Salzheringe, ein beliebtes, haltbares Nahrungsmittel im 17. Jhdt.
Aufnahme Claus Ableiter

Echte Hirse (Rispenhirse),
wie sie in Flörsheim im 17. Jhdt. angebaut wurde 

Hirsebrei  

Bauernfamilie beim Breiessen mit Roggenbrot       Künstler unbekannt

Roggenbrot  Freilichtmuseum Hessenpark

Käsesiebe und Butterfass  Freilichtmuseum Hessenpark

„Schlachtung“
Isaak van Ostade um 1645

In Deutschland werden Linsen nur noch in einigen Gegenden der Schwäb. Alp angebaut. („Linsen und Spätzle“). Ein Großteil der heute konsumierten Linsen stammt aus Indien.       

Ackerbohne/Saubohne. Gegen Ende des 17. Jhdts. wurde sie von der aus Südamerika eingeführten Gartenbohne als Nahrungsmittel verdrängt. Sie wird heute als Viehfutter angebaut.       

Kraut (Weißkohl) und Rüben (Steckrüben).  Auf dem Brachfeld wurden Kraut und Rüben nicht getrennt, sondern durcheinander angebaut. Daher die Redensart „wie Kraut und Rüben“ für Unordnung und Durcheinander      

Pastinak. Im 18. Jhdt. von der Karotte verdrängt, erlebt heute eine Renaissance.             

Mangold. Eine fast vergessene Gemüse- und Salatpflanze.

Aufnahme Claus Ableiter

Anissamen. Gewürz vorwiegend für Brot und Backwaren. Anis war in Deutschland die Heilmittelpflanze des Jahres 2014.    

Kümmelsamen. Gewürz vorwiegend für schwerverdauliche Speisen wie Kohlgerichte. Kümmel ist die älteste bekannte Gewürz- und Heilpflanze.                         

Rieslingtrauben. Weltweit werden heute mit Abstand die meisten Rieslingreben in Deutschland angebaut.      

„Wacholderflasche“ mit   Zinnverschluss   

Salzbehälter aus dem frühen 17. Jhdt.

Die Mahlzeiten, über die wir recht gut informiert sind, sind die Mahlzeiten, die die Gerichtspersonen bei ihren Sitzungen im Rathaus eingenommen haben, denn diese wurden über Spesen abgerechnet, die in den Bürgermeisterrechnungen von 1633 bis 1640 festgehalten sind. Ein Beispiel von 1634, als die Gemeindesteuer (beth) festgelegt wurde. Die Spesen belaufen sich auf

4 fl 24 alb Zahlt Vohr 24 mass wein, als die Gemeine beth Aus undt ahn geschrieben ist wortten; 1 fl 3 alb Zahlt damahll Vohr brodt; 1 fl 25 alb Zahlt damahll Vohr Heringh, Käs undt licht

Gegessen wurden Brot, Käse und Salzheringe – es war wohl eine Abendmahlzeit. Es wurden 24 Maß Wein getrunken. Geht man davon aus, dass das Gericht im weiteren Sinne bestehend aus Unterschultheiß 6 Schöffen und 5 Gemeindevorgängern vollzählig vertreten war, hat also jeder 2 Maß Wein getrunken; das sind knapp 4 L pro Person. Solche Mengen an Weinkonsum waren kein Einzelfall.

Salzheringe waren ein verbreitetes und relativ billiges Nahrungsmittel, nicht nur bei Gerichtssitzungen. Ein Salzhering kostete 2 alb, zum Vergleich: Ein Ei kostete 1 alb (1 fl hat 30 alb(us), siehe Maßeinheiten, ein Schwein hatte einen Wert von etwa 5 fl, ). Da die Mahlzeiten der Flörsheimer vorwiegend auf Getreide basierten, das sehr wenig Eiweiß enthält, konnte der Proteinbedarf der Menschen nur über Fleisch, Fisch oder Hülsenfrüchte wie Erbsen und Bohnen gedeckt werden. Fleisch gab es, außer in sehr wohlhabenden Familien nur selten, Mainfische spielten keine Rolle (siehe hier). Pflanzliche Eiweiße werden vom Körper nicht so effizient verwertet wie tierische Eiweiße. Salzheringe waren neben Fleisch der wichtigste Eiweißlieferant: Salzheringe waren Grundnahrungsmittel.

