Frankfurt, heute ein Ortsteil von Altenstadt/Wetterau. Er siedelte nach Frankfurt und begründete dort die Frankfurter Lindheimer-Dynastie. Zu ihr gehörten angesehene und wohlhabende Bürgerfamilien, die ihr Geld bis auf wenige Ausnahmen mit Metzgerei und Viehhandel verdienten.

Nachkommen von Hans von Lindheim. Für Flörsheim bedeutende Personen waren Georg Lindheimer * 1595, Johann Lindheimer * 1627, Thomas Lindheimer * um 1635, Anna Helena Windecker * 1631 und Friedrich von Uffenbach * 1687. Die Urenkelin von Georg Lindheimer, Anna Margaretha * 1711, war die Großmutter mütterlicherseits von Johann Wolfgang von Goethe. Quellen sind Daten des HAF, Franfurter Patriziat, www.geni.com und [Fft. Handelsgeschichte 1925]. Erstellt mit LEGACY, Millenium Corp. USA.

Sein Urenkel Georg Lindheimer (1595-1672), Metzger in der Frankfurter Langschirn und Viehhändler, spielte in und für Flörsheim eine bedeutende Rolle. 1646 erwarb er von Hans Kohl die Hofreite Nr. 95 südlich der Oberpforte, aus der das heutige Faber-Anwesen entstand. Er hatte bereits 1640 zwei benachbarte Hofreiten von Peter Strack gekauft, die beiden 95er nahe der großen Mainpforte (Plan A). Er vergrößerte seinen Grundbesitz in Flörsheim sukzessive; 1656 besaß er 127 Morgen Land, davon 28 Morgen Weingärten, der zu dieser Zeit zweitgrößte Grundbesitz in Flörsheim. Er wird im Stockbuch 1656 als Herr Georg Lindheimer von Wurth aufgeführt; die Bedeutung des Namenszusatzes ist noch unklar. 1661 baute er das Herrenhaus im heutigen Faber-Anwesen, wovon Keller und Erdgeschoss erhalten sind; über dem Kellereingang stehen seine Initialen, siehe hier.
Georg Lindheimer war zwar Frankfurter Bürger, aber Flörsheimer Einwohner, er lebte mit seiner Familie vorwiegend in Flörsheim. Er hat sich in das gesellschaftliche Leben der Flörsheimer Dorfgemeinschaft integriert und dieses mitgestaltet. So war er 1667 Viertelmeister im ersten Viertel, und für 1670 ist überliefert, dass er an Kerbesonntag mit seiner Trompete den Kehraus geblasen hat. Er betätigte sich als Geldverleiher, viele Flörsheimer Höfe standen bei ihm in der Kreide, so auch Philipp Ruppert, der ihm 1671 351 fl schuldete und diese Schuld mit einer halben Hube Clarengut (15 Morgen Ackerland) ablöste. Bereits 1661 war er der größte private Grundbesitzer in Flörsheim, nachdem Vian Thuan 1660 seinen gesamten Besitz an die Dominikaner von Frankfurt verkauft hatte.

Eine Urenkelin von Georg Lindheimer, Anna Margaretha (1711-1783), war die Großmutter mütterlicherseits von Johann Wolfgang von Goethe, siehe Stammbaum rechts .

Aus dem folgenden Gerichtsbucheintrag (GB 1674-1718 G) gehen zwei Töchter von Georg Lindheimer hervor, die bisher in der Datenbank des Frankfurter Patriziats noch nicht aufgeführt sind:

Anno 1674 den 29ten January: Anna Margaretha Lindtheimerin undt Rachel Klotzin ErClagen durch ihren Vollmächtligen Ahnwald Hans Peter Christen, dass Ihr Vatter Seel. Georg Lindtheimer Von Sebastian Schweinharten ErKaufft hat Ein halb Hub Presentz gut Vor undt umb 110 Reichsthaller bahr gelt. 1.2.3.4.ist Eingewehrt.

Der Sohn von Georg Lindheimer aus zweiter Ehe, Thomas Lindheimer (etwa 1635-1712), Viehhändler, wohnte nach dem Tod seines Vaters mit seiner Familie ebenfalls im Lindheimer´schen Herrenhaus (Faber-Anwesen). Er war noch stärker als sein Vater in Flörsheim engagiert. Er besaß neben seinem Stammsitz mehrere Flörsheimer Hofreiten, betätigte sich als Geldverleiher und hatte im Laufe der Zeit eine ganze Reihe von Flörsheimer Ämtern inne, so 1684 flohrschütz, 1688 bürgermeister, 1695/97/99 schröder und 1700 weingartschütz. Seine Tochter, Anna Elisabeth (1680-1752), heiratete um 1715 den Frankfurter Johann Friedrich von Uffenbach (1687-1769), der damit in den Besitz des Lindheimer´schen Anwesens in Flörsheim kam, es umgestaltete und erweiterte, siehe hier.

Friedrich von Uffenbach entstammte einer Frankfurter Patrizierfamilie, die in der Stubengesellschaft “Zum Frauenstein” verankert war. Er war 1744 Ratsmitglied, 1749 Jüngerer Bürgermeister, 1752 Schöffe und Kaiserlicher Rat, 1762 Ältester Bürgermeister von Frankfurt. 1725 gründete er die “Gesellschaft zur Pflege von Wissenschaft und Kunst”; er selbst besaß eine bedeutende Kunstsammlung.

