Die Ausbildung der Flörsheimer Familiennamen, also vererbbarer Nachnamen, war ein Prozess, der von etwa 1400 bis 1600 dauerte. Um 1600 hatte fast jeder Flörsheimer Einwohner einen Vor- und einen Familiennamen. Die Entwicklung vollzog sich ausgehend von Einnamigkeit über Zweinamigkeit bis zu vererbbaren Familiennamen. Zur Namensentwicklung generell siehe hier. Auch nach der Ausbildung von Familiennamen blieb der Vorname bis ins 18. Jhdt. der bedeutsamere Namensbestandteil. Alle Indizes der Flörsheimer Gerichtsbücher bis etwa 1750 sind nach Vornamen gegliedert. Auch heute noch bezeichnen wir den Familiennamen als Nachnamen. Im ersten Histogramm rechts die Entwicklung zu Familiennamen in Flörsheim im 15. und 16. Jhdt..

Nachdem die Entwicklung der Familiennamen um 1600 abgeschlossen war, ist es interessant, die Häufigkeit und Bedeutung der Flörsheimer Familiennamen des 17. Jhdts. zu eruieren. Die Anzahl der Träger von Flörsheimer  Familiennamen im 17. Jhdt. im zweiten und dritten Histogramm rechts. Familiennamen und ihre Träger kamen und gingen, einige haben sich über Jahrhunderte bis heute erhalten, siehe auch hier.

Die folgenden Namenserklärungen stammen, wenn nicht offensichtlich, zum großen Teil aus [Duden 2005]. Die Abkürzungen bedeuten: germ.: germanisch; mhd.: mittelhochdeutsch; mnd.: mittelniederdeutsch; hebr.: hebräisch

Kategorie Rufnamen

Eckert (von Eckehart) – Christ (von Christian) – Hartmann (germ. Vorname) – Seib (von Seibold, germ. Vorname) – Wolff (germ. Vorname) – Melchior (einer der 3 Hl. Könige) – Ruppert (von Rupert, germ. Vorname) – Diehl (von Thiel, Kurzform von Dietrich) – Theis (von Matheus) – Friedrich Simon (hebr. Rufname) – Thomas (hebr. Rufname) – Wilhelm Gerlach (germ. Vorname) – German (germ. Vorname) – Bernhard Eberwein (von Eberwin, germ. Vorname) – Lauck (von Lauckhart, germ. Vorname) – Engel (von Engelhart, germ. Vorname) – Götzel (von Götz, germ. Vorname) – Jon (von Johann) – Babel (von Babo, germ. Lallwort)

Kategorie Herkunft/Wohnstätte

Born (von mhd. born, Quelle, Brunnen) – Breckheimer Brehm (aus Brehmtal) – Nauheimer Allendorf Hochheimer Schierstein Flörsheimer (die „Flörsheimer“ stammen aus Bischofsheim) – Faulborn (nach einer Quelle mit schlechtem Wasser, die Flörsheimer Flur am späteren Schwefelbrunnen in Bad Weilbach hieß „Am Faulborn“) – Hart (Hart, mhd. Wald) – Mohr (auch Muhr, mnd. mor, Sumpf) – Neumann (Neubürger) – Riegel (mhd. rigel, Abhang, Bodenerhebung) – Rospach (auch Rosbach, Pferdebach).

Interessant, aber bisher unverstanden, ist die Tatsache, dass es in Flörsheim keine Herkunftsnamen wie Eddersheimer oder Wickerer gibt. Den Familiennamen “Weilbacher” gibt es in Flörsheim erst kurz nach 1700.

Kategorie Beruf

Duchmann (Tuchhändler) – Müller Kohl (von mhd. kol, Kohl, Kohlbauer) – Kremer Ackermann Schuhmacher Wagner Saltz(peter) (Salzsieder) – Büttel Schütz (Flur- oder Waldschütz) – Schellheimer (von mhd. Schellhamer, schwerer Hammer)

Kategorie Übernamen

Dienst (mhd. dienst, Zins, Abgabepflichtiger) Mülich (von mhd. muelich, mühsam, lästig, schwer umgänglich) – Strack (von mhd. strac, fest, steif) – Closmann (von mhd. kloz, Klotz, grober Mensch) – Bengel (von mhd. bengel, Prügel, derb, ungehobelt) – Schirling (von mhd. schir, lauter, glänzend) – Wirschinger (von mhd. wirsic, schlimm, übel; Wirsing als Gemüse kam erst nach 1700 auf als Wersig) – Grosch (mhd. gros, gro, „Groschen“) – Herr (mhd. herre, Grundherr, beschreibt ein Dienstverhältnis) – Staab (von mhd. stab, Zeichen amtlicher Gewalt)

 

Das Verhältnis der Anzahl der Familiennamen in den Kategorien Rufname, Herkunft, Beruf, Übername, ist 22 : 14 : 11 : 10 . Die Nachnamen, die nach Rufnamen gebildet wurden, überwiegen bei weitem. In dieser Kategorie wiederum sind von 22 Namen 17 germanischen (77 %) und 5 christlichen Ursprungs (23 %). Die Verteilung der Vornamen im 17. Jhdt. zeigt genau das gegenteilige Bild: 14 % germanisch und 86 % christlich, siehe hier. Eine Erklärung könnte sein, dass die Familiennamen auf der Basis germanischer Rufnamen schon sehr früh gefestigt waren und christliche Rufnamen bei ihrer Verbreitung zwar die Vornamen aber nicht mehr die Familiennamen beeinflussen konnten.

Nicht interpretierbar sind bisher die Nachnamen: Nepp, Kaus, Schwertzel, Schleidt, Bom(m)eser und Thubic. Der Name Bom(m)eser könnte auf die Herkunft aus Bommersheim (Oberursel) hindeuten.

Zur Bedeutung des Familiennamens Cluin konnten jüngst Erkenntnisse gewonnen werden, siehe hier.

Arten der Namensbildung und Typen von zweinamigen Namen im 15. und 16. Jhdt. in Flörsheim

Nachnamen 1600-1700
Nachnamen 1600-1700_1

Anzahl der Träger Flörsheimer Familiennamen zwischen 1600 und 1700

Flörsheimer Familiennamen im 17. Jhdt.