Die Salzheringe wurden per Fernhandel über ein dichtes Handelsnetz von der Ostsee, ab Mitte des 17. Jhdts. von der Nordsee, in großen Holzfässern, die zu einem Fünftel mit Salz gefüllt waren, importiert. Hauptumschlagsplätze für unsere Gegend waren Köln, Kassel und Frankfurt. Bei der Rückfahrt der Handelswagen wurden die Holzfässer mit Wein gefüllt und dieser in die Küstenregionen exportiert [Schubert 2006].

Der im Flörsheimer Stockbuch aufgeführte Krämer, Georg Allendorff, hatte den Spitznamen heringskremer.

Bei Salzheringen wird wie beim Pökeln von Fleisch Salz zur Haltbarmachung benutzt. Die noch größere Bedeutung von Salz (Natriumchlorid) liegt aber darin, dass kein Mensch ohne Salz überleben kann. Salz findet sich von Natur aus in Milch, Eiern, Fisch und Fleisch; Getreideprodukte enthalten sehr wenig Salz. Die durch Verzehr dieser Nahrungsmittel aufgenommene Salzmenge reichte aber in der frühen Neuzeit und den Zeiten davor, auch wegen der fleischarmen Kost, nicht aus, um den Bedarf eines Menschen zu decken. Salz musste dem Körper zusätzlich zugeführt werden: Salz ist mehr als ein „Gewürz“, Salz ist ein Grundnahrungsmittel und lebensnotwendig für Wasserhaushalt, Nervensystem, Verdauung und Knochenaufbau eines Menschen. Die Zufuhr der zusätzlich zu den Speisen notwendigen Salzmenge geschah, durch Verwendung von Salz beim Kochen, Braten und Backen oder durch nachträgliches Salzen bei Tisch.

Der Salzbedarf eines Erwachsenen liegt bei etwa 8 g täglich, also etwa 3 kg im Jahr. In Deutschland erfolgt heute der größte Teil der Salzaufnahme durch industriell verarbeitete Lebensmittel. Der pro Kopf Salzverbrauch liegt bei bei 5-6 kg. So lebensnotwendig Salz auch ist, zu hohe Salzzufuhr führt zu erheblichen gesundheitlichen Schäden wie Bluthochdruck etc. 10 Esslöffel Kochsalz sind tödlich.

Salz war im 17. Jhdt. ein wertvolles und teures Gut („Weißes Gold“). Deutschland ist zwar reich an Salzvorkommen, aber die Salzgewinnung war aufwendig, gleich, ob man es durch Sieden salzhaltigen Wassers in riesigen Sudpfannen (Salzsieder), in Salinen oder bergmännisch unter Tage gewann. Ebenso aufwendig war der Transport des wasserlöslichen und stark hygroskopischen Minerals über das Wegenetz des Fernhandels. Da vor 1600 keine wasserdichten Bespannungen der meist einachsigen Transportkarren üblich waren, blieben nur die teuren Fässer als Transportbehälter. Das Sieden von Salzlauge (Sole) war mit einem enormen Holzverbrauch verbunden; in Zentren der Salzsiederei waren oft ganze Landstriche abgeholzt. Der Holzmangel erschwerte auch die Herstellung von Fässern, und der Übergang zu Leinensäcken zum Transport von Salz war nur möglich, weil man Anfang des 17. Jhdts. zu lederbespannten, wasserdichten Planwagen überging.

