Die Topografie der Flörsheimer Gemarkung wurde wesentlich auch  durch zwei Altarme des Mains geprägt, Plan K und rechts. Hier sind diese beiden Altarme eingetragen zusammen mit Teilen der 95 m- und 90 m-Höhenlinien. Die Geländebereiche unterhalb 90 m sind die tiefliegendsten Stellen in der Flörsheimer Gemarkung (außer dem Main und dem Mainufer). Der Erdelgraben der untere Altarm, verläuft am unteren Rand einer durch die 90 m-Höhenlinie begrenzten Mulde; das Land in dieser Mulde ist das Ried, das in regenreichen Zeiten noch heute unter Wasser steht (rechts). Prof. Metzner folgend, hat der Erdelgraben seinen Namen nach dem Weilbach, der ein Erdbach ist (in normalen Jahren versickert der Weilbach in der Erde nördlich des Erdelgrabens).

Zwischen den beiden Mainaltarmen befand  sich im Osten der Gemarkung ein tiefliegender Landbereich der noch zu Beginn des 17. Jhdts. ein großes, zusammenhängendes Feuchtgebiet war. Die Bezeichnung für dieses Gebiet war von alters her (1290) Harlat oder Harland (siehe Wege und Flurnamen).

Um dieses Gebiet zu entwässern und damit urbar zu machen, mussten Gräben, dem natürlichen Gefälle des Geländes folgend, gezogen werden; das war nur durch den Bau von Wassergräben zum Erdelgraben möglich. Das geschah um 1600. Die obere Riedbrücke im Riedweg hat vermutlich einen solchen Graben überbrückt. Die Entwässerung eines so großen Gebietes in den Erdelgraben dürfte zu erheblichen Problemen mit dessen Wasserstand geführt haben, was insbesondere an seiner Mündung in Ortsnähe unangenehm war. Der Erdelgraben musste deshalb  seinerseits durch Gräben zum Main entlastet werden. Dies erklärt die Existenz der Brücken im Eddersheimer Pfad und im Auweg. Aus dem Fehlen einer Brücke im Mittelpfad kann man folgern, dass dieser Weg kein Durchgangsweg nach Eddersheim darstellte. Diese Gräben waren nicht in Steinen gefasst und mussten regelmäßig von Schlamm und Sedimenten befreit werden, um funktionstüchtig zu bleiben. Das änderte sich 1740:

Dienstag den 26ten april 1740

Ist Von Schultheißen, gericht, und  gemeine Vorganger, mit Meister balthaßar Ramb Ein ordenthlicher Accord getroffen Nemlichen, und der gestalten, haben wir obgemelte Schultheißen, gericht und gemeine Vorgänger Unseren, Von der Edtersheimer gemarckung ahn biß ahn die oberweithen Undter der auw ahm oberwasßum in dem gandzsen strich Neben der auw herundter biß auff gemelte weithen auff dem wasßum auf die 21 Jahr Verliehen, der gestalten mit weithen ahn Zu Pflantzen, und was er ahn dem rich ahn Pflantzet in weithen und weithen baumlein, und für sich alhin Zu geniessen hat, dabey Verpricht er Ramb Einen Krob ahn der Edtersheimer gemarckung in oder ahn das wasßer ahn Zu Legen, der gestalten das er Ramb, auff seine Kosten 2 ruthen stein ahn der Kelb Zu brechen dieß dann sollen in dem frohn durch die bauweren in frohn auff die auw ahn die Edtersheimer gemarckung Zu Lässern, und wan auch Edtwas Landt gewundten werdten solte, solle er Es auch Zu geniesen haben,... (genauer Wortlaut hier)

Der Wagnermeister Balthasar Ramb erhält für 21 Jahre vom Flörsheimer Gericht das Recht, im gesamten Mainufer- und Aubereich östlich des Dorfes (Plan L) Weiden anzupflanzen und zu nutzen. Als Gegenleistung verpflichtet er sich, an der Gemarkungsgrenze zu Eddersheim einen Graben bis ins Wasser (Main) zu bauen, um die Au zu entwässern. Zunächst sollen zwei Ruthen Stein (knapp 30 m³) in der Kelb gebrochen und die Arbeiten von Flörsheimer Bauern in frohn geleistet werden. Wenn dabei etwas Land gewonnen werde, solle Ramb das Recht haben, es zu nutzen. 

Dieser Graben ist exakt der heutige Umflutsgraben an der Gemarkungsgrenze zu Eddersheim, der den Erdelgraben und die Au in den Main entwässert. Er ist offenbar, nicht wie manchmal angenommen, in neuerer Zeit entstanden, sondern über 250 Jahre alt.

Balthasar Ramb hatte sich verpflichtet, weitere 22 Ruthen (knapp 300 m³) Steine auf seine Kosten brechen zu lassen; offenbar konnte er der Verpflichtung nicht nachkommen. Das Gericht nimmt ihn 1758 ins Gebet und droht ihm, die Bestandszusage  zu entziehen. Beide Parteien haben sich aber geeinigt (Text hier).

Sumpfgebiet harlat/harland um 1600 vor der Entwässerung, vergl. hier

Ried und Au, Blick vom Riedweg nach Osten, im Hintergrund der baumbestandene Umflutgraben. Man kann klar das Bett des unteren Mainaltarms (Erdelgraben) erkennen   Aufnahme 2010

Erdel- und Umflutsgraben (buschbestanden), Google Earth 2013

Umflutsgraben, an der Eddersheimer Gemarkungsgrenze Richtung Südosten

Umflutsgraben, an der Eddersheimer Gemarkungsgrenze Richtung Südosten

Sperrtore am Umflutsgraben unter dem Maindamm

Mündung des Umflutsgrabens in den Main

Aufnahmen 2012/13

Der Umflutsgraben