Der Sohn von Georg Lindheimer aus erster Ehe, Johannes (1627- vor 1683), Metzger und Viehhändler auf dem Frankfurter Riedhof, wohnte nicht in Flörsheim, war aber bezüglich Flörsheimer Immobilen aktiv. Bereits 1650 kaufte er von dem Mainzer Bürger Peter Hain dessen Hofreite und seine gesamten Grundbesitz in Flörsheim für 1700 fl (GB 1645-1674 G). Er wurde aber von Vian Thuan abgetrieben (zu Abtrieb siehe hier), der den Besitz für die gleiche Summe übernahm. Thuan konnte offenbar verwandschaftliche Beziehungen zu Hain nachweisen. Die Hofreite war die Nr. 26 neben dem Pfarrhof in Plan A, die Thuan 1660 mit seinem gesamten Landbesitz an die Dominikaner von Frankfurt für 4080 fl verkaufte; sie wurde zu deren letzten großen Wirtschaftshof in Flörsheim (vorher besaßen sie die beiden Hofreiten Nr. 83).

1674 erwarb Johann Lindheimer von den Erben von Hans Peter Wolpert die drei Hofreiten Nr. 94 einschließlich des “Pfannkuchischen Hauses”, siehe hier, für 874 fl. Daraus wurde über Hermann Jacob Firnhaber, ebenfalls Frankfurter Bürger, der “Frankfurter Hof”. Damit hatten die Lindheimers ganz wesentlichen Anteil an der Entstehung der beiden heute noch existierenden Flörsheimer “Patrizierhöfe”, Faber-Anwesen und Frankfurter Hof. Johann Lindheimer pachtete 1666 die Flörsheimer Schäferei (GB 1665-1673 VNS). Seine Witwe, Anna Helena geb. Windecker, tat des Gleiche 1691, siehe hier.  

1683 überbringt Thomas Lindheimer dem Flörsheimer Gericht ein Schreiben des Mainzer Domdechanten (GB 1674-1718 G), worin bestätigt wird, dass die Witwe von Johann Lindheimer (die Frau seines verstorbenen Stiefbruders, Anna Helena) von den “Klotzischen Erben” die in Flörsheim gelegene Hofreite und alle dazugehörigen Ländereien für 3800 fl gekauft hat. Eine Tochter von Georg Lindheimer, Rachel, eine Schwester von Johann Lindheimer, hatte den Frankfurter Philipp Jacob Klotz geheiratet. Das Klotzische Erbe war offenbar der Lindheimer´sche Erbteil von Rachel Klotz (von Georg Lindheimer). Damit war 1683 Anna Helena Lindheimer im Besitz der drei 94er Hofreiten und dem überwiegenden Teil der Lindheimer´schen Ländereien in Flörsheim. Sie starb 1707 in Frankfurt.

Ebenfalls 1683 wird ein Sohn von Johann Lindheimer, Johann Jost (1662-1744), in Flörsheim aktenkundig (GB 1675-1690 VN). Anna Helena Lindheimer rechnet im Beisein dieses ihren Sohnes mit dem Flörsheimer Gericht ein Kapital von 50 fl ab, das sie 1675 dem Gericht geliehen hatte, die in die Krigsgelter geschossen worden Seindt. Johann Jost Lindheimer war mit der Schwester von Friedrich von Uffenbach, Anna Sybilla von Uffenbach verheiratet. Trotz seines erheblichen Vermögens, das er als Viehhändler erwirtschaftet hatte, und trotz der Heirat mit einer von Uffenbach gelang ihm nicht die Mitgliedschaft in “Frauenstein” (Frankfurter Patriziat).

In GB 1690-1708 VN ist ein weiterer Sohn von Johannes Lindheimer, Johann Lindheimer, in den Jahren 1702 und 1703 als Weingartsschütze in Flörsheim aktenkundig.  Das in der Datenbank des Frankfurter Patriziats angegebene    Todesjahr, 1684, kann daher nicht stimmen. In [Fft. Handelsgeschichte 1925] ist als Todesjahr 1720 angegeben.

Nach dem Tod von Anna Helena Lindheimer 1707 zogen sich die Lindheimers aus Flörsheim zurück und verkauften ihre drei Hofreiten in der Hauptstraße (den späteren Frankfurter Hof) und alle Ländereien, siehe hier. Sie hatten sich über drei Generationen in Flörsheim engagiert und das finanzielle, kulturelle und politische Leben im Flörsheim dieser Zeit wesentlich mitgeprägt

Das Anwesen von Thomas Lindheimer (Faber-Anwesen) ging an Friedrich von Uffenbach. Friedrich von Uffenbach hatte keine Nachkommen. Zur weiteren Geschichte dieses  Anwesens siehe hier.

Goethe_(Joseph Karl Stieler_1828, Neue Pinakothek München)_1

Johann Wolfgang von Goethe

Ölgemälde, Joseph Karl Stieler 1828 Neue Pinakothek München

Lindheimer und von Uffenbach in Flörsheim