Salz war zwar ausreichend, aber nicht im Überfluss vorhanden. Es gibt Beispiele, wo Stadteinwohner bei drohender Kriegsgefahr vom Rat aufgefordert wurden, Salzvorräte anzulegen [Schubert 2006] . In Flörsheim gab es im 17. Jhdt. keinen nachweisbaren Salzmangel oder gar eine Salznot. Die Flörsheimer kauften ihr Salz beim lokalen Krämer oder bei Juden, die auch mit Salz handelten; diese wiederum kauften es in Mainz oder Frankfurt ein die an das Salzhandelsnetz angeschlossen waren. Das Salz wurde im Haushalt in, in vielen Inventaren aufgeführten, „Salzfässern“ aufbewahrt, die aber wahrscheinlich aus Dichtigkeitsgründen verschließbare irdene Töpfe waren. Es gab aber auch hölzerne Salzbehälter. In Flörsheim kostete 1635 1 pf Salz 8 alb, war also teurer als Schweinespeck, der 6 alb das Pfund kostete.

Die wichtigste Ernährungsgrundlage im 17. Jhdt. war das Getreide. In Flörsheim wurden als Getreidesorten Roggen (korn), Gerste (gerst), Hafer (haber), Weizen (waitz) und Hirse (hirsche) angebaut, wobei Weizen aus verschiedenen Gründen eine geringere Rolle als Roggen spielte. Roggen hatte sich seit dem späten Mittelalter in Deutschland als Hauptbrotgetreide durchgesetzt, da er bis -30 Grad frostfest ist und geringere Ansprüche an die Bodenqualität stellt. Gerste wurde zum Bierbrauen gebraucht. Alle Getreidearten kommen als Lagergut auf den Speichern vor (Inventarlisten).

Getreide war der einzige Kohlehydratlieferant im 17. Jhdt. – Kartoffeln gab es noch nicht. Der Getreidebedarf eines Erwachsen liegt und lag bei mindestens 200 kg pro Jahr. Kein Mensch kann soviel Gemüse essen, dass er damit seinen Kohlehydratbedarf decken könnte. Die Abhängigkeit von Getreide war existentiell; nach einer schlechten Getreideernte oder erst recht nach einem vollständigen Ernteausfall z. B. wegen heftiger Hagelschläge im Juni, war für einen erheblichen Teil der Flörsheimer Bevölkerung Hunger angesagt. Da bei schlechter Ernte auch nicht genügend Saatgut vorgehalten werden konnte, dauerte diese Not auch noch die nächsten zwei Jahre. Es war im 17. Jhdt. für die Mehrzahl der Flörsheimer nicht selbstverständlich, immer genügend zu essen zu haben, siehe Ackerbau.

Kohlehydratmangel, also Unterernährung, führt unter anderem zu Vitamin A - Mangel. Vitamin A ist für eine Vielzahl von Körperfunktionen lebensnotwendig, aber insbesondere zur Bildung weißer Blutkörperchen, die wesentliche Bestandteile des menschlichen Immunsystems sind. Die Schwächung des Immunsystems aufgrund von Kohlehydratmangel hatte zur Folge, dass die Menschen der erstbesten Infektionskrankheit wie Cholera, Typhus etc. erlagen.

Das bei weitem wichtigste Nahrungsmittel auf Getreidebasis bei warmen Mahlzeiten war der Brei, Haferbrei oder Hirsebrei, wobei Hirsebrei als Delikatesse galt. Rechts die echte Hirse, wie sie im 17. Jhdt. in Flörsheim angebaut wurde. Der Brei wurde je nach saisonaler Verfügbarkeit mit Obst oder Gemüse verfeinert. Brei wurde auf Vorrat gekocht und nahm durch häufiges Wiederaufwärmen eine zähe bis halbfeste Konsistenz an. Gegessen wurde, indem man sich mit der Hand ein Stück des festen Breis aus einer in der Mitte des Tisches stehenden Schüssel nahm. Löffel brauchte man nur für dünnflüssigen Brei oder für Suppen.

