Aus dem 17. Jhdt. sind 90 Inventarlisten erhalten. Inventare wurden von Flörsheimer Gerichtspersonen aufgenommen vorwiegend, wenn ein Ehepartner verstorben war. Inventare waren die Voraussetzung für eine rechtmäßige Erbteilung. Oft wurden Inventare mit der Teilungserklärung zusammengefasst. In Inventarlisten wurden  der Hof, Mobilien, Vieh und Schulden aufgeführt, nur selten Äcker oder Weingärten, die standen in den Stockbüchern. Im gesamten 17. Jhdt. folgten die Inventare der gleichen Systematik: Alle Räumlichkeiten des Hauses wurden inspiziert (Stube, Küche, Kammern, Speicher, Keller, sowie Hof, Scheune, Kelterhaus und Stall und alle vorgefundenen Gegenstände sowie das Vieh aufgelistet.  Diese Auflistung war in der Regel äußerst detailliert, auch alte Holzlöffel und Eisennägel wurden aufgeführt.

Anhand der Inventare kann man sich auch ein Bild der Struktur der Häuser und der Inneneinrichtung der Häuser im 17. Jhdt. machen. Rechts ist als Beispiel das Inventar von Hans Jacob Eckert vom 28. Januar 1687 (GB 1675-1690 V/N)  vollständig wiedergegeben, um Struktur und Detailreichtum zu verdeutlichen. Es beschreibt das Inventar eines zweigeschossigen Wohnhauses in der Hofreite Nr. 16 (siehe Plan A). Hans Jacob Eckert war, wie fast alle Flörsheimer dieser Zeit, Winzer und Bauer. Er starb 1686 im Alter von 65 Jahren.

In Flörsheimer Gerichtsbüchern und Dokumenten des 17. Jhdts. gibt es keine verbindliche Rechtschreibung oder Interpunktion. Viele Begriffe entsprechen dem damaligen Flörsheimer Dialekt.

Einige Begriffserklärungen:    

  1. weilland: vergangen, ehedem
  2. obgemelt: obengenannt
  3. schayer: Scheune
  4. 4Ekigter Dahnendisch: Viereckiger Tannenholztisch
  5. mässing Hengelicht: Hängelicht aus Messing
  6. gehimelt grin bedlat: Grüne Bettlade mit einem Himmel
  7. schossbank: Sitzbank mit Rückenlehne
  8. halbmässig Porsteliner DekelKrug: Deckelkrug aus Porzellan von 1/2 Maß (ca. 1L)
  9. gebilte dischdücher: Gebügelte Tischtücher
  10. HantZwel: Handtuch
  11. leyedücher : Leinentücher
  12. Manne: Korb
  13. Kuppern bol : Kuchenpfanne aus Kupfer
  14. Eissern Kropen: Topf aus Gusseissen
  15. brunnenahhmer mit dem seil: Brunneneimer mit Seil
  16. bakdrok: Backtrog
  17. Eissern Hol: Gezahnte Eisenstange mit Arretierungsbügel zur Höhenverstellung der Töpfe über dem offenen Feuer
  18. Kist: Truhe
  19. Künderwig: Kinderwiege
  20. stückfass: Fass mit ca. 1200L Inhalt
  21. Zulast: 1/2 Stück
  22. legel: Auf dem Rücken getragener Korb vorwiegend zur Weinlese
  23. halböhmige Vass: Fass von 1/2 Ohm (1 Ohm sind ca. 150L)
  24. bikel: Pickel, Spitzhacke
  25. gaul: Pferd
  26. 2 bahr ZugKetten: 2 paar Zugketten
  27. faselschwein: Zuchtschwein
  28. Nardte: Holzkasten

Einige Besonderheiten in den 90 Inventaren des 17. Jhdts.:  Wir finden Gesangbücher, Gebetbücher, Kräuterbücher, Rechenbücher und Schreibtafeln, zwar in geringer Zahl, aber es ist doch ein klarer Hinweis, dass deren Besitzer Lesen oder Schreiben oder Rechnen (oder alles) konnten. Wir finden eine Vielzahl von Bienenstöcken und -körben, allein Johannes Schleith, *1740 in Hassloch, besaß 12 Bienenstöcke. Wir finden einen Vogelkäfig (grosser Eysserner Vogell Kipig), Musketen und Musketenläufe (muschgeedt, muschgätt, musquet), Flinten, Degen und Säbel (sebel, sewel) und Rosenkränze (pater noster). Was wir erstaunlicherweise nicht finden, auch nicht in wohlhabenden Familien, ist ein Musikinstrument. Das einzige Musikinstrument in Flörsheim in der Mitte des 17. Jhdts. scheint die kleine Standorgel (genannt: positiv) in der Kirche gewesen zu sein, die von Vincenz Schiersten „geschlagen“ wurde (1636).