Zum Brotbacken eigneten sich nur Roggen und Weizen. Hafer, Gerste und Hirse enthalten zu wenig Gluten („Kleber“), das dafür sorgt, dass beim und nach dem Treiben des Teiges die aufgegangene Form des Teiges erhalten bleibt, und der Teig nicht wieder in sich zusammenfällt. Dinkel ist zwar ebenfalls ein Brotgetreide, wurde aber im 17. Jhdt. ebenso wie Emmer und Einkorn in Flörsheim nicht mehr angebaut. Da ein Backofen für einen Haushalt allein nicht wirtschaftlich und darüber hinaus wegen der davon ausgehenden Feuergefahr auch verboten war, entstanden Gemeindebackhäuser, wo die Hausfrauen ihre Brote backen lassen konnten. Backhäuser, 1656 gab es in Flörsheim drei (Plan A), wurden von Bäckern betrieben, die hierfür ein spezielles Feuerrecht benötigten, siehe hier.

Weizen wurde in Flörsheim weit weniger angebaut als Roggen, feines Weizenmehl erfordert aufwendige Mahltechniken, so dass Weizenbrot sehr teuer und nur einer kleinen, reichen Oberschicht vorbehalten war. Der „normale“ Flörsheimer aß Schwarzbrot, aus grob gemahlenem Roggenmehl gebacken. Um es weniger anfällig für Schimmel und damit haltbarer zu machen, wurde es sehr fest gebacken. Nach kurzer Zeit war es so hart, dass man es in Brühen einbrocken oder in Wein tunken musste, um es essen zu können. Ein Laib Schwarzbrot (etwa 2 pf) kostete 1656 5 alb und war damit fast genauso teuer wie 1 pf Speck.

1656 gab es in Flörsheim fast in jeder Hofreite mindestens eine Kuh; im Dorf insgesamt etwa 150.  Die Milch war nur für Kleinkinder als Getränk interessant, sie wurde in erster Linie benutzt, um wertvolle Nahrungsmittel wie Käse und Butter herzustellen. Käse und Butter wurden nicht „großtechnisch“ erzeugt, sondern individuell in jedem Haushalt von der Hausfrau. Wir finden in den meisten Inventaren ein Butterfass und Käsesiebe. Der Preis für heimischen Käse war relativ niedrig; aus Holland importierter Käse dagegen war teuer: 2 fl 6 alb für ein hollendische Kees (1639). Butter wurde in irdenen Töpfen aufbewahrt. Ein Maß Butter, knapp 2 L, kostete 15 alb (1633).

Fleischlieferanten im 17. Jhdt. waren Schweine, Rinder und, in begrenztem Maße, Hühner. Schafzucht wurde wegen der Wolle betrieben, was nicht ausschließt, dass wohlhabende Familien ab und zu Lammfleisch gegessen haben. Der Bestand an Schweinen und Rindern in Flörsheim 1656 betrug etwa 150 Schweine und 190 Rinder (Kühe, Ochsen, Kälber). Schweine als bedeutendste Fleischlieferanten wurden geschlachtet, wenn sie fett genug waren, Ochsen und Kühe erst mit 4 oder 5 Jahren, weil die Milchproduktion und ihre Arbeitsleistung als Zugtiere mindestens so wichtig war wie ihr Fleisch. Während sich die wohlhabende Oberschicht leisten konnte, zu einer beliebigen Jahreszeit zu schlachten, um danach das Fleisch als Frischfleisch zu verzehren, konnten sich die anderen Bevölkerungsgruppen nur in den kalten Schlachtmonaten November und Dezember für kurze Zeit mit Frischfleisch versorgen. Der größte Teil des Fleisches musste durch Pökeln und Trocknen (Räuchern) haltbar gemacht werden, um wenigstens für die nächsten Monate noch Fleisch zur Verfügung zu haben. Zwar wurde zu festlichen Anlässen wie Hochzeiten nach Sonderschlachtungen Frischfleisch in großen Mengen verzehrt, aber das kam nicht allzu häufig im Jahr vor.

Waren die Fleischvorräte im Frühjahr zum großen Teil aufgebraucht, kam die Zeit der Eierspeisen. Im Sommer und Herbst standen für die meisten Familien im wesentlichen nur noch Speck zur Verfügung, mit dem Suppen, Eintöpfe und natürlich Brei angereichert wurden. Die längste Zeit des Jahres war geprägt durch akuten Frischfleischmangel. Zwar konnte man durch Schlachten von Hühnern die Frischfleischversorgung etwas aufbessern, aber ein Blick in die Inventare mit Anzahlen der Hühner in der Regel weit unter 10 zeigt, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein sein konnte. Nach [Schubert 2006] betrug der durchschnittliche pro Kopf Fleischverbrauch zu Beginn der frühen Neuzeit höchstens 50 kg/Jahr, wobei die Innereien mitgerechnet sind. Im Inventar von Hans Peter Staab finden wir 6 Schweineschinken mit insgesamt 24 pf. 1637 kostete ein Schweineschinken 2 fl, war also fast halb so teuer wie ein ganzes lebendes Schwein (5 fl).

Wild und Wildvögel kamen in keinem Speiseplan in Flörsheim vor. Die Flörsheimer hatten keine Jagdrechte, auch nicht für Niederwild oder Wildvögel wie Enten. Während der schwedischen Besatzung im 30-jährigen Krieg hebelte der für Flörsheim zuständige, in schwedischen Diensten stehende, Oberkommissar Hepp dies offenbar aus: Er ließ sich Wildenten, Tauben und Hasen servieren.

Zu den wichtigsten Gemüsearten im Flörsheim des 17. Jhdts. zählten Kohl (Weißkohl, Kraut, Kappes), Wicken (Ackerbohnen), Erbsen, Linsen und Rüben (Steckrüben). Bis auf Rüben finden sich diese Gemüsearten als Vorräte auf den Speichern. Erbsen und Bohnen waren die wichtigsten pflanzlichen Eiweißlieferanten. Die größte Bedeutung aber, nicht nur mengenmäßig, hatte der Kohl/Kraut. Neben der Verwendung als Kohlsuppe oder Kochgemüse konnte man daraus das wichtige Sauerkraut herstellen.  In vielen Inventaren sind Sauerkrauttonnen und Krauthobel aufgeführt.

Kohlköpfe wurden mit dem Krauthobel in feine Streifen geraspelt und unter Luftabschluss für etwa 6 Wochen der Gärung, Milchsäuregärung, überlassen. Sauerkraut enthält neben Milchsäure eine Reihe wichtiger Vitamine und diente insbesondere im Winter als Vitamin C-Lieferant.

Diese Gemüsearten wurden in kleinen Mengen im heimischen Garten gezogen, aber in erster Linie im Feldanbau auf dem Brachfeld. Kohl war so wichtig, dass man neben dem Anbau im Brachfeld Krautgärten unterhielt, die genossenschaftlich betrieben wurden. 1656 lagen „Die Krautgärten“ dicht an der südwestlichen Ecke der Ortsbefestigung vor dem Niederturm (Plan L).

In den Gärten der Hofreiten wurden eine Vielzahl weiterer Gemüsearten angebaut, die aber, weil zum Teil nicht lagerfähig wie z. B. Lauch, nicht in den Inventaren auftauchen. Auch waren sie nicht Gegenstand von Gerichtsverhandlungen. Man kann aber davon ausgehen, dass das, was in anderen Quellen u. a. in [Reith 2011] als weitere Gemüsesorten dieser Zeit angegeben wird, auch in Flörsheimer Gärten angebaut wurde Dazu zählen: Lauch, Zwiebeln, Rettich, Sellerie, Schwarzwurzeln, Pastinak, Mangold, Fenchel, Senf, Gurken, u. a.. Tomaten gab es noch nicht. Der heutige Gartenkürbis gelangte Mitte des 17. Jhdts. von Nordamerika nach Europa.