Was wir, ebenso erstaunlich für einen Flecken am Main, auch nicht finden, sind Gerätschaften zum Angeln oder Fischen; es gab keine Angelhaken, Reusen oder Netze. Angelhaken, sicher wertvoller als Eisennägel, oder Fischernetze wären in den Inventaren sicher erwähnt worden, wenn es sie gegeben hätte. Die Frage der Fischerei in Flörsheim in den letzten drei Jahrhunderten konnte inzwischen geklärt werden, siehe hier.

Anno 1687 den 28ten January Inventarium über weilland Hans Jacob Eckert Seel. Verlassenschafft

so durch oberschultess georg bernhart, Undterschultess Phllibs Rubert, Caspar Muhr, Johannes Nauheimer, Hans Petter staab, Marttin schwertzel, Henrich strak, Undt Marttin bohrn, alle gerichtschöffen alhier Zu flersheim ist auffgenohmen wahr Dag Undt Jahr wie obgemelt:

Ein Hoffreith mit sambt darauff gebautem haus schayer Undt ställ im 2.Vürtl gelegen Undte Zu Nebe Hans Mathias Dubeck, oben Ein gemein Main gässgen so Von Gerhart Eckert herrührt ...

In der Stube: Ein 4Ekigter Dahnendisch, Ein mässing Hengelicht, Ein gehimelt grin bedlat, noch Ein mässing Hengelicht, Ein alt ober Undt Ein alt Undterbbedt Von Zwilch, Ein alt püflff oder Küssen, 7 Porsteliner deller, Ein schossbank, Ein bigelEissen mit 2 stachel, Ein spinRath, Ein halbmässig Porsteliner DekelKrug

In der stuben Cammer: 2 gebilte dischdücher, 2 wergen dischdücher, Ein gebilt HantZwel Noch 2 HantZwel, Ein Ney flexsen dischduch, 2 leyedücher, Ein weiss KüssenZeich mit Ein bordt, Noch 6 HantZwelen, 2 Mannen wo das weiss ... ingelegen

In der Küchen: 2 Zünnen schüssel, Ein Zinnen Deller, 10 Zinnen leffel, Ein Mässing alt pfan, Zwey dreyfüssig Eissern pfane, Ein schmeltz pfan, 2 Eisserne leffel, Ein pfanKuchen pfan, Ein Hakmässer, 1 leichter, Ein ReibEissen Ein Kuppern Kessel Von 6 ohmer, Ein Kuppern offen Kessel Von 3 ohmer, ein Klein alt mässiger Kessel, Ein alt Kuppern bol , Ein alt mässig Zünnen Kahn Undt 1 schope Zinnen kahn, Ein grosser Eissern Kropen, Ein Klein Eissern Kropen, 3 steinern Krüg ohne Dekel, Ein halbmass steinern Krug mit Einem Dekel, 2 grosse Zuber, 4 Kleine Züber, Ein brunnenahhmer mit dem seil, Ein Kupern Dekel, Ein mässig Undt Ein halbmässig blech, Ein buttervass

oben auff der grossen Cammer: Ein alt bedt, Ein alter bakdrok, Ein Eissern Hol, Ein grosse Verschlossen Kist, 2 flösser stollen Kisten, Ein Klein geschlossen Kist, 2 Karst, 2 Hawen, Ein Akerhaw, 6 stüker schweineflaisch, Ein alter MehlKasten, Ein alt bedtladt, Ein alt gross Kist ist nit Verschlossen, Ein Künderwig, Ein Kohrn Virst, 2 spin Räther, 2 sensen Reiff

No: Das Ehebedt ist Ein gehimelt bedlat: Ein ober Undt Undterbedt, das oberbedt Von barchen: das Undterbedt Von Köllischen Drilch: 2 pfilff Von Köllischen geZeig mit blau, Undt weisse überZeiche: Undt 2 leyledücher

Im Kelter Haus: Ein bakdrok, 3 stückfassbüdte, 2 Zulastbüdte, Ein fuhrbüdt, Ein legel, Ein Vass Von 1,5 ohm, 2 halböhmige Vass, 2 Kleine Vässlein, 2 weinKändeln Ein Kelter mit sambt ihrem Zugehör, Ein mistgabel Undt Ein Heygabel, Ein beil Undt Ein stück heeb, 2 Holtz Aexs, Ein stück Hebb Eissen, Ein Eisserner bikel Ein Eissern Klebel, 2 Eissern schüber

Im pfert Stall: Ein gaul, Ein ober Undt Undterbedt Von Drilch, 2 leyedücher, Ein Kumet, Ein DrogKüsen, 2 bahr ZugKetten, Ein bindt Kette, Ein Akerhols

Im Kuhe Stall: Ein Kuhe, Ein Kalb Von Ein halb Jahr, Ein faselschwein, 4 preyschling schwein

Im Hoff: Ein gutter wagen mit allem Zugehör leytern Undt Rungen, Ein lang Kohrngestell, Ein pflug mit sambt dem Zugehör, Ein höltzern Ege, Ein Ehern Reidter, Ein höltzern grosser Nardte, 4 gäns

Weitere Inventarbeispiele in  Buch II

 hengelicht

 karst

 dreifüßiger kessel

 butterfaß

 kehrwisch

Inventarlisten