Küchenkräuter und Gewürze dienten, wie zu allen Zeiten,  der Verfeinerung der Speisen oder, auch noch im 17. Jhdt., zum übertünchen eines unliebsamen Geschmacks, z. B. bei altem Fleisch. Viele Kräuter fanden auch Verwendung als Heilkräuter. Zu den verbreitetsten einheimischen, heute noch bekannten Kräutern gehörten Dill, Petersilie, Knoblauch, Liebstöckel (Maggikraut), Minze, Bohnenkraut, Hollunder, Bärwurz, Kerbel, Salbei, Kümmel, Anis, Koriander, Mohn, u. a. Die Samen von Kümmel, Anis und Koriander konnten von den Wildpflanzen an Wegrändern oder im Wald gesammelt werden.

Zucker kam zuerst um 1500 als Rohrzucker aus Indien nach Europa; nach Entdeckung der Neuen Welt wurde Rohrzucker auf den westindischen Inseln in größeren Mengen erzeugt, und der Import nach Europa stieg entsprechend. Trotzdem blieb Zucker im 16. und auch im 17. Jhdt. ein Luxusgut für Reiche. Das gemeine Volk süßte nach wie vor mit Honig. Der Zuckergehalt von Zuckerrüben wurde erst 1747 entdeckt.

Zu den begehrtesten Gewürzen gehörten seit dem Beginn der frühen Neuzeit Pfeffer, Nelken, Ingwer und Safran, wobei Pfeffer an erster Stelle stand. Pfeffer war im 17. Jhdt. ein Luxusgut.

Er wurde bereits in der Antike auf dem Landweg von Indien nach Europa importiert. 1498 gelang es Vasco da Gama zum ersten Mal, eine Ladung Pfeffer auf dem Seeweg von Indien nach Europa zu bringen. Aber erst im 17. Jhdt. gelangte Pfeffer durch die niederländischen Handelsgesellschaften aus Südostasien (Gewürzinseln) in nennenswerten Mengen nach Europa (Wikipedia “Pfeffer”).

In den Flörsheimer Bürgermeisterrechnungen kommen zwar Einträge wie 12 alb Vor gewürtz in unseres Herrn Küche Kaufft vor, aber weder Art noch Menge des Gewürzes sind spezifiziert. Das Wort „Pfeffer“ kommt in Flörsheimer Dokumenten dieser Zeit nicht vor. In [Hirschfelder 2005] wird bemerkt: „--- die Mehrzahl der Landbewohner konsumierten so gut wie keine Gewürze, dafür aber um so mehr heimische Kräuter“.

Die Antwort auf die Frage, was im 17. Jhdt. getrunken werden konnte ist verblüffend. Milch spielte als Getränk außer für Kleinkinder keine Rolle.  Auch Wasser wurde nicht getrunken; es gibt in keinem der Flörsheimer Dokumente dieser Zeit einen Hinweis auf Wasser als Getränk.

Reste von Tierkadavern und tote Hunde wurden in den Main entsorgt; der Abdecker verrichtete sein Handwerk an der Hochheimer Gemarkungsgrenze direkt am Main (flussabwärts vom Dorf). Wenn nach starken Regenfällen die Kloaken überliefen, ergoss sich diese Brühe vermischt mit den Tierexkrementen auf den Wegen in den Main. Trotzdem muss das Mainwasser wegen der großen Wassermenge und der geringen Bevölkerungszahl noch relativ „sauber“ gewesen sein: Es gab essbare Fische im Main, die die Flörsheimer allerdings nicht legal nutzen konnten, siehe hier, und die Bierbrauer, die auf das Mainwasser angewiesen waren, waren offenbar in der Lage, ein trinkbares Bier zu brauen.

Das galt nicht für Brunnenwasser. Wahrscheinlich erreichten viele der nicht isolierten Kloaken den gleichen Grundwasserspiegel wie die Brunnen. Verunreinigtes Brunnenwasser war mit die häufigste Ursache für Infektionskrankheiten wie Cholera und Typhus. Die Menschen kannten die medizinischen Zusammenhänge noch nicht, aber sie wussten immerhin, dass man Brunnenwasser unabgekocht nicht trinken oder anders verwenden durfte. Wenn man es sich leisten konnte, wurde in Wein gesotten und gekocht.

Da die meisten Menschen ihr Leben nicht an einem klaren Gebirgsbach zubringen, hat die Menschheit zwei unterschiedliche Verfahren entwickelt, um Wasser trinkbar zu machen. Im westlichen Kulturkreis die alkoholische Gärung, wo der Alkohol für weitgehend keimfreie Getränke sorgt, und im östlichen Kulturkreis das Aufbrühen von Tee mit kochendem Wasser. Auch das führt zu keimfreien Getränken.

Obstsäfte konnte man aus Himbeeren oder Brombeeren gewinnen. Apfel- und Birnbäume gab es in der Flörsheimer Gemarkung und in den Gärten nicht so viele, als dass man daraus hätte substantielle Mengen an Apfelsaft oder Birnensaft herstellen können. Insgesamt spielten Obstsäfte als Getränk nur eine untergeordnete Rolle. Bleiben als Getränke Wein und Bier, deren Alkohol die im Wasser vorhandenen Keime abtötet.

Nicht nur im nahegelegenen Rheingau, sondern auch am Untermain hatte die Weinherstellung seit der Römerzeit eine ungebrochene Tradition. Etwas überspitzt war Flörsheim im 17. Jhdt. ein Winzerdorf, wo auch Ackerbau betrieben wurde. Nicht alle Flörsheimer Hofbesitzer waren Ackerbauern, aber alle waren Winzer.

Angebaut wurde in Flörsheim, wie in Hochheim, die Rieslingrebe. Die Rieslingrebe, die genetisch stark mit der Wildrebe verwandt ist, stellt zwar hohe Ansprüche an die Lage, verträgt aber Winterfröste bis -25 Grad, und ist wegen des späten Austriebes wenig spätfrostgefährdet. Rieslingweine gehören heute zu den hochwertigsten Weinen weltweit. Die weltweit erste Erwähnung von Riesling findet sich in einer Rüsselsheimer Urkunde vom 13. 3. 1435.

Alle Flörsheimer Winzer stellten im 17. Jhdt. Wein zum Eigenverbrauch her. Einige, mit großen Wingertflächen, produzierten auch für den Ausschank (Heckewirtschaften). Für 1682 sind die Einnahmen der Gemeinde aus der Schanksteuer berliefert (GB 1675-1690 V/N). Die Schanksteuer betrug 10 alb pro verzapftem Ohm Wein (Eigenverbrauch wurde nicht besteuert). Insgesamt wurden 89,5 Ohm Ausschankwein verzapft. Der Eigenverbrauch von Martin Schwertzel mit einem großen Haushalt ist 6 Ohm, das entspricht 2,5 L Wein pro Tag. Rechnet man für eine durchschnittliche Familie nur 4 Ohm Eigenbedarf beläuft sich der Eigenbedarf aller Flörsheimer Haushalte auf 400 Ohm. Zusammen mit dem Schankwein wurden also 1682 etwa 490 Ohm Wein konsumiert, das sind 73.500 L Wein. Auf einen Haushalt entfallen also im Mittel 735 L Wein pro Jahr, das sind 2 L Wein pro Tag, siehe auch Weinbau

Das ist zwar weit entfernt von den 4 L pro Person, die in der Gerichtssitzung an einem Abend getrunken wurden, aber immer noch beachtlich. Aufgrund der klimatischen Bedingungen im 17. Jhdt. (Kleine Eiszeit [Reith 2011]) enthielten die Trauben weniger Zucker als normalerweise heute. Hinzu kam, dass es üblich war, die Gärung durch Feuer unter dem Gärfass abzubrechen, um eine gewisse Restsüße zu erhalten. Beides zusammen führte zu einem im Vergleich zu heute deutlich geringeren Alkoholgehalt der Weine. Ansonsten wären die Flörsheimer im  17. Jhdt. permanent betrunken gewesen.

Ab dem hohen Mittelalter verdrängte das Bier den Met, der auf germanische Trinkkulturen zurückgeht. Bei der Herstellung von Met dient Honig als Zuckerlieferant für die alkoholische Gärung. Das Bier konnte durch Zusatz von Hopfen wesentlich haltbarer als Met gemacht werden, wurde dadurch erst transportfähig und konnte sich so gegenüber dem Met durchsetzen [Schubert 2006].

Bier wurde nicht in den Haushalten gebraut. Bierbrauen erfordert einen hohen Kapitaleinsatz für die Braugerätschaften (Sudkessel, Röstpfannen, Fässer), die enormen Mengen an Brennholz und die notwendigen Speicher und Keller als Lager für Gerste und Fässer und zur Trocknung des Malzes. Bier wurde „großtechnisch“ in Brauereien hergestellt, die auch ein spezielles Feuerrecht benötigten. In der zweiten Hälfte des 17. Jhdts. gab es in Flörsheim 7 Bierbrauer (pierbrewer) (nicht alle gleichzeitig).

Das von den Bierbrauern gebraute Bier war, vom Eigenbedarf der Brauer abgesehen, ausschließlich Schankbier – es gibt in den Inventaren keine Biervorräte in den Kellern. Wenn der Familienvater nach getaner Arbeit Bier trinken wollte, musste er eine der Hecke- oder Gastwirtschaften aufsuchen. Natürlich konnte er von da eine Kanne Bier mit nach Hause nehmen. Kinder durften Bier trinken, allerdings weniger als die Erwachsenen.

Für 1682 sind auch die Einnahmen der Gemeinde aus der Bierschanksteuer berliefert (GB 1675-1690 V/N). Die Schanksteuer für Bier ist genau halb so hoch wie die für Wein: 5 alb pro verzapftem Ohm. Insgesamt wurden 77 Ohm Bier verzapft, 11.600 L. Pro Haushalt und Tag sind das 0,3 L. Vergleicht man diesen Bierverbrauch mit den 2 L Weinkonsum pro Haushalt, sieht man, dass Bier als Getränk gegenüber dem Wein nur eine untergeordnete Rolle spielte. Für ein Winzerdorf wie Flörsheim konnte man das erwarten. In anderen „Nichtweingegenden“ war das sicher anders: für Oberdeutschland ist der Bierverbrauch in dieser Zeit mit 2 L pro Person und Tag angegeben [Hengartner et al. 1999].

In einigen Inventaren finden wir Gerätschaften zur Destillation von Branntwein. Im Keller von Nicolaus Simmon lagern Fässer von trester brandtenwein (Tresterbranntwein, muss geschmeckt haben wie Grappa). Branntwein wird im Lauf des 16. Jhdts. zu einem Genussmittel, nachdem er vorher nur als Heilmittel galt und ein Apothekenartikel war. Branntwein wurde aus Traubentrester, vergorenen Obstsäften oder Getreidemaische destilliert. Destillaten auf Getreidebasis wurde offenbar Wacholder zugesetzt: In einigen Inventaren sind „Wacholderflaschen“ aufgeführt (z. B. 1666 wacholdere flesch mit einer zinnen schraub). Im 17. Jhdt. wurde Branntwein in Flörsheim nur in heimischen Destillen und wohl auch nur in kleinen Mengen hergestellt. In Gastwirtschaften wurde kein Branntwein ausgeschenkt. Das wäre sicher mit einer Branntweinschanksteuer belegt worden und damit aktenkundig geworden.

Tabakrauchen war im Flörsheim des 17. Jhdts. sicher noch nicht weit verbreitet, aber bekannt, wie ein folgende Gerichtsbucheintrag eines Zeugenverhörs von 1666 zeigt.

Adam schelhamer Zeugt, dass er in der Küche gesesse Ein peif tuback Zu trincke --- (GB 1665-1673 V/N/S)

www. ohnemist.de

www.lebensmittellexikon.de

Schinken      Aufnahme Rainer Zenz

Speisesalz   poyraz72

Haferbrei    VirtualSteve

Essen und